Im Zentrum des Ehrenhains im Camp Marmal steht ein 27 Tonnen schwerer Findling aus dem nahe gelegenen Marmal-Gebirge. Dieser Felsblock soll  jetzt nach Deutschland gebracht werden. Foto: picture alliance / Gregor Fischer/dpa | Gregor Fischer

Im Zentrum des Ehrenhains im Camp Marmal steht ein 27 Tonnen schwerer Findling aus dem nahe gelegenen Marmal-Gebirge. Dieser Felsblock soll jetzt nach Deutschland gebracht werden. Foto: picture alliance / Gregor Fischer/dpa | Gregor Fischer

20.05.2021
Yann Bombeke

Ehrenhain aus dem Camp Marmal kommt nach Deutschland

Ein Koloss geht auf Reisen: Der Ehrenhain aus dem deutschen Feldlager in Masar-e-Sharif wird von Afghanistan nach Deutschland verlegt. Im Wald der Erinnerung auf dem Gelände der Henning-von Tresckow-Kaserne nahe Potsdam soll die Gedenkstätte für die Toten des Einsatzes am Hindukusch einen würdevollen Platz bekommen. Dort stehen bereits die Ehrenhaine aus den ehemaligen afghanischen Feldlagern Kundus, Feyzabad, OP North und Kabul.

Für die Erinnerungskultur haben die Ehrenhaine eine große Bedeutung – sie sind die Orte, an denen jener gedacht wird, die im Einsatz das höchste Opfer gegeben haben. In Afghanistan steht noch ein Ehrenhain der Bundeswehr, doch mit dem Abzug aus dem Land soll auch die Gendenkstätte aus dem Camp Marmal nach Deutschland überführt werden – oder zumindest Teile davon. Herz der Anlage ist ein 27 Tonnen schwerer Findling, ein Felsblock aus dem nahe gelegenen Marmal-Gebirge. Am 27. Mai soll eine gecharterte Antonow-Transportmaschine den Felsblock zunächst nach Leipzig bringen. Mit dabei sind nach Angaben eines Sprechers aus dem Einsatzführungskommando die am Ehrenhain angebrachten Namensplaketten sowie mehr als 500 Gedenkgegenstände, die sich seit 2007 am Ehrenhain in Masar angesammelt haben.

Der Transport stellt eine Herausforderung für die Bundeswehr dar, da der schwere Stein für den Flug sicher verpackt und verzurrt werden muss. Mit zu verladenden Fahrzeugen und Hubschraubern hat die Bundeswehr reichlich Erfahrung, nicht aber mit 27 Tonnen schweren Steinblöcken. Um das zu gewährleisten, verlegt Anfang kommender Woche ein Spezial-Schwerlast-Team nach Afghanistan.

Nach der Ankunft soll der Ehrenhain zunächst in der Nähe des Waldes der Erinnerung zwischengelagert werden. Voraussichtlich Ende 2022 soll die Gedenkstätte dann im leicht verkleinerten Maßstab an einem eigens vorgesehenen Platz im Wald der Erinnerung wieder errichtet werden. Die Teile der Mauer, die den Findling im Camp Marmal, werden nicht nach Deutschland geflogen, dafür aber neue, originalgetreu nachgebildete Steine aus Afghanistan. So wurde bereits bei anderen Ehrenhainen aus dem Einsatzgebiet am Hindukusch verfahren.

Hintergrund zum Wald der Erinnerung
Der rund 4500 Quadratmeter große Wald der Erinnerung auf dem Gelände der Henning-von-Tresckow-Kaserne in der Nähe der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam ist laut BMVg eine für Streitkräfte wohl weltweit einmalige Gedenkstätte. Aus den Einsatzorten zurückgeführte Ehrenhaine wurden auf dem Areal rekonstruiert und auf Lichtungen innerhalb des Waldstücks integriert. Zudem wird auf Stelen an die Verstorbenen erinnert.

Doch nicht nur den Toten der Einsätze ist der im November 2014 eingeweihte „Wald der Erinnerung“ gewidmet. Angehörige von Soldaten und Mitarbeitern der Bundeswehr, die in Ausübung ihres Dienstes ihr Leben ließen, können an den Bäumen individuell gestaltete Gedenkschilder anbringen. Besucht werden kann das Gelände tagsüber im Passwechselverfahren. Doch zurzeit ist auch der Wald der Erinnerung aufgrund der Corona-Pandemie noch für Besucher geschlossen.

Mit Rat und Hilfe stets an Ihrer Seite!

Nehmen Sie Kontakt zu uns auf.

Alle Ansprechpartner im Überblick