Betankung in der Luft: Eurofighter trainieren mit einem Airbus 330 im Rahmen einer Übung. Foto: Bundeswehr/Christian Timmig

Betankung in der Luft: Eurofighter trainieren mit einem Airbus 330 im Rahmen einer Übung. Foto: Bundeswehr/Christian Timmig

28.02.2026
Eva Krämer

Neue sicherheitspolitische Lage: Fliegerhorst Upjever wieder gefragt

Nach über zehn Jahren landen auf dem einst entwidmeten Fliegerhorst Upjever wieder militärische Luftfahrzeuge – allerdings wird der Flugplatz nur als potenzieller militärischer Ausweichflugplatz genutzt. Auslöser ist unter anderem die veränderte sicherheitspolitische Lage. Im Landkreis Friesland trifft dies nicht nur auf Zustimmung.

Militärischen Flugverkehr gab es über den Landkreisen Wittmund und Friesland nahe der Nordseeküste schon immer: In Wittmund ist das Taktische Luftwaffengeschwader 71 „Richthofen“ stationiert, unweit davon liegt der NATO-Luftwaffenstützpunkt Wittmund.

Doch auch über den Städten Jever und Schortens kann es wieder mehr Flugverkehr geben. Auf dem 2013 entwidmeten Fliegerhorst Upjever starten und landen nun wieder militärische Flugzeuge – zuletzt vor allem Eurofighter.

Der Fliegerhorst wird allerdings derzeit als potenzieller militärischer Ausweichflugplatz betrachtet, wie eine Sprecherin der Luftwaffe mitteilte. Die Nutzung als Ausweichflugplatz bedeutet keine dauerhafte Stationierung von Luftfahrzeugen, sondern eine jeweilige, zeitlich begrenzte und bedarfsunabhängige Nutzung, beispielsweise im Rahmen von Übungen, Verlegungen oder hoch priorisierten Ausbildungsmaßnahmen. „Die Nutzung erfolgt ausschließlich nach Bedarf“, so die Sprecherin. Im Zuge der Bundeswehrreform war der Fliegerhorst 2013 entwidmet worden. Aktuell ist dort das Objektschutzregiment der Luftwaffe „Friesland“ stationiert.

Windpark kann nicht gebaut werden

Die Reaktivierung des Flugplatzes kollidiert mit weiteren Bauvorhaben: Nahe des Flugplatzes ist ein Neubaugebiet entstanden. Anwohnerinnen und Anwohner beschwerten sich bereits über Fluglärm.

Die geopolitische Situation hat sich geändert. Das hätte man sich vielleicht denken können, meint Frieslands Landrat Sven Ambrosy (SPD), dessen Behörde die Bauanträge genehmigt hat. „Wer in die Nähe eines Bundeswehrstandortes zieht, muss natürlich damit rechnen, dass sich dieser Bundeswehrstandort je nach Weltlage entwickelt“, sagte Ambrosy in einem Interview mit dem NDR.

Die Stadt Schortens hat nicht nur das Neubaugebiet ausgewiesen, sondern auch Flächen für einen Windpark, der jedes Jahr rund 800 000 Euro in die Stadtkasse spülen sollte. Dieser darf nun nicht mehr gebaut werden.

Der Flugplatz ist derzeit nicht für eine dauerhafte Stationierung vorgesehen. Im Bedarfsfall könnten jedoch Luftfahrzeuge der Bundeswehr sowie der NATO und befreundeter Streitkräfte, darunter auch Kampf- und Transportflugzeuge sowie Hubschrauber, genutzt werden, beispielsweise im Rahmen von Übungen oder Ausbildungsmaßnahmen. Eine konkrete Festlegung zu Fahrzeugmustern gibt es im Moment noch nicht, so die Sprecherin der Luftwaffe.

Veränderte sicherheitspolitische Lage

Der Hauptgrund für die Wiederinbetriebnahme des Flugplatzes ist die veränderte sicherheitspolitische Lage sowie die stärkere Ausrichtung der Bundeswehr auf die Landes- und Bündnisverteidigung. Dies macht eine erneute Überprüfung vorhandener und infrastrukturell geeigneter militärischer Flugplätze erforderlich. Upjever wurde dabei als geeignet bewertet, insbesondere als Ausweichflugplatz im Übungs- und Ausbildungsbetrieb sowie in Zusammenarbeit mit dem am Standort stationierten Objektschutzregiment der Luftwaffe (ObjSRgtLw).

Da der Fliegerhorst nur nach Bedarf genutzt wird, ist eine dauerhafte Stationierung von zusätzlichem Personal derzeit nicht vorgesehen. „Personal und logistisch-technische Fähigkeiten, die nicht durch das ObjSRgtLw abgebildet werden können, werden jeweils temporär und bedarfsabhängig bereitgestellt – abhängig von Art und Umfang der Nutzung“, so das Kommando Luftwaffe.

Bereits im Oktober 2025 fanden im Rahmen einer Übung einzelne fliegerische Nutzungen mit dem Eurofighter des Taktischen Luftwaffengeschwaders 71 „Richthofen“ (TaktLwG 71 „R“) statt, dass unweit des Standortes Upjever in Wittmund stationiert ist. Ob und in welchem Umfang in diesem Jahr weitere Übungen vorgesehen sind, hängt von den weiteren Planungen sowie den genehmigungsrechtlichen Voraussetzungen ab. Grundsätzlich könnte der Fliegerhorst auch für multinationale oder NATO-geführte Übungen genutzt werden. Dies ist jedoch vom jeweiligen Bedarf und den genehmigungsrechtlichen Rahmenbedingungen abhängig.

„Kräfte der ersten Stunde“

Das Objektschutzregiment der Luftwaffe „Friesland“ ist am Standort Upjever stationiert. Der Auftrag des Regiments besteht darin, weltweit den Ausbau, Schutz und Betrieb eines Flugplatzes in einem Einsatzland sicherzustellen. Bei Bedarf schützt das Objektschutzregiment auch Kräfte der Flugabwehrraketengeschwader, Radaranlagen und Gefechtsstände der Luftwaffe sowie die gesamte Luftwaffen-Infrastruktur und ihr Personal im Einsatz.

Das Regiment beheimatet die „Kräfte der ersten Stunde“ für diesen in der Luftwaffe und der gesamten Bundeswehr einmaligen Auftrag. Die Soldatinnen und Soldaten sind ausgebildet, um ein Flugfeld oder einen Flugplatz in Besitz zu nehmen und diesen so vorzubereiten, dass ein fliegender Verband bereits nach kurzer Vorbereitungszeit gegen Angriffe und Störungen geschützt ist. So können die in der Bundeswehr und im NATO-Bündnis verfügbaren Luftfahrzeugtypen – vom Jet bis zum großen Transportflugzeug – nach internationalen Sicherheitsbestimmungen dort starten und landen.

Wird der Fliegerhorst Upjever genutzt, sorgen die Soldatinnen und Soldaten des Objektschutzregiments der Luftwaffe „Friesland“ für Sicherheit.

77 Jahre lang war der Fliegerhorst Upjever in Betrieb: 1935 wurde mit dem Bau begonnen und am 1. Mai 1936 wurde die Anlage an die Luftwaffe übergeben. Vor und im Zweiten Weltkrieg wurde der Flugplatz von verschiedenen Verbänden der Luftwaffe genutzt. Von Dezember 1939 bis Juli 1940 führte der Jagdfliegerführer 1 von dort aus die unterstellten Jagdfliegerführer Deutsche Bucht, Jagdfliegerführer Holland-Ruhrgebiet und Jagdfliegerführer Berlin.

Royal Air Force übernahm

Nach dem Krieg wurde die Anlage von den Alliierten übernommen. Vorerst wurde der Flugplatz von der Royal Air Force genutzt. Im Frühjahr 1951 folgte die endgültige Übernahme durch die Royal Air Force. 1961 wurde die Anlage an die Bundeswehr übergeben, die 1964 den Flugbetrieb wieder aufnahm.

In den vergangenen 77 Jahren waren verschiedene Verbände auf dem Fliegerhorst stationiert. So wurde beispielsweise das Jagdbombergeschwader 38 „Friesland“ aufgestellt, das von 1983 bis 2006 Besatzungen auf dem Kampfflugzeug „Tornado“ ausbildete. Zwischen 1979 und 1988 war der Fliegerhorst außerdem Heimat des Tactical Leadership Programme der NATO. Dort wurden mehrmals im Jahr fliegerische Lehrgänge zur Ausbildung von Führungspersonal für große multinationale Missionen durchgeführt.

2013 war dann Schluss mit dem Flugbetrieb – mit dem letzten Start einer „Douglas A-4 Skyhawk“. Die Entwidmung war Teil der Bundeswehrreform.

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