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Das traditionelle Gruppenbild mit den Staats- und Regierungschefs der NATO-Bündnispartner. Foto: NATO
Ankara. Der NATO-Gipfel in Ankara ist mit einem klaren Signal zu Ende gegangen: Die Allianz will ihre Verteidigungsfähigkeit deutlich ausbauen, stärker in militärische Fähigkeiten investieren und die industrielle Basis des Bündnisses langfristig stärken. In ihrer Abschlusserklärung bekräftigten die Staats- und Regierungschefs ihre uneingeschränkte Unterstützung für Artikel 5 des NATO-Vertrags und stellten die Modernisierung der Bündnisverteidigung sowie die langfristige Unterstützung der Ukraine in den Mittelpunkt ihrer Beschlüsse.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte bezeichnete die gefassten Entscheidungen als historisch und betonte den Zusammenhalt der Allianz trotz unterschiedlicher Positionen einzelner Mitgliedstaaten. Die NATO stehe geschlossen zusammen und sei bereit, jeden Quadratkilometer ihres Bündnisgebiets zu verteidigen. Zugleich unterstrich Rutte, dass die Vereinigten Staaten dem Bündnis weiterhin verpflichtet blieben. „Wir sind ein gemeinsames Bündnis“, erklärte er zum Abschluss des Gipfels.
Ein Schwerpunkt der Beratungen lag auf dem Ausbau der Verteidigungsindustrie. Die Mitgliedstaaten wollen Produktionskapazitäten erhöhen, Beschaffungsverfahren beschleunigen und die Zusammenarbeit zwischen Regierungen und Unternehmen intensivieren. Rutte warb in diesem Zusammenhang für seine Vision einer „NATO 3.0“, in der militärische Stärke, technologische Innovation und industrielle Leistungsfähigkeit enger miteinander verbunden werden. Investitionen sollen unter anderem in Luft- und Raketenabwehr, unbemannte Systeme, Künstliche Intelligenz, Cyberfähigkeiten und moderne Aufklärung fließen.
Bundeskanzler Friedrich Merz betonte in Ankara die wachsende Verantwortung Europas innerhalb der Allianz. Ziel müsse eine europäischere NATO sein, damit die transatlantische Verbindung dauerhaft erhalten bleibe. Europa müsse mehr Verantwortung übernehmen und strategische Abhängigkeiten verringern. Als Beispiel nannte Merz die engere Zusammenarbeit Deutschlands mit Kanada und Norwegen bei Marinefähigkeiten und im U-Boot-Bau. Zudem kündigte er an, bei weitreichenden Präzisions- und Abstandswaffen weitere Fortschritte erzielen zu wollen.
Die Unterstützung der Ukraine bleibt ein zentraler Bestandteil der NATO-Politik. Die Verbündeten bekräftigten ihre langfristige Unterstützung mit militärischer Hilfe, Ausbildung und Ausrüstung. Merz erklärte, Russland werde seine Kriegsziele nicht erreichen. Die Ukraine verteidige auch die Freiheit Europas. Ziel müsse es sein, den Krieg zu beenden und Russland mit der notwendigen Härte an den Verhandlungstisch zu bringen.
Neben dem Krieg in der Ukraine befasste sich der Gipfel mit weiteren sicherheitspolitischen Herausforderungen. Die NATO bekräftigte ihre Haltung gegenüber Iran: Das Land dürfe niemals über Atomwaffen verfügen. Merz betonte, dass der Nahe Osten Stabilität benötige und Deutschland die Vereinigten Staaten bei ihren Bemühungen unterstützen werde.
Auch die strategische Bedeutung der Arktis spielte eine Rolle. Angesichts wachsender geopolitischer Konkurrenz müsse die NATO ihre Fähigkeiten in der Region weiter stärken, erklärte Rutte. Die Gespräche über Grönland zwischen den USA, Dänemark und Grönland würden fortgeführt. Die Allianz wolle eng mit allen Beteiligten zusammenarbeiten.
Trotz der demonstrierten Geschlossenheit wurden am Rande des Gipfels erneut Spannungen innerhalb des Bündnisses sichtbar. US-Präsident Donald Trump erneuerte seine Forderungen nach einer stärkeren Berücksichtigung amerikanischer Interessen und verwies erneut auf die strategische Bedeutung Grönlands. Die Debatte verdeutlicht die anhaltenden Diskussionen über Lastenteilung, europäische Eigenverantwortung und die Rolle der USA in der NATO.
Dennoch bewertete Merz die Atmosphäre innerhalb der Allianz insgesamt positiv. Mit einem Augenzwinkern zitierte er Trumps Aussage aus einer Arbeitssitzung: „There is a feeling of love in the air.“ Die Botschaft des Gipfels bleibt damit eindeutig: Die NATO will militärisch stärker, industriell leistungsfähiger und politisch geschlossener auftreten – und zugleich die transatlantische Verbindung bewahren.
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