Zwölf interessierte Soldatinnen und Soldaten besuchten mit dem Berufsförderungsdienst der Bundeswehr die Justizvollzug in Erfurt. Foto: DBwV

Zwölf interessierte Soldatinnen und Soldaten besuchten mit dem Berufsförderungsdienst der Bundeswehr die Justizvollzug in Erfurt. Foto: DBwV

11.05.2026
Gabriela Raue

Vom Dienstherrn zum Arbeitgeber: Wie Soldaten im Justizvollzug eine neue Zukunft finden

Zum nahenden Dienstzeitende (DZE) suchen viele Zeitsoldaten aktiv nach Möglichkeiten, ihre erworbenen Fähigkeiten in den zivilen Arbeitsmarkt einzubringen. Der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr (BFD) unterstützt diesen Übergang gezielt und erleichtert den Start in eine neue berufliche Zukunft. Aus diesem Anlass lud der BFD Erfurt zu einem Soldatentag in die Justizvollzugsanstalt Tonna ein. Zwölf interessierte Soldatinnen und Soldaten folgten der Einladung, um sich vor Ort über berufliche Perspektiven im Justizvollzug zu informieren.

Empfangen wurden sie von der Justizvollzugsobersekretärin und Ausbildungsleiterin Fr. Vollrath, die einen umfassenden Einblick in ihre Tätigkeit gab und die Justizvollzugsanstalt Tonna als attraktiven Arbeitgeber vorstellte. Sie erläuterte, dass das Thüringer Ministerium für Justiz, Migration und Verbraucherschutz ein sicherer Dienstherr ist, der durch die Einheitslaufbahn im mittleren Dienst vielfältige Einsatzmöglichkeiten bietet – sowohl im Sicherheitsbereich als auch in handwerklichen oder verwaltenden Abteilungen. Interessierte Soldatinnen und Soldaten können sich im Rahmen ihrer Berufsförderung zur Justizvollzugsobersekretärin bzw. zum Justizvollzugsobersekretär ausbilden lassen. Die zweijährige Ausbildung qualifiziert für den mittleren allgemeinen Vollzugsdienst. Diese Beamtinnen und Beamten stellen die größte Berufsgruppe innerhalb einer Justizvollzugseinrichtung dar und übernehmen eine zentrale Rolle: Sie sind erste Ansprechpersonen für die Inhaftierten, gewährleisten Sicherheit und Ordnung und sind für die Betreuung, Versorgung und Beaufsichtigung zuständig. Sie unterstützen soziale, psychologische und medizinische Fachdienste, gestalten den Tagesablauf in den Abteilungen und wirken bei Aufnahme sowie Entlassung der Gefangenen mit. In der JVA Tonna sind rund 250 Bedienstete im allgemeinen Vollzugsdienst tätig. Darüber hinaus wurde die Möglichkeit eines dreijährigen dualen Studiums für den gehobenen Vollzugs- und Verwaltungsdienst vorgestellt. Die Absolventinnen und Absolventen übernehmen anspruchsvolle Aufgaben im Führungsmanagement, beispielsweise in den Bereichen Personal, Arbeits- und Versorgungswesen, Rechnungswesen oder Sicherheit. Als Vollzugsabteilungsleiter fungieren sie jederzeit als Bindeglied zwischen den verschiedenen Berufsgruppen und tragen wesentlich zur Funktionsfähigkeit des Vollzugs bei.

Im Anschluss an die theoretische Einführung erhielten die Teilnehmenden bei einem Rundgang über das rund 14,5 Hektar große Gelände der Anstalt praktische Einblicke. Neben den Hafthäusern mit angeschlossenen Freihöfen besichtigten sie unter anderem Arbeitsbetriebe, ein Gewächshaus, Verwaltungsgebäude, Sporteinrichtungen, einen Mehrzweckraum, einen Andachtsraum, die Besuchsbereiche sowie eine Bibliothek. Besonders praxisnah war die Möglichkeit, verschiedene Bereiche kennenzulernen und mit Justizvollzugsbediensteten ins Gespräch zu kommen. Für die durchschnittlich 480 Inhaftierten stehen zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung, darunter Schlosserei, Sattlerei/Näherei, Wäscherei, Bäckerei, Anstaltsküche, Tischlerei, Kfz-Werkstatt, Gärtnerei sowie arbeitstherapeutische Angebote mit Ton und Holz. Auch externe Bildungsmaßnahmen des Berufsfortbildungswerkes werden innerhalb der Anstalt betreut.

Für diese vielfältigen Aufgaben wird qualifiziertes Personal benötigt und ehemalige Zeitsoldaten sind aufgrund ihrer Disziplin, Belastbarkeit und Erfahrung besonders gefragt. Die Vorteile liegen auf beiden Seiten: Während der Justizvollzug motivierte und zuverlässige Fachkräfte gewinnt, profitieren ehemalige Soldaten von einer strukturierten und krisensicheren beruflichen Perspektive. Der Soldatentag wurde von allen Beteiligten sehr positiv aufgenommen. Mit der JVA Tonna konnte der Berufsförderungsdienst einen weiteren starken Kooperationspartner gewinnen, der den Übergang vom militärischen in das zivile Berufsleben aktiv unterstützt.

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