Bei einer Podiumsdiskussion des DBwV-Bildungswerkes im Mai zum Afghanistan-Einsatz war auch Stabsfeldwebel a.D. Stefan Deuschl dabei. Foto: DBwV/Bombeke

Bei einer Podiumsdiskussion des DBwV-Bildungswerkes im Mai zum Afghanistan-Einsatz war auch Stabsfeldwebel a.D. Stefan Deuschl dabei. Foto: DBwV/Bombeke

07.08.2021
Gunnar Kruse

„Ich wünsche allen die Kraft, nach vorne zu blicken und das Erlebte zu verarbeiten“

Wenn Stefan Deuschl an die Rückkehr der letzten deutschen Soldaten aus dem Afghanistan-Einsatz denkt, so findet er für das Verhalten der Politik vor allem ein Wort: beschämend. Denn dass kein Vertreter der Regierung oder des Deutschen Bundestages bei der Rückkehr der letzten Bundeswehrangehörigen aus Afghanistan dabei war, kann er immer noch nicht begreifen. „Für eine Parlamentsarmee, die wir ja sind und worauf wir stolz sein dürfen, und für mich als Veteran und Einsatzgeschädigten, war das eine Unverschämtheit und eine Missachtung der Leistung der Soldaten“, sagt der Stabsfeldwebel a.D.

„Wir haben das Land und die Menschen dort sich selbst überlassen.“

Für den Abzug der Nato-Truppen und der Bundeswehr aus Afghanistan hat er kein Verständnis. „Jetzt sind die Taliban wieder weiter auf dem Vormarsch. Und das sagt mir, dass wir nichts erreicht haben“, so sein Resümee. „Wir haben das Land und die Menschen dort sich selbst überlassen.“ Alle positiven Maßnahmen und Projekte, die während des Einsatzes auch durch die Bundeswehr angestoßen wurden, sehe er jetzt in Gefahr. Deuschl und viele seiner Kameraden mussten einen hohen Preis zahlen. 59 Soldaten verloren beim Einsatz am Hindukusch ihr Leben, 35 davon fielen. Rund 200 wurden körperlich verwundet. Einer von ihnen ist Deuschl. An einem Novembertag 2005 veränderte sich sein Leben von einer Sekunde auf die andere. Bei einem Sprengstoffanschlag wird der Geländewagen zerstört, in dem er zusammen mit Oberfeldwebel Tino Käßner und Oberstleutnant Armin Franz unterwegs ist. Franz stirbt, Käßner und Deuschl überleben schwerstverletzt.

„Durch den Sport habe ich wieder zurück ins Leben gefunden."

Doch trotzdem er beide Beine bei dem Anschlag verliert, kann sich der heute 53-Jährige ins Leben zurückkämpfen. Neben der Unterstützung durch seine Familie ist es vor allem der Sport, der ihm dabei bis heute eine große Stütze ist und viel Lebenskraft gibt.  Ob Handbiking, Kanufahren oder Skifahren – die Liste der Disziplinen ist lang bei Stefan Deuschl. Auch wenn er sich mittlerweile vom Leistungssport verabschiedet hat, so wäre für ihn die Teilnahme an einem Wettstreit sehr reizvoll. „Ich hatte noch nie eine Einladung zu den Invictus Games. Dabei würde ich dort sehr gern für Deutschland an den Start gehen – sogar egal, in welcher Sportart“, sagt er mit Blick auf die paraolympische Sportveranstaltung für einsatzgeschädigte Soldaten, die im nächsten Jahr in Den Haag und 2023 in Düsseldorf stattfindet. „Ich halte sehr viel von den Invictus Games, schließlich habe ja auch durch den Sport wieder zurück ins Leben gefunden.“ 

Allen Kameraden – ob sie nun gesund oder versehrt aus Afghanistan zurückgekommen sind – wünscht Stefan Deuschl vor allem, „dass sie die Kraft finden, das Erlebte zu verarbeiten, nach vorn zu blicken und ihr Leben gut zu meistern“. Und dieser Wunsch gelte, so betont er, für alle Einsätze, in denen die Bundeswehr eingesetzt war, ist und sein wird.

Am 31. August soll der Einsatz aller Kontingente mit einem Gedenken für die Gefallenen und Getöteten, die körperlich und seelisch Verwundeten am Ehrenmal der Bundeswehr mit einem Abschlussappell am Bendlerblock und einem Großen Zapfenstreich vor dem Deutschen Bundestag gewürdigt werden. Vielleicht ist dann auch Stefan Deuschl dabei. „Ich wurde zwar gefragt, ob ich daran teilnehmen möchte, habe er bislang noch keine Einladung erhalten“, sagt er. An sich seien die für Ende August geplanten Veranstaltungen für ihn eine sehr gute Sache. „Wenn wir als Soldaten schon oft nicht die angemessene Anerkennung durch die Bevölkerung erhalten, so sollte es doch zumindest durch das Parlament geschehen.“

 

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