Rund 50 Teilnehmerinnen trafen sich zur Tagung der Gleichstellungsbeauftragten und Gleichstellungsvertrauensfrauen in Berlin. Foto: DBwV/Eva Krämer

Rund 50 Teilnehmerinnen trafen sich zur Tagung der Gleichstellungsbeauftragten und Gleichstellungsvertrauensfrauen in Berlin. Foto: DBwV/Eva Krämer

27.10.2026
Eva Krämer

Herausforderungen erkennen und Veränderungen anstoßen – Gleichstellungsbeauftragte und Gleichstellungsvertrauensfrauen tagten in Berlin

Von der Vereinbarkeit von Familie und Dienst über Chancengleichheit bis hin zu gendersensibler Ausrüstung: Bei der Tagung der Gleichstellungsbeauftragten und Gleichstellungsvertrauensfrauen in Berlin standen aktuelle Herausforderungen und konkrete Ideen für mehr Gleichstellung in der Bundeswehr im Mittelpunkt.

Aktuelle Rechtsentwicklungen, die Vereinbarkeit von Familie und militärischem Dienst, Chancengleichheit sowie gendersensible Ausrüstung und medizinische Versorgung: Die Themenpalette der Tagung der Gleichstellungsbeauftragten und Gleichstellungsvertrauensfrauen war breit. Rund 50 Teilnehmerinnen folgten der Einladung des Vorsitzenden des Fachbereichs Beteiligungsrechte im DBwV, Oberstabsfeldwebel Sascha Altenhofen, nach Berlin. Neben fachlichen Impulsen bot die Veranstaltung Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen, Herausforderungen zu benennen und konkrete Verbesserungsvorschläge zu entwickeln.

Vereinbarkeit von Familie und Dienst bleibt eine Herausforderung

Zum Auftakt berichtete Elena Nothelle, Leiterin des Referats 4 „Betreuung, Fürsorge und Auslandseinsätze“ in der Rechtsabteilung des DBwV, aus der Beratungspraxis. „Natürlich kommt bei uns in der Rechtsabteilung nur das an, was schiefläuft“, sagte sie. Dennoch habe sich bei der Vereinbarkeit von Familie und Dienst vieles kontinuierlich verbessert. Der Dienstherr bemühe sich, die Rahmenbedingungen anzupassen. Schwierigkeiten zeigten sich allerdings weiterhin bei der praktischen Umsetzung, beispielsweise bei Teilzeit, Telearbeit, mobilem Arbeiten und Mehrarbeit.

Entscheidend sei, die vorhandenen Möglichkeiten konsequent zu nutzen und die notwendige Bereitschaft für individuelle Lösungen zu schaffen. Eine verlässliche Kinderbetreuung und familiengerechte Rahmenbedingungen wirkten sich schließlich auch positiv auf die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten aus.

Im Anschluss informierte Thassilo Busch, Referent im Referat 5 „Beteiligungsrechte und zivile Beschäftigte“, über aktuelle rechtliche Entwicklungen im Bereich der Beteiligungsrechte sowie der Gleichstellungsbeauftragten und Gleichstellungsvertrauensfrauen. Ein Schwerpunkt war der Gleichstellungsindex 2025 des Statistischen Bundesamtes zu Frauen und Männern in Führungspositionen der obersten Bundesbehörden. In 13 der 25 Behörden stieg der Frauenanteil gegenüber dem Vorjahr. Im Bundesministerium der Verteidigung lag er bei 37 Prozent und damit unter dem Durchschnitt von 44,7 Prozent.

Auch die digitalen Wahlmöglichkeiten für Gleichstellungsbeauftragte waren Thema. Erste Erfahrungen mit Online-Wahlen liegen bereits vor; zugleich besteht weiterer Entwicklungsbedarf. Der DBwV werde sich weiterhin für praktikable digitale Wahlverfahren einsetzen.

Frauen im DBwV vernetzen und Beteiligung stärken

Zum Abschluss des ersten Tages stellte Altenhofen die Projektgruppe der Gleichstellungsbeauftragten/ Gleichstellungsvertrauensfrauen/ Transgender im DBwV vor. Seit 2022 beschäftigt sie sich mit Fragen der Gleichberechtigung und Gleichstellung. Ziel ist es, Mandatsträgerinnen aus militärischen und zivilen Bereichen bundesweit zusammenzubringen und ihre Anliegen in die Verbandsarbeit einzubringen. Derzeit engagieren sich zehn bis 15 Frauen in der Gruppe. Bereits jetzt werden wieder Themen und Anträge für die nächste Hauptversammlung vorbereitet. Dazu gehört auch die Weiterentwicklung der Beteiligungsrechte.

