Bisher ohne Fehl und Tadel, doch nun könnte Brigadegeneral Markus Kreitmayr ein gerichtliches Disziplinarverfahren drohen. Foto: Bundeswehr

Bisher ohne Fehl und Tadel, doch nun könnte Brigadegeneral Markus Kreitmayr ein gerichtliches Disziplinarverfahren drohen. Foto: Bundeswehr

03.03.2021
Frank Jungbluth

Der General, die Leidenschaft und die schwierige Lage

KSK-Kommandeur Markus Kreitmayr ist ein Offizier, der bisher ohne Fehl und Tadel gedient hat. Es stellt sich die Frage, warum man dem verdienten General jetzt dienstrechtlich beikommen will.

Berlin. Wer den Brigadegeneral Markus Kreitmayr kennt, der weiß, dass die Geschichte von der stets gepackten und abmarschbereiten Reisetasche in seinem Büro in der Calwer Graf-Zeppelin-Kaserne keine Legende ist, wie sie sonst gerne gestrickt werden, um kernige Kommandeure, wie Kreitmayr einer ist. Die Geschichte stimmt. In Kreitmayrs Büro steht diese Tasche. Man sieht dort auch eine Deutschland-Fahne und allerlei Erinnerungen an die vielen Einsätze, die der 52-jährige Kommandeur des Kommandos Spezialkräfte (KSK) im Laufe seines Soldatenlebens zusammengetragen hat.

Kameraden, die Markus Kreitmayr gut kennen, erzählen die Geschichte eines Mannes, der den Soldatenberuf nicht nur von der Pike auf erlernt hat, der als überzeugter Staatsbürger in Uniform seiner Bundesrepublik treu dient und mit seiner Reisetasche und seiner Ausrüstung jederzeit an jedem Ort der Welt die Interessen Deutschlands verteidigen würde, sie berichten vor allem von einem, der 1987 die Uniform anzog, um fortan ein leidenschaftlicher Diener seines Landes zu sein. Ein Soldat mit Herz und Überzeugung, mit kühlem Kopf und scharfer Analyse, der am 26. Juni 2018 ein KSK übernommen hat, in dem es schon Vorfälle gegeben hatte, die zum Nachdenken über den inneren Zustand an der einen oder anderen Stelle hätten anregen können. Denn zu dieser Zeit wussten alle von der Geschichte in der 2. Kompanie. Zum Abschied für den Kompaniechef, ein Oberstleutnant, sei Rechtsrock gespielt worden, der Hitlergruß gezeigt und mit Schweineköpfen geworden worden – das war ein Jahr, bevor Markus Kreitmayr übernommen hat.

Seit dem heutigen Mittwoch, als Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer im Verteidigungsausschuss des Bundestages den Parlamentariern einmal mehr zum Thema KSK Rede und Antwort stehen musste, ist der General unter schwerem Beschuss. Dabei hat er stets engagiert mitgearbeitet, als sich im Juni 2020 eine Arbeitsgruppe im Bundesverteidigungsministerium zusammenfand, die alle fragwürdigen Vorgänge im Kommando Spezialkräfte aufarbeiten sollte – und Konsequenzen vorschlagen. Im Verteidigungsausschuss am Mittwoch kündigte die Verteidigungsministerin an, sie prüfe, ob sie ein gerichtliches Disziplinarverfahren gegen den Brigadegeneral Markus Kreitmayr einleiten wolle. Die CDU-Politikerin könnte das kraft Amtes veranlassen.

Man wirft dem untadeligen Offizier vor, er habe illegal vor einem Jahr Sammelboxen aufstellen lassen, in denen Soldaten gesammelte Munition anonym abliefern konnten. Dafür sollte das Dienstvergehen straffrei bleiben. Ein Rechtsbruch, meint man an höherer Stelle im Ministerium und bei der Division schnelle Kräfte, zu der das KSK gehört. Kenntnis darüber soll man in der Arbeitsgruppe zur Aufarbeitung der Problemfälle im KSK lange gehabt haben. Wer wusste wann was? Die Frage kann entscheidend werden, aber es wird immer deutlicher, dass man Kreitmayr für alles, was jemals im KSK schiefgelaufen ist, verantwortlich machen will, damit sonst niemand Konsequenzen ziehen muss. Das ist leider schlechter Brauch in solchen Fällen. Dabei dürfte der inzwischen angeklagte Oberstabsfeldwebel aus Sachsen, der einige tausend Schuss Munition und Sprengstoff aus den Beständen seiner Einheit, des KSK, im heimischen Garten vergrub, schon vor der Zeit, als Kreitmayr das KSK 2018 übernommen hatte, illegal die heiße Ware an sich genommen haben.

Spezialkräfte der Bundeswehr führen im Juni 2018 beim Tag der Bundeswehr die Befreiung einer Geisel vor. Etwa zur gleichen Zeit hatte Kreitmayr das Kommando übernommen. Foto: picture alliance/dpa | Monika Skolimowska

„Die Einsetzung der Arbeitsgruppe ist ein ganz klares Zeichen, dass wir Rechtsextremismus und jede andere Form des Extremismus in der Bundeswehr nicht dulden. Dass wir mit einem eisernen Besen durchgehen. Insofern ist auch nicht auszuschließen, dass noch weitere Fälle auftauchen“, orakelte die Bundesverteidigungsministerin, als die Gruppe im Sommer 2020 die Arbeit aufgenommen hatte.

Weitere Fälle sind zwar nicht aufgetaucht, aber jetzt will man offenbar dem Kommandeur ans Leder, weil er mit seiner umstrittenen Aktion „Munitions-Amnestie“ offenbar eine Maßnahme gewählt hat, die zwar hilfreich gewesen sein könnte, um die jahrelang geübte Praxis des laxen Umgangs mit Munition abzustellen, die aber so unorthodox war, dass sie Kreitmayr im Nachgang schaden kann.

Somit würde der Brigadegeneral, dem niemand, der ihn kennt, absprechen würde, dass er seine Einheit in Ordnung bringen wollte, zur tragischen Figur in einem politischen Spiel werden. Einem Spiel, in dem offenbar zu viele Akteure zu wenig darüber wissen, was es heißt, Soldat mit Leidenschaft zu sein oder im KSK jederzeit einsatzbereit, um die unangenehmen Aufgaben weltweit zu erledigen, die sonst niemand machen will.

Mit Rat und Hilfe stets an Ihrer Seite!

Nehmen Sie Kontakt zu uns auf.

Alle Ansprechpartner im Überblick