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Ottawa. Deutschland und Norwegen wollen den Nato-Verbündeten Kanada als Partner in ihr gemeinsames Projekt zum Bau moderner U-Boote aufnehmen. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) machte sich am Rande seines Besuchs in Ottawa für eine Beteiligung Kanadas an dem Marinevorhaben stark, mit dem die Partner Schiffe der Klasse 212CD bauen. In der vorletzten Woche war eine kanadische Delegation zu Fachgesprächen in Kiel, wo der deutsche U-Boot-Hersteller Tyssenkrupp Marine Systems (TKMS) seinen Sitz hat.
«Es ist kein Geheimnis, dass wir ein neues Kapitel in unserer Partnerschaft aufschlagen wollen», sagte Pistorius nach Gesprächen mit seinem norwegischen Amtskollegen Tore Sandvik und dem kanadischen Verteidigungsminister David McGuinty unter sechs Augen. Die U-Boot-Kooperation stehe für Verlässlichkeit und Teamplay in der Sicherheitspolitik.
Kanada will in den nächsten Jahren vier ältere U-Boote ersetzen. Zu den Bietern, die sich um den Auftrag zum Bau der Nachfolgemodelle bewerben, gehört auch Südkorea. Eine Entscheidung der kanadischen Regierung über das milliardenschwere Vorhaben wird spätestens im Frühjahr erwartet.
Europäer versprechen modernstes U-Boot
Die 73 Meter langen deutsch-norwegischen U-Boote verfügen nach Angaben des deutschen Verteidigungsministeriums über eine verbesserte Sensortechnik, gesteigerte Reichweite und verringerte Schallsignatur, die Feinden eine Ortung erschwert. Angepriesen wird auch die Technik des Bootes zur Erstellung von Lagebildern und Kommunikation.
TKMS wurde 2021 von Deutschland und Norwegen mit dem Bau der U-Boote beauftragt, im September 2023 erfolgte der Produktionsstart. Die sechs von Deutschland bestellten U-Boote sollen in den Jahren 2032 bis 2037 ausgeliefert werden. Norwegen hat in gleicher Zahl bestellt. Das CD in der Bezeichnung der U-Boote steht für «Common Design» - also Schiffe, die bis auf den Funkraum komplett baugleich sind.
Die Zusammenarbeit mit Norwegen sei Paradebeispiel dafür, wie aus gemeinsamer Planung maritime Schlagkraft entsteht, sagt der deutsche Marineinspekteur Jan Christian Kaack. «Wenn wir dieses Modell künftig etwa mit Partnern wie Kanada fortschreiben, erweitern wir nicht nur technische Synergien, sondern auch den gemeinsamen Erfahrungshorizont - von der Operationsführung bis zur industriellen Basis.»
Umfangreiche Kooperation zur Abschreckung Russlands
Zur Zusammenarbeit gehört, dass das Training für die Mannschaften sowie Wartung und Ersatzteilversorgung gemeinsam erfolgen. Im norwegischen Bergen ist eine Wartungswerft der Partner vorgesehen.
Kanada ist seit Juli 2024 mit Deutschland, Norwegen und inzwischen auch mit Dänemark über eine Maritime Sicherheitspartnerschaft verbunden. Rüstungskooperationen sind ein Teil dieser Partnerschaft. Die beteiligten Staaten wollen auch bei neuer Rüstungstechnik zusammenarbeiten, die dem Schutz wichtiger Infrastruktur unter Wasser dient, darunter Pipelines und Kommunikationsleitungen.
Des Weiteren soll es gemeinsame Übungen und Einsatzverfahren geben, wie sie im Kampf gegen gegnerische U-Boote und bei der Überwachung großer Seegebiete aus der Luft nötig sind. Die Nato-Verbündeten wollen so verhindern, dass Russland im Nordatlantik den Schiffsverkehr zwischen den transatlantischen Partnern militärisch unterbindet.
Wegen Trump: Kanada ist zu den USA auf Distanz
Zu den Vorbereitungen gehört auch ein gemeinsames Lagebild der Entwicklungen im Atlantik und der Arktis. Eine strategisch wichtige Meerenge im Nordatlantik ist das sogenannte GIUK Gap, begrenzt durch Grönland, Island und Großbritannien (UK). Im Blick ist auch das als «Bear Gap» bezeichnete und strategisch wichtige Gewässer zwischen Nordkap, Bäreninsel und Spitzbergen.
Die Beziehungen Kanadas zum Nato-Partner und schwergewichtigen Nachbarn USA haben stark gelitten, seit US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus sitzt und wiederholt den Anspruch formulierte, Kanada solle Teil der Vereinigten Staaten werden und damit seine staatliche Unabhängigkeit aufgeben.
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