Sicherheitspolitische Entwicklungen und praktische Herausforderungen

Der zweite Tag begann mit einem sicherheitspolitischen Vortrag von Oberstleutnant i.G. Marcel Bohnert vom Operativen Führungskommando der Bundeswehr, der kürzlich einen Ukraine-Ausbildungseinsatz beendet hat. Er beleuchtete die Veränderungen der Kriegsführung seit dem russischen Großangriff im Februar 2022. „Die russische Vollinvasion durch Russland im Februar 2022 und die ausgerufene Zeitenwende des damaligen Bundeskanzlers Olaf Scholz hat einiges auf den Kopf gestellt“, sagte Bohnert. Derzeit sehe man drei Kriege in der Ukraine: „Das ist zum einen ein Abnutzungskrieg mit festgefahrenen Stellungen und hoher Todesrate, ein asymmetrischer Drohnenkrieg und ein Informationskrieg, den wir wahnsinnig unterschätzen“, erklärte er. Vor Kurzem habe die Ukraine den nächsten Schritt angekündigt: Die „Army of Robots“. „Der ehemalige Verteidigungsminister der Ukraine geht davon aus, dass bereits in sechs Monaten der erste russische Soldat durch einen humanoiden Roboter getötet werden könnte“, sagte Bohnert. Das Narrativ dabei sei, dass die eigene Bevölkerung geschützt werden soll. „Ich schließe nicht aus, dass es so kommen wird, wie angekündigt.“ Die Entwicklungen zeigten, wie stark sich militärische Anforderungen und operative Rahmenbedingungen verändern.

Sabine Bastek aus der Unterabteilung Z II des Verteidigungsministeriums stellte unter anderem die Ansprechstelle gegen Diskriminierung und Gewalt in der Bundeswehr vor. „Wir arbeiten an einer flächendeckenden Informationsinitiative, zur Steigerung der Bekanntheit der Ansprechstelle“, erklärte sie. Auch die Öffentlichkeitspräsenz der Ansprechstelle soll ausgeweitet werden. 

Ein weiterer Schwerpunkt war die Kinderbetreuung bei Einsätzen in Litauen. In Vilnius seien bereits gute Lösungen erreicht worden, während in Kaunas noch Nachholbedarf bestehe. Derzeit wird davon ausgegangen, dass rund 30 Prozent der Soldatinnen und Soldaten, die nach Litauen gehen, ihre Kinder mitbringen. „Litauen ist und war auch für uns eine Herausforderung. All das lässt sich nicht so schnell aus dem Ärmel schütteln“, sagte Bastek. „Aber die Bereitschaft vor Ort ist groß.“ Im Anschluss beantwortete Bastek ausführlich die Fragen der Teilnehmerinnen.

Über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen aus Sicht des Hauptpersonalrats beim BMVg berichtete Oberst i.G. Andreas Chacón Blazquez, Gruppensprecher der Soldaten im Hauptpersonalrat und stellvertretender Vorsitzender Unterstützungsbereich im DBwV. Eine zentrale Aufgabe sei die personelle Aufwuchsfähigkeit der Bundeswehr. Abschreckung erfordere ausreichend Personal – bei den Soldatinnen und Soldaten ebenso wie bei den zivilen Beschäftigten. Zugleich ermutigte er die Teilnehmerinnen, ihre Anliegen konsequent zu vertreten: „Streuen Sie weiter Salz in die Wunde und treten Sie weiterhin gegen Widerstände auf.“

Oberstleutnant i.G. Detlef Brandenstein, Vorsitzender des Fachbereichs Besoldung, Haushalt und Laufbahnrecht im DBwV, informierte über aktuelle Gesetzgebungsvorhaben aus seinem Zuständigkeitsbereich. Dabei thematisierte er unter anderem die Frühstartrente und den aus seiner Sicht weiterhin fehlenden Fortschritt bei gesetzlichen Maßnahmen zum Personalaufwuchs. Die Frühstartrente, zehn Euro im Monat für Kinder ab sechs Jahren, wurde vergangene Woche vom Bundestag beschlossen. Dabei  gehen allerdings Bundeswehrfamilien im Ausland leer aus. „Das dauert mindestens ein halbes Jahr, bis wir das repariert haben“, erklärte Brandenstein. Ein Artikelgesetz zum Aufwuchs sei bis heute „komplette Fehlanzeige.“ Bislang läge noch nicht mal ein Referentenentwurf vor. 

Gleichstellung gelingt nur gemeinsam

Zum Abschluss stellte Hauptmann Maria Holz, stellvertretende Vorsitzende Luftwaffe im DBwV, die Frauengruppe des Verbandes vor, die sie gemeinsam mit Stabsfeldwebel Katja Schwark, stellvertretende Vorsitzende Heer, leitet. Seit der ersten Tagung im Februar 2025 wurden Grundlagen für ein Leitbild und ein Positionspapier erarbeitet. Zu den bisherigen Meilensteinen zählt auch die Veröffentlichung des Frauenbuchs, das dem Generalinspekteur übergeben wurde. 

Die Frauengruppe möchte die Sichtbarkeit von Frauen im Verband weiter erhöhen und die Vernetzung stärken. Dabei versteht sie sich ausdrücklich als Teil des gesamten DBwV: Neben Soldatinnen gehören zivile Beschäftigte und Reservistinnen dazu. Holz betonte: „Vernetzung gelingt nur, wenn alle mitmachen – Männer und Frauen.“ Als Ansatzpunkte für die Zusammenarbeit mit den Gleichstellungsbeauftragten und Gleichstellungsvertrauensfrauen nannte sie den fachlichen Austausch, gemeinsame Veranstaltungen mit dem Fachbereich Beteiligungsrechte und Fachdialoge sowie eine bessere Sichtbarkeit von Wissen und Anlaufstellen.

World Café: Ideen für konkrete Verbesserungen

Den Abschluss der Tagung bildeten moderierte Gesprächsrunden im World-Café-Format. In Kleingruppen diskutierten die Teilnehmerinnen zentrale Herausforderungen und stellten ihre Ergebnisse anschließend im Plenum vor.

Ein wichtiges Thema war die Vereinbarkeit von Familie und militärischem Dienst. Kurzfristig angesetzte Verwendungen und Übungen seien häufig nur schwer mit der Kinderbetreuung zu vereinbaren. Als mögliche Anregung wurden Betreuungsangebote auf militärischen Liegenschaften diskutiert, wie sie teilweise bei den US-Streitkräften bestehen. Dabei stellte sich auch die Frage, welche Modelle den heutigen Anforderungen an Familien und militärischen Dienst gerecht werden.

Intensiv diskutierten die Teilnehmerinnen zudem sexualisierte Belästigung und Diskriminierung. Notwendig seien Prävention, frühzeitige Aufklärung und ein Kulturwandel, der alle Dienstgradgruppen einbezieht. Gleichstellung müsse im Alltag gelebt und respektvolles Verhalten von Beginn an vermittelt werden.

Auch bei der Dienstkleidung und persönlichen Schutzausrüstung sahen die Teilnehmerinnen Handlungsbedarf. Wenn Kleidung nicht zur weiblichen Anatomie passe oder Schutzwesten unzureichend angepasst seien, gehe es nicht allein um Tragekomfort, sondern auch um die Sicherheit der Soldatinnen. Weitere Arbeitsfelder waren die Frauenquote in der Bundeswehr, die Stärkung der Gleichstellungsbeauftragten sowie die besonderen Herausforderungen bei Auslandseinsätzen.

Die Tagung machte deutlich: Gleichstellung braucht geeignete rechtliche Rahmenbedingungen, wirksame Beteiligungsmöglichkeiten und eine konsequente Umsetzung im Dienstalltag. Der fachliche Austausch und die erarbeiteten Vorschläge sollen dazu beitragen, erkannte Herausforderungen in konkrete Verbesserungen zu überführen. Der Fachbereich Beteiligungsrechte im DBwV wird sich weiterhin dafür einsetzen, dass die Anliegen der Gleichstellungsbeauftragten und Gleichstellungsvertrauensfrauen Gehör finden und die Gleichstellung in der Bundeswehr nachhaltig vorangebracht wird.

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