Uniformträger der Bundeswehr, der Polizei und der Justiz hat Jan Kraus portraitiert - in ihrem Zuhause. Foto: Jan Kraus

Uniformträger der Bundeswehr, der Polizei und der Justiz hat Jan Kraus porträtiert - in ihrem Zuhause. Foto: Jan Kraus

14.07.2026
Von Sanata Doumbia-Milkereit

Menschen. In Uniform.

Aus einem fotografischen Langzeitprojekt ist ein Bildband geworden. Jan Kraus zeigt Angehörige der Bundeswehr, der Polizei und der Justiz dort, wo man sie nur selten sieht – in ihrem Zuhause.

Als der Deutsche BundeswehrVerband Ende 2025 erstmals über das Fotoprojekt „In Uniform“ berichtete, war der Bildband noch Zukunft. Jan Kraus arbeitete damals bereits seit mehreren Jahren an seiner fotografischen Langzeitdokumentation und suchte weitere Angehörige der Bundeswehr, der Polizei und der Justiz, die bereit waren, ihn in ihr Zuhause einzuladen.

Mit „In Uniform“, erschienen im Verlag Kettler, legt Jan Kraus den Abschluss seines mehrjährigen Fotoprojekts vor. Entstanden ist ein Buch, das 24 Angehörige der Bundeswehr, der Polizei und der Justiz porträtiert – und den Blick auf Menschen richtet, die im öffentlichen Raum meist über ihre Uniform wahrgenommen werden. Jan Kraus fotografiert nicht dort, wo Uniformen ihren Zweck erfüllen. Er fotografiert dort, wo sie zu Hause sind.

Wer das Buch aufschlägt, findet keine Einsatzbilder, keine Übungen und keine spektakulären Momentaufnahmen. Stattdessen öffnen sich Wohnungstüren. Menschen sitzen zwischen Bücherregalen, stehen in ihrer Küche oder lehnen an einem Fenster. Familienfotos, Kinderzeichnungen und persönliche Erinnerungsstücke erzählen ihre eigenen Geschichten. Die Uniform bleibt sichtbar. Sie bestimmt den Blick jedoch nicht mehr allein.

Vertrauen

Die Fotografien wirken ruhig – und das nicht zufällig. Jan Kraus hat sich Zeit genommen. Bevor überhaupt eine Kamera zum Einsatz kam, wurde gesprochen. Er wollte die Menschen kennenlernen, die er fotografierte – ihre Biografien, ihre Motivation und ihren Alltag. Erst danach entstanden die Porträts.

„Mit meiner Arbeit wollte ich fotografisch hinter die formelle Bekleidung blicken und Fragen nach der Trennung von Mensch und Amt sowie nach dem Verhältnis von Bürger und Staat aufwerfen“, sagt Jan Kraus. „Mich hat vor allem interessiert, wer die Menschen sind, die sich für einen Dienst bei der Bundeswehr oder der Polizei oder für den Beruf als Richterin, Richter, Staatsanwältin oder Staatsanwalt entscheiden.“

Diese Haltung prägt jede Fotografie des Bildbands. Nichts wirkt gestellt. Niemand scheint eine Rolle zu spielen. Die Menschen begegnen der Kamera mit einer Offenheit, die nur entstehen kann, wenn Vertrauen gewachsen ist.

Nicht nur die Porträtierten erzählen ihre Geschichte. Auch ihre Wohnungen tun es. Bücherregale, Familienfotos, Musikinstrumente oder Kinderzeichnungen geben Einblicke in Lebenswelten, die im Berufsalltag meist verborgen bleiben. Die Räume sind keine Kulisse. Sie gehören zum Porträt.

Ein Aufruf, der Spuren hinterließ

Nach dem ersten Bericht des Deutschen BundeswehrVerbandes meldeten sich mehrere Kameradinnen und Kameraden bei Jan Kraus. Sie folgten seinem Aufruf, öffneten ihm ihre Haustüren und wurden Teil des Projekts.

Heute finden sich ihre Porträts im Bildband wieder. Dass sich nach dem Bericht des Deutschen BundeswehrVerbandes weitere Kameradinnen und Kameraden meldeten, gehört inzwischen selbst zur Geschichte von „In Uniform“. Ihre Porträts erweitern den Bildband um neue Geschichten und zeigen zugleich, wie unterschiedlich die Lebenswege der Menschen sind, die Verantwortung für unseren Staat übernehmen.

Mehr als eine Uniform

Wer einer Soldatin oder einem Polizisten begegnet, sieht häufig zuerst die Uniform. Sie steht für Verantwortung, staatliches Handeln und einen Beruf mit besonderen Aufgaben.

Jan Kraus interessiert der Moment danach. Der Augenblick, in dem Uniformträgerinnen und Uniformträger nach Hause kommen und der Beruf für eine Weile in den Hintergrund tritt. Die Uniform verschwindet dabei nicht. Sie wird Teil eines größeren Ganzen. Zwischen Bücherregalen, Familienfotos und Erinnerungsstücken entstehen Porträts, die den Menschen hinter der beruflichen Rolle sichtbar machen.

Wer den Bildband durchblättert, begegnet keiner abgeschlossenen Welt. Die porträtierten Menschen leben mitten in unserer Gesellschaft. Sie sind Eltern, Partnerinnen und Partner, Nachbarn, Vereinsmitglieder oder ehrenamtlich engagiert. Sie übernehmen Verantwortung für den Staat und gehören gleichzeitig zu der Gesellschaft, der sie dienen.

Im öffentlichen Raum nehmen wir Uniformträgerinnen und Uniformträger meist zuerst als Vertreter einer Institution wahr – als Bundeswehr, Polizei oder Justiz.

Jan Kraus richtet den Blick auf den Menschen. Seine Fotografien erinnern daran, dass Uniformträgerinnen und Uniformträger kein Gegenüber der Gesellschaft sind. Sie sind ein Teil von ihr.

Für die Bundeswehr knüpft dieser Gedanke unmittelbar an das Leitbild des Staatsbürgers in Uniform an. Jan Kraus erklärt dieses Prinzip nicht. Seine Fotografien machen es sichtbar.

Ein Abschluss, der nachwirkt

Mit „In Uniform“ endet ein Projekt, das Jan Kraus über mehrere Jahre begleitet hat. Aus zahlreichen Gesprächen, Begegnungen und Fotografien ist ein Bildband entstanden, der weit mehr dokumentiert als Uniformen. Er dokumentiert Vertrauen, Offenheit und die Bereitschaft, einen fremden Menschen ins eigene Zuhause einzuladen.

Als der Deutsche BundeswehrVerband Ende 2025 erstmals über „In Uniform“ berichtete, war dieses Buch noch Zukunft. Mehrere Kameradinnen und Kameraden folgten damals dem Aufruf und wurden Teil des Projekts. Heute finden sich auch ihre Porträts zwischen den Buchdeckeln.
Der Bildband dokumentiert den Abschluss eines mehrjährigen Projekts und hält Begegnungen fest, die ohne Offenheit und gegenseitiges Vertrauen nicht möglich gewesen wären.

„In Uniform“ verändert nicht die Menschen, die Jan Kraus porträtiert hat. Es verändert unseren Blick auf sie. Uniformen machen Berufe sichtbar. Jan Kraus macht die Menschen sichtbar, die sie tragen.

Der Bildband ist über den Kettler Verlag sowie den Buchhandel erhältlich.

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