Das Machtzentrum der USA: Das Weiße Haus in Washington D.C. Foto: Picture-Alliance/Valentyn Semenov/Shotshop

Das Machtzentrum der USA: Das Weiße Haus in Washington D.C. Foto: Picture-Alliance/Valentyn Semenov/Shotshop

04.07.2026
Eva Krämer

Zwischen Weltpolizei und innerer Zerrissenheit: Wie 250 Jahre Sicherheitsstreben die USA prägten

Vor 250 Jahren erklärten die britischen Kolonien auf dem nordamerikanischen Kontinent ihre Unabhängigkeit von Großbritannien. Mit der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 waren die Vereinigten Staaten von Amerika geboren. Die Idee der „Declaration of Independence“ war Freiheit, Gleichheit und das Recht auf Selbstbestimmung. Wie viel davon heute noch übrig ist, ist fraglich.

Das 250-jährige Jubiläum der USA ist nächste Woche auch Thema im Bundestag: Am Mittwoch (8. Juli) diskutieren die Abgeordneten zum Thema „250 Jahre USA – Freiheit, Demokratie und Verantwortung“.

In den USA ist der 4. Juli ein besonderer Tag: Der Independence Day ist der Nationalfeiertag des Landes. In diesem Jahr wird die Unabhängigkeit von Großbritannien zum 250. Mal gefeiert. Die gemeinnützige „America 250 Commission“ kündigte an, es solle „die größte synchronisierte Feier zum Unabhängigkeitstag in der Geschichte der USA“ werden. Ob es jedoch ein Freudenfest wird, darf angesichts der internationalen Konflikte, der Inflation und der politischen Polarisierung bezweifelt werden.

Die Geschichte der Vereinigten Staaten beginnt mit der europäischen Besiedlung Nordamerikas. Ab dem 17. Jahrhundert gründeten vor allem britische Siedler entlang der Ostküste Kolonien, die wirtschaftlich und politisch eng mit Großbritannien verbunden waren. Mit der Zeit entwickelten die 13 Kolonien jedoch ein wachsendes Selbstbewusstsein und strebten nach mehr politischer Mitbestimmung. Als Großbritannien nach dem Siebenjährigen Krieg versuchte, die Kolonien durch neue Steuern stärker zu kontrollieren, wuchs der Widerstand. Der Konflikt eskalierte schließlich und mündete im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775–1783).

Am 4. Juli 1776 unterzeichneten die Vertreter der 13 Gründerstaaten der USA die Unabhängigkeitserklärung. Die „Declaration of Independence“, die maßgeblich von Thomas Jefferson, einem der Gründerväter und späteren dritten US-Präsidenten, verfasst wurde, ist die Gründungsurkunde der USA. Sie wurde im Assembly Room des Pennsylvania State House, der heutigen Independence Hall, unterzeichnet. Die Erklärung basiert auf den Ideen Freiheit, Gleichheit und Selbstbestimmung. Wie viel davon heute, 250 Jahre später, noch übrig ist, ist fraglich.

Wendepunkt zur Weltmacht

Der Amerikanische Bürgerkrieg (1861–1865) markiert einen wichtigen Punkt in der amerikanischen Geschichte: Er war der blutigste Krieg der USA und ein entscheidender Wendepunkt auf dem Weg zur Weltmacht. Mitte des 19. Jahrhunderts waren die USA tief gespalten. Die Nordstaaten industrialisierten sich zunehmend, während die Südstaaten stark von der Plantagenwirtschaft abhängig waren. Zentrale Streitpunkte waren die Sklaverei und die Ausweitung neuer Territorien. Als Abraham Lincoln 1860 zum Präsidenten gewählt wurde, befürchteten viele Südstaaten Einschränkungen der Sklaverei. Daraufhin traten elf Südstaaten aus der Union aus und gründeten die Konföderierten Staaten von Amerika.

Im April 1861 begann der Krieg mit der Schlacht um Fort Sumter. Auf der einen Seite standen die Nordstaaten, mit mehr Einwohnern, einer stärkeren Industrie und einem dichten Eisenbahnnetz. Auf der anderen Seite stand der Süden, der über viele erfahrene Offiziere verfügte und zunächst militärische Erfolge auf eigenem Gebiet verzeichnen konnte. Nach vier Jahren endete der verlustreiche Krieg 1865 mit einem Sieg der Nordstaaten. Rund 600 000 Menschen verloren ihr Leben.

Aus dem Bürgerkrieg gingen die Vereinigten Staaten geeint und wirtschaftlich gestärkt hervor. Es folgte ein beispielloser Aufstieg: Fabriken, Eisenbahnen und neue Industrien machten das Land zu einer wirtschaftlichen Großmacht. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts richtete sich der Blick zunehmend über die eigenen Grenzen hinaus.

Eintritt in Ersten Weltkrieg

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs blieben die USA zunächst neutral. Der uneingeschränkte U-Boot-Krieg gegen Handelsschiffe sowie die sogenannte „Zimmermann-Depesche“, in der Deutschland Mexiko ein Bündnis gegen die USA anbot, führten jedoch zu einem Umdenken. 1917 traten die USA schließlich doch in den Krieg ein. Mit ihren frischen Truppen und ihrer starken Industrie trugen sie maßgeblich zum Sieg der Alliierten bei. Der Krieg markiert den Beginn des amerikanischen Aufstiegs zur globalen Macht.

