Ein Zeugnis dessen, was passiert, wenn Politik an ihre Grenzen stößt
300 Seminare für einen geordneten Übergang in den Ruhestand
DBwV für neues Artikelgesetz Militärische Sicherheit, fordert aber Nachbesserungen
Mannschaften, eine Dienstgradgruppe vor großen Aufgaben
Der Landesverband Ost feiert Geburtstag – Die „Armee der Einheit“ wurde im DBwV verwirklicht
Der Aufwuchs der Reserve als sicherheitspolitische Aufgabe
Wüstner: „Gefahr ist groß, dass Russland die Situation ausnutzt“
„Vielleicht geht es um alles“
EuGH: Fahrten von einem zentralen Stützpunkt zu wechselnden Einsatzorten können Arbeitszeit sein
Kabinett beschließt Novellierung der Bundeslaufbahnverordnung – wichtige Forderungen umgesetzt
Panzerbrigade 45: Einsatzversorgung in Litauen gesichert
Verbandserfolg: Ehepartnerzuschlag für ins Ausland mitreisende Ehegatten durchgesetzt
Anpassung des Auslandsverwendungszuschlags in Jordanien und Erbil
Bundeswehr bleibt im Einsatz gegen IS
Weihnachtszeit im Libanon und in Litauen
Bundestag verlängert EU- und Nato-Mission im Mittelmeer
16 Jahre nach dem Karfreitagsgefecht: Mehr als 26.000 machen beim 16K3-Gedenkmarsch mit
Gedenken: Vor 16 Jahren fielen drei Soldaten beim Karfreitagsgefecht
„Lassen Sie uns gemeinsam den Tag deutschlandweit zu etwas Besonderem machen“
16K3-Gedenkmarsch: Erinnerung an das Karfreitagsgefecht
Resolution der 22. Hauptversammlung: DBwV fordert ein Artikelgesetz Aufwuchs und die Einführung einer Wehrpflicht
Europa und Ehrungen stehen im Mittelpunkt
Die 22. Hauptversammlung: Das sagen die Delegierten
Überwältigende Mehrheit für Oberst André Wüstner
Die erste Landesversammlung: Vom 3. bis 5. April 1991 hoben im Magdeburger Congress Center 200 gewählte Delegierte aus den fünf neuen Bundesländern und Berlin den Landesverband Ost aus der Taufe. Foto: DBwV/Archiv
Heute vor 35 Jahren, am 5. April 1991, wurde der Landesverband Ost gegründet – er ist damit halb so alt wie der DBwV, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feiert.
Kurz nach den Osterfeiertagen versammelten sich vom 3. bis 5. April 1991 im Magdeburger Congress Center mehr als 200 gewählte Soldatenvertreter zu einem Meilenstein in der bis dahin 35-jährigen Geschichte des Deutschen BundeswehrVerbandes. Im Auftrag von rund 12.000 neuen Mitgliedern des DBwV in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen gründeten sie den siebenten Landesverband des DBwV. Innerhalb eines halben Jahres war dem Verband ein organisatorischer Kraftakt gelungen, der mit der Gründung des DBwV in Munster rund 35 Jahre zuvor verglichen werden kann. Erschwert wurden die Vorbereitungen durch den Tarifkonflikt der Post, der die Zustellung der Delegiertenunterlagen verzögerte.
Ein Staat – eine Armee – ein Berufsverband
Am Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 dehnte der DBwV seinen Organisationsbereich auf das gesamte Bundesgebiet aus und begann mit dem Aufbau eigener Strukturen in den neuen Bundesländern. Mit dem Ende der NVA am 2. Oktober 1990 hatte der Verband der Berufssoldaten der DDR seine Basis verloren. Im September beschloss ein Sonderverbandstag die Auflösung bis zum 31. Oktober 1990. Der DBwV-Bundesvorsitzende, Oberst Rolf Wenzel, lud die Soldaten der NVA – unabhängig davon, ob sie in die Bundeswehr übernommenen werden – ein, individuell „im aufrechten Gang“ dem DBwV beizutreten. Von den zuletzt etwa 46.000 Mitgliedern des VBS folgte etwas mehr als ein Viertel der Empfehlung.
