17.11.2016
bs

Pilotprojekt für gezielte Frauenförderung

Die Zahl der Frauen in der Bundeswehr nimmt zu. Damit auch ihre beruflichen Perspektiven wachsen, hat die Bundeswehr in diesem Sommer ein neues Projekt ins Leben gerufen: „Mentoring“ versucht, Frauen und Führungskräfte enger zusammenzubringen, um Netzwerke zu knüpfen. Kann das funktionieren?

Mit 19.737 Soldatinnen haben die Frauen in den Streitkräften erstmals seit Bestehen der Bundeswehr den Anteil von elf Prozent überschritten. Bei den Neueinplanungen erreichte der Anteil sogar 15 Prozent und damit das Mindestziel, das Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen für die Zusammensetzung der künftigen Bundeswehr vorgegeben hatte.

Unter den neu eingestellten Offizieranwärtern ist bereits mehr als jeder fünfte eine Frau. In einer aktuellen Umfrage unter Schülerinnen landet die Bundeswehr erstmals sogar auf Platz drei der attraktivsten Arbeitgeber – die Werbung der Ministerin um Frauen trägt Früchte.

Damit das so bleibt, müssen Perspektiven für die Frauen her. Von der Leyen bemängelte die fehlende Gleichstellung der Frau in Spitzenpositionen: „Wenn ich nie eine Frau General sehe, kann ich mir eben schlecht vorstellen, welche junge Frau in diese Position hineinwachsen wird", sagte die CDU-Politikerin. „Nicht die Frauen sind schuld, dass sie nicht in Führungspositionen sind." Vielmehr müsse sich die Bundeswehr fragen, warum sie unter ihren Möglichkeiten bleibe.

Deswegen will sie Frauen gezielt fördern: Das Pilotprojekt „Mentoring“, das im August angelaufen ist, bietet einen persönlichen Austausch mit Führungskräften, Seminarangebote und die Möglichkeit, Netzwerke zu bilden. Im ersten Durchgang sind die betreuten Nachwuchstalente, sogenannte „Mentees“, ausschließlich Frauen, die vom Erfahrungsschatz der Führungskräfte profitieren sollen.

34 Bewerberinnen wurden laut Bundeswehr ausgewählt: elf Ärztinnen aus Bundeswehrkrankenhäusern, zwölf Referentinnen im Verteidigungsministerium und elf Mitarbeiterinnen des technischen und naturwissenschaftlichen Dienstes werden teilnehmen. Sie sind seit mindestens zwei Jahren in der Bundeswehr tätig und haben herausragende Leistungen erbracht. Als Mentoren meldeten sich rund 150 Führungskräfte aus dem zivilen und militärischen Bereich der Bundeswehr. Gesucht waren Mentoren, die mindestens der Besoldungsgruppe A16 oder einer vergleichbaren Entgeltgruppe angehören und mindestens zwei Besoldungsstufen über dem „Mentee“ stehen.

Das Mentoring-Projekt soll im Erfolgsfall für die Bundeswehr ein wichtiges Instrument der Personalentwicklung sein. Das erscheint vielversprechend: Frauen erhalten leichteren Zugang zu Netzwerken, die Aussichten auf einen beruflichen Aufstieg steigen. Aber der Ansatz, nur Frauen mit „herausragenden Leistungen“ zu fördern, greift nach Ansicht des DBwV zu kurz:

„Gerade Frauen und insbesondere Soldatinnen, die Familienpflichten und Karriere verbinden, sollten als Zielgruppe betrachtet werden. Auswertungen zu Beurteilungsschritten und Förderperspektiven haben ergeben, dass gerade diese Soldatinnen, die alternative Arbeitszeitmodelle wie Teilzeit oder Telearbeit in Anspruch nehmen, trotz guter Leistungen tendenziell schlechter bewertet werden. Sie haben bei gleichbleibenden Auswahlkriterien für die ,Mentees’ wieder keinen Zugang zur dringend notwendigen Förderung“, so Hauptmann Petra Böhm, stellvertretende Vorsitzende Sanitätsdienst.
Gleiches gelte für Männer, die sich in einer modernen Gesellschaft Familienpflichten widmen möchten: „Hier sollte aus Sicht des DBwV eine differenziertere Betrachtung der Zielgruppen und eine Anpassung der Auswahlkriterien erfolgen, um den vielversprechenden Ansatz weiterzuentwickeln.“

Damit der Frauenanteil wächst, müssen die Aufstiegschancen der Frauen verbessert werden. Das hat von der Leyen klar erkannt. Von den jungen, klugen Köpfen, die die Bundeswehr dringend benötigt, sind eben 50 Prozent Frauen. Und wenn beispielsweise im Jahr 2027 Frauen außerhalb des Zentralen Sanitätsdiensts auch Ränge oberhalb des Dienstgrads Oberst bekleiden sollen, müssen sie heute mit der Karriere beginnen. Also: Mehr „Mentees“ müssen her!