Nach dem Ersten Weltkrieg zogen sich die USA zunächst aus der Weltpolitik zurück und erlebten einen wirtschaftlichen Aufschwung. In den 1920er- und frühen 1930er-Jahren spielten sie zunächst keine dominante militärische Rolle. Der Fokus lag auf der Wirtschaft und der innenpolitischen Stabilität. Mit dem Börsencrash von 1929 begann die große Depression mit massiver Arbeitslosigkeit, wirtschaftlichen Einbrüchen und einer Vertrauenskrise in das kapitalistische System. Während in Deutschland die Nationalsozialisten an die Macht kamen und 1939 in Europa der Zweite Weltkrieg ausbrach, blieben die USA, wie auch im Ersten Weltkrieg, zunächst neutral – bis Japan im Dezember 1941 Pearl Harbor angriff. Damit traten die USA in den Zweiten Weltkrieg ein und wurden innerhalb kürzester Zeit zur zentralen militärischen Führungsmacht der Alliierten.

Damit war der internationale Einfluss und die militärische Stärke größer als je zuvor. Während große Teile Europas zerstört waren, verfügten die USA über eine leistungsfähige Industrie und waren zunächst die einzige Atommacht der Welt. Gemeinsam mit den anderen Alliierten gestalteten sie die Nachkriegsordnung und unterstützten den Wiederaufbau Europas. Im Jahr 1949 gründeten die USA gemeinsam mit elf weiteren Staaten die NATO. In den folgenden Jahren des Kalten Krieges boomte die amerikanische Wirtschaft. Getragen von einer starken Industrie, wachsendem Konsum und technologischen Innovationen entwickelte sich das Land zur führenden Wirtschafts- und Militärmacht der Welt.

Nukleares Wettrüsten

Zwischen den 1950er-Jahren und dem Ende des Kalten Krieges 1991 war die Weltpolitik geprägt von ideologischen Konfrontationen, nuklearem Wettrüsten und Stellvertreterkriegen. Die USA griffen immer wieder indirekt in Konflikte ein, beispielsweise im Koreakrieg (1950–1953) und im Vietnamkrieg (1955–1975). Mit der Kuba-Krise im Jahr 1962, bei der es zu einer direkten Konfrontation zwischen den USA und der Sowjetunion kam, stand die Welt zeitweise am Rand eines Atomkrieges.

Zwischen 1989 und 1991 bricht der Ostblock in Europa zusammen: 1989 fällt die Berliner Mauer, Deutschland wird wiedervereint und 1991 löst sich die Sowjetunion auf. Der Kalte Krieg ist beendet und die USA bleiben als einzige globale Supermacht zurück. Daraus entwickelt sich die Rolle der „Weltpolizei“, also einer Macht, die weltweit in Konflikte eingreift oder versucht sie zu stabilisieren.

So griffen die USA in den 1990er-Jahren im Balkan-Krieg ein und führten den NATO-Einsatz mit dem Ziel, einen Völkermord zu verhindern und Europa zu stabilisieren. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 auf das World Trade Center veränderte sich die US-Außenpolitik grundlegend: Der Fokus lag nun auf der weltweiten Terrorbekämpfung und präventiven Einsätzen. In den 2000er- und 2010er-Jahren führen die USA Kriege in Afghanistan und im Irak. Das US-Militär stürzte die Taliban, doch der Einsatz in Afghanistan wurde zum längsten Krieg in der Geschichte der USA. Im Irak stürzten die USA das Regime von Saddam Hussein, was allerdings nicht zur angestrebten Stabilisierung des Landes führte, sondern zunächst ein Machtvakuum schuf, das Jahre politischer Instabilität und Gewalt nach sich zog. Hohe Kosten und viele Opfer waren die Folgen der beiden Kriege. Auch deshalb wird die Rolle der USA in Afghanistan und im Irak bis heute stark kontrovers diskutiert.

MAGA und America First

Schrittweise zog sich die USA aus beiden Ländern zurück. Die neue Konkurrenz: die Volksrepublik China, vor allem, was Wirtschaft, Militär und Technologie betrifft. Auch mit Russland kommt es zu Spannungen, besonders nach 2014 und massiv nach 2022. Der Fokus lag wieder auf der Stärkung der NATO.

Die Forderungen von US-Präsident Donald Trump nach einer stärkeren finanziellen Beteiligung der europäischen Bündnispartner sowie seine wiederholten Drohungen, die NATO notfalls zu verlassen oder ihren Schutz zu relativieren, sorgen heute für Unsicherheit über die Zukunft des transatlantischen Bündnisses. Damit stehen die USA vor der Herausforderung, ihre Rolle als globale Führungsmacht zwischen internationalen Verpflichtungen und innenpolitischen Interessen neu zu definieren.

Aus den 13 britischen Kolonien entstand innerhalb von 250 Jahren eine Nation, die Kriege, Bündnisse und die internationale Ordnung maßgeblich geprägt hat. Im Jahr 1776 wurde die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet, die von der Idee der Freiheit, Gleichheit und Selbstbestimmung getragen war. Doch im Jubiläumsjahr stehen diese Grundprinzipien unter enormem Druck: Nach außen geben sich die USA als militärische Supermacht. Mit Blick auf die innenpolitischen Konflikte und den Aufstieg der MAGA-Bewegung („Make America Great Again“) unter Präsident Donald Trump scheint das Land zerrissener denn je. Unter dem Leitmotiv „America First“ (Amerika zuerst) fordern die Anhänger unter anderem eine strenge Grenzsicherung, die Abkehr vom Freihandel, eine konservative Gesellschaftspolitik und einen Rückzug aus globalen Konflikten. Kurz: Die USA soll sich wieder mehr auf sich selbst konzentrieren. Während die Bewegung für ihre Anhänger eine Rückkehr zu alter Stärke und Freiheit bedeutet, sehen Kritiker in ihr eine Bedrohung für die Demokratie. Es bleibt fraglich, wie viel von den Idealen Freiheit, Gleichheit und Selbstbestimmung inzwischen noch übrig ist.

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