Sie organisierten sich in Truppen- und Standortkameradschaften sowie Kameradschaften Ehemaliger, Reservisten und Hinterbliebener. In den Dienststellen, Einheiten und Verbänden des Bundeswehrkommandos Ost begannen Verbindungsleute des DBwV im Rahmen von Informationsveranstaltungen, auf Standortebene Mitglieder zu werben. Da die Strukturen von unten nach oben aufgebaut wurden, fehlte es noch an der vermittelnden Zwischeninstanz. Wie bei einem „Exoskelett“ übernahmen die vier bestehenden Landesverbände die Betreuung der Kameraden in den neu gebildeten Bundesländern: Schleswig-Holstein/Hamburg für Mecklenburg-Vorpommern; Niedersachsen/Bremen für Sachsen-Anhalt, Berlin und Brandenburg; Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland für Thüringen sowie Bayern für Sachsen. Der Arbeitskreis DBwV – VBS des Landesverbandes Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland ordnete auf seiner letzten Sitzung die Thüringer Standorte den jeweiligen Bezirksvorsitzenden zu.
„An diesem besonderen Tag, unserem 35-jährigen Jubiläum, bleiben mir eigentlich nur zwei Dinge zu sagen: Herzlichen Glückwunsch an unseren Landesverband Ost und an alle Mitstreiter, ob ehemalige, aktuelle oder zukünftige Mandatsträger. Sie alle haben diesen Landesverband zu dem gemacht, was er heute ist: stark, engagiert und stetig wachsend. Dafür möchte ich Ihnen herzlich danken. Lassen Sie uns dieses Jubiläum gemeinsam feiern, egal wo, wie und wann. Sie können stolz auf Ihre Arbeit sein. Und lassen Sie uns weiterhin gemeinsam daran arbeiten, unseren Landesverband noch weiter nach vorne zu bringen. Wir sind alle der Landesverband Ost.“
Das im Oktober erstmals im vereinten Deutschland in erhöhter Auflage erscheinende Verbandsmagazin „Die Bundeswehr“ meldete die Gründung der ersten Truppenkameradschaft des DBwV in den neuen Bundesländern. Bereits am 13. September 1990 hatten im thüringischen Mühlhausen 58 neu in den DBwV eingetretene Angehörige des Mot.-Schützenregiments 22 „Thomas Müntzer“ der noch bestehenden NVA Hauptmann Klaus-Peter Senst (1960–2018) zum 1. Vorsitzenden gewählt. Den Bundesvorstand vertrat das Mitglied der Verbandsschiedskommission des DBwV, Oberst a.D. Eckhard Schwarzburg (1936–2003). Mitglieder der im Oktober aufgelösten Sektionen des VBS organisierten sich in ersten Kameradschaften Ehemaliger, so im thüringischen Worbis und Heiligenstadt. Mit tatkräftiger Hilfe aus Bayern hoben 69 neu in den DBwV eingetretene Mitglieder bereits am 4. Oktober 1990 in der Militärtechnischen Schule Bad Düben die erste Truppenkameradschaft in Sachsen aus der Taufe. Soldaten der Offizierhochschule der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung Kamenz folgten am 24. Oktober dem Beispiel, nachdem der Vorsitzende des für Sachsen zuständigen Landesverbandes Bayern, Professor Horst W. Berg, den DBwV vorgestellt hatte.
Die sächsischen Kameradschaften kamen am 7./8. Dezember in Dresden und zusammen und legten den Grundstein für einen arbeitsfähigen Landesverband, der Anfang 1991 bereits mehr als 3000 Mitglieder zählte. An der durch Professor Berg geleiteten ersten Schulungsveranstaltung über den Aufbau der zukünftigen Organisationsstruktur und die Wahrnehmung der Mitgliederinteressen beteiligten sich im Januar 1991 bereits mehr als 70 gewählte Mandatsträger aus 35 Truppenkameradschaften. In Thüringen folgten wenig später ca. 100 Mitglieder des DBwV in Erfurt der Schulung durch den Landesvorsitzenden Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland, Hauptmann a.D. Bode. Im Februar gründete sich in Rudolstadt die erste DBwV-Frauengruppe im Bereich des Bundeswehrkommandos Ost. In Brandenburg unterstützte der Vorsitzende der Standortkameradschaft Delmenhorst und Mitglied der Verbandsschiedskommission Rolf Meyer (zu dieser Zeit Oberleutnant) die Gründung der Truppenkameradschaft Eberswalde-Finow. Erste Truppenkameradschaften in der Marine bildeten sich unter Mitwirkung des Vorsitzenden Marine im Bundesvorstand Hanjo Grund (zu dieser Zeit Kapitänleutnant).
Problemlösungskompetenz ist gefragt
Mitte November 1990 erfasste der DBwV bereits 22 Truppenkameradschaften, davon 17 in Sachsen, vier in Mecklenburg und eine in Thüringen (Mühlhausen) sowie fünf KERH in Berlin, dem sächsischen Hoyerswerda und dem mecklenburgischen Schwerin. Sie waren das Ergebnis der Aufbauarbeit durch 42 Verbindungsmänner des DBwV. Die ersten Truppenkameradschaften auf dem Gebiet des Bundeswehrkommandos Ost verstanden sich als „Bindeglied zwischen den im Standort vorhandenen Bundeswehrdienststellen und den örtlichen Kommunalorganen“. In der komplexen Problemlage sahen sie sich mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert: der Schließung von Standorten, der Entlassung eines großen Teils der Soldaten und zivilen Mitarbeiter, insbesondere der Frauen, die als Soldatinnen in der NVA gedient hatten. Sie engagierten sich bei Vermittlung alternativer Beschäftigung und von Umschulungen und Weiterbildungen.
In den neuen Bundesländern nahmen Anfang Februar 1991 rund 6000 ehemalige Soldaten „berufsfördernde Maßnahmen“ in Anspruch. Kritik übten sie daran, dass Soldaten an wenig qualifizierte Bildungseinrichtungen verwiesen wurden und Schulungsmaßnahmen oft am Bedarf vorbeigingen. Auf der anderen Seite mussten sich die Kameradschaften auch der Probleme der in den Bereich des Bundeswehrkommandos Ost versetzten Soldaten aus den „alten“ Bundesländern annehmen, die sich unter den Bedingungen eines angespannten Wohnungsmarktes und einer überforderten Infrastruktur in oftmals entlegenen Standorten einrichten mussten. Angesichts der Personalveränderungen, Entlassungen, Schließungen und Strukturveränderungen – noch dazu unter der Bedingung geringer Ausstattung mit Telefonanschlüssen – gestaltete sich die Verbindung und Koordination der neu gebildeten Kameradschaften ausgesprochen schwierig. Täglich musste die Bundesgeschäftsstelle in Bonn mehrere Postsendungen mit Vermerk „unzustellbar zurück“ entgegennehmen.
Im Dezember 1990 beschloss der Bundesvorstand „im Zuge seines gesamtdeutschen Engagements“ für das kommende Frühjahr die Gründung eines siebenten Landesverbandes, der die fünf neuen Bundesländer und Berlin umfassen wird. Geplant war die Konstituierung in Verbindung mit einer Bundesvorstandssitzung in Berlin im April, auf der jede DBwV-Kameradschaft in den neuen Bundesländern mit mindestens einem Delegierten vertreten sein sollte. Am 21. Januar 1990 informierte Rolf Wenzel die Kameradschaften und Verbindungsmänner in den neuen Bundesländern über die Einberufung einer Landesversammlung vom 3. bis 5. April 1991 – nunmehr in Magdeburg – zur Gründung des Landesverbandes und forderte sie auf, umgehend Delegierte sowie Ersatz-Delegierte zu benennen.
DBwV kämpft für einheitliche soziale Standards
Wie auch alle Landesversammlungen des DBwV 1991 stand der Gründungskongress des neuen Verbandes unter dem Motto: „Ein Staat – eine Armee – ein Recht!“. Es erweiterte den Grundsatz: „Ein Volk, ein Staat, eine Armee“, mit dem Generalleutnant Jörg Schönbohm den Befehl über das Bundeswehrkommando Ost übernommen hatte, um die essenzielle soziale Komponente. Der Bundesvorsitzende Rolf Wenzel stellte klar, dass der DBwV es nicht hinnehmen werde, dass seit dem 3. Oktober 1990 „unter dem Namen ‚Bundeswehr‘ praktisch zwei Armeen unterschiedlichen sozialen Standards existieren“ und es für die Grundwehrdienstleistenden einen Wehrdienst erster und zweiter Klasse gebe. Um zu gesamtdeutschen Streitkräften zu gelangen, müssten die dienstrechtlichen Verhältnisse der in die Bundeswehr übernommenen NVA-Soldaten so rasch wie möglich an das westliche Niveau angeglichen werden. Der DBwV forderte, die Strukturveränderung der Bundeswehr sozialverträglich zu gestalten, über bevorstehende Standortschließungen zu informieren und Übergangsregelungen für die Soldaten, die nicht in die Bundeswehr übernommen werden, zu schaffen.
Unterstützung signalisierte der Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr, Generalleutnant Siegfried Storbeck. Die Mitwirkung bei der Lösung der menschlichen, sozialen und wirtschaftlichen Probleme der ehemaligen NVA-Soldaten würdigte er als wichtigen Beitrag des DBwV zu dem Ziel, eine homogene Bundeswehr zu schaffen. Zum ersten Landesvorsitzenden wählten die Delