70 Jahre DBwV – Die Erfolgsgeschichte geht weiter
Ein Abend im Zeichen des Jubiläums
Klartext in spannenden Zeiten
Zielgruppentagung des Unterstützungsbereichs
Mensch und Maschine: Robotik in der modernen Kriegsführung
Menschen. In Uniform.
„Gorch Fock“ gewinnt Wettfahrt mit Schwesterschiffen in Nordamerika
NATO-Gipfel in Ankara: Allianz setzt auf mehr Verteidigung, industrielle Stärke und Zusammenhalt
Leistungen im Soldatenentschädigungsgesetz werden angepasst
Brücke in die Zukunft: Die Tagung für Soldaten auf Zeit
Vom Dienstherrn zum Arbeitgeber: Wie Soldaten im Justizvollzug eine neue Zukunft finden
SaZ-Onlinetreff: Rentenansprüche sichern – Nachversicherung, Aufstockung und Übergangsleistungen richtig nutzen
Mandat ein letztes Mal verlängert: Bundeswehreinsatz UNIFIL im Libanon
EUFOR Althea und KFOR: Bundestag stimmt für Verlängerung
Bundestag berät über letztmalige Verlängerung des Bundeswehreinsatzes im Libanon
Bundestag berät über die Bundeswehrbeteiligung an KFOR und EUFOR ALTHEA
Erinnerung an Andreas Heine und Christian Schlotterhose
Erinnerung an Alexander Schleiernick, Oleg Meiling und Martin Brunn
Berlin feiert die Veteranen
Sichtbares Zeichen des Gedenkens und der Wertschätzung
Resolution der 22. Hauptversammlung: DBwV fordert ein Artikelgesetz Aufwuchs und die Einführung einer Wehrpflicht
Europa und Ehrungen stehen im Mittelpunkt
Die 22. Hauptversammlung: Das sagen die Delegierten
Überwältigende Mehrheit für Oberst André Wüstner
Könnten humanoide Roboter auch in Kriegsszenarien eingesetzt werden? Der Roboter „Optimus“ verteilt Popcorn auf einem Berliner Weihnachtsmarkt. Foto: Picture-Alliance/dpa/Christoph Soeder
Militärroboter sind längst keine Zukunftsvision mehr, sondern Teil heutiger Kriegsführung. Auch die Fortschritte bei humanoiden Robotern sind enorm. Politikwissenschaftler PD Dr. Frank Sauer geht davon aus, dass bis 2035 immer mehr Humanoide zum Einsatz kommen.
Maschinen, die unerbittliche Kämpfe gegeneinander führen – das klingt nach einem Szenario aus Science-Fiction-Filmen wie „The Terminator“.
Ganz so weit entfernt ist diese Vorstellung allerdings nicht mehr. Der Einsatz von Robotik in militärischen Kontexten ist bereits Realität und humanoide Roboter könnten in den kommenden Jahren deutlich an Bedeutung gewinnen. „Ich gehe davon aus, dass bis spätestens 2035 humanoide Roboter auch in militärischen Anwendungen zum Alltag gehören“, sagt Frank Sauer, Politikwissenschaftler an der Universität der Bundeswehr München. Er forscht unter anderem zur Nutzung von Robotik und künstlicher Intelligenz im Militär.
„Was humanoide Roboter betrifft, so hat auch bei mir in den letzten zwei Jahren ein Umdenken stattgefunden“, so Sauer. Er geht davon aus, dass es mit humanoiden Robotern ähnlich wie mit der Entwicklung der Large Language Models – Chatbots – sein wird. „Das ging exponentiell. Erst nutzt es niemand, plötzlich nutzt jeder ChatGPT.“ Bei humanoiden Robotern zeichne sich eine ähnlich rasche Entwicklung ab. Sie könnten schon heute in Streitkräften für einfache logistische Tätigkeiten eingesetzt werden, so Sauer. Und weiter: „Sie sind generell überall dort nützlich, wo der menschliche Formfaktor gefordert ist. Humanoide Roboter können also zum Beispiel Türen öffnen und in Gebäuden Treppen steigen, dort Bomben suchen und entschärfen, für Menschen gemachte Werkzeuge benutzen oder Verwundete bergen“, erklärt Sauer. Eine Quadcopter-Drohne könne bestimmte Dinge sehr gut, aber eben keine Kisten aus einem LKW ausladen oder Essen austeilen.
Globaler Markt noch in Anfängen
„Bei all den schmutzigen, langweiligen und gefährlichen Jobs, die zwei Arme und Beine voraussetzen und die derzeit noch von Menschen ausgeführt werden, sollte man sich auch in Streitkräften überlegen, ob der Einsatz von Humanoiden nicht sinnvoller wäre“, sagt Sauer. Roboter, die ihre Akkus selbstständig wechseln, könnten quasi endlos arbeiten.
Der globale Markt für humanoide Roboter steckt noch in den Anfängen, die Wachstumserwartungen sind jedoch außergewöhnlich: Schätzungen zufolge könnte der Markt bis 2035 ein Volumen von 150 bis 200 Milliarden US-Dollar erreichen – bei einer jährlichen Wachstumsrate von über 40 Prozent. Bis 2030 könnten weltweit über eine Million humanoide Roboter im Einsatz sein, zunächst in der Logistik und Pflege und später auch im Dienstleistungssektor. So kündigte beispielsweise die Firma Tesla an, in absehbarer Zeit einen humanoiden Roboter auf den Markt zu bringen. Tech-Milliardär und Tesla-Chef Elon Musk kündigte an, dass Tesla bis Ende 2027 mit dem Verkauf des humanoiden Roboters „Optimus“ beginnen könnte. China ist schon weiter. Einfache Modelle von Unitree sind bereits jetzt für niedrige fünfstellige Summen im Handel.
Robotik, autonome Systeme und künstliche Intelligenz verändern die moderne Kriegsführung nachhaltig. Ein wesentlicher Effekt ist die Beschleunigung der „Kill Chain“: Sie beschreibt den Entscheidungszyklus bis hin zur Bekämpfung des Ziels. Dank modernster Sensorik und Objekterkennung lassen sich Ziele deutlich schneller erkennen und bekämpfen. Anschließend aktiviert die Waffe sich selbst und komplettiert damit den gesamten Entscheidungszyklus. „Wer früher schießt und genauer trifft, gewinnt den Feuerkampf“, erklärt Sauer. Solche technischen Kriege könnten aber weiterhin blutig sein. Denn irgendwann im Kriegsverlauf bekämpfen die Maschinen nicht nur Maschinen, sondern auch Menschen.
RABE und tEODor
In der Bundeswehr sind bereits (nicht-humanoide) Robotersysteme im Einsatz: Das 2,5 Kilogramm schwere Aufklärungssystem RABE – kurz für „Roboter zur Aufklärung, Beobachtung und Erkundung“. Er wird vor allem eingesetzt in Orts- und Häuserkämpfen. Das Mini-Kettenfahrzeug ist mit Kameras zur Rundumsicht, einer Funkverbindung sowie einer Schwachlichtkamera für den nächtlichen Einsatz ausgestattet. Bei der Kampfmittelabwehr setzt die Bundeswehr auf das Manipulatorfahrzeug tEODor (telerob Explosive Ordnance Disposal und observation robot). Der Roboter, der bis zu 20 Kilogramm Hebekraft hat, kann Kampfmittel und behelfsmäßige Sprengvorrichtungen auf Abstand entdecken, identifizieren, bewerten und beseitigen. Durch das Kettenlaufwerk kann der tEODor Treppen bis zu 45 Grad problemlos überwinden. Gesteuert wird er von zwei speziell ausgebildeten Soldaten. Nicht nur an Land oder in der Luft mit Drohnen, sondern auch unter Wasser werden unbemannte Systeme eingesetzt. Erst im Februar 2026 wurde der Marine das neuartige System „Large Unmanned Underwater Vehicle Blue Whale“ übergeben. Der „Blue Whale“ ist für die weiträumige Seeaufklärung ausgelegt. Mit einer Länge von knapp elf Metern, einem Durchmesser von über einem Meter und einem Gewicht von 5,5 Tonnen kann das System näher an unmittelbaren Gefahren eingesetzt werden, als ein bemanntes. Zudem verfügt der „Blue Whale“ über modernste sonar- und satellitengestützte Sensorik zur Informationsgewinnung über und unter Wasser, aus der sich ein weiträumiges Lagebild ergibt.
Ethische Fragen
Auch hundeähnliche Roboter, wie sie bereits vom US-Militär genutzt werden, könnten bald bei der Bundeswehr zum Einsatz kommen. Vor eineinhalb Jahren wurde bekannt, dass die Bundeswehr vier Roboterhunde des US-amerikanischen Herstellers „Ghost Robotics“ bestellt hat. Die Roboterhunde können Minen aufspüren und Spähaufgaben übernehmen. Je weiter sich die militärische Robotik entwickelt, desto drängender werden ethische Fragen. Denn mit jeder zusätzlichen Autonomie verschiebt sich auch die Verantwortung – weg vom Menschen, hin zur Maschine. Hier entsteht ein zentraler Konflikt: Darf eine Maschine Entscheidungen über Leben und Tod treffen oder muss die Kontrolle immer beim Menschen bleiben? „Konflikte bestehen immer zwischen Menschen, und wir werden diese genuin politischen Probleme nicht durch Technologie lösen“, sagt Frank Sauer. „Wenn wir Menschen solche Systeme bauen und nutzen, dann ist die Verantwortung eindeutig den Menschen zuzuordnen.“ Damit bleibt die Frage nach militärischer Robotik letztlich keine technische, sondern eine zutiefst menschliche Entscheidung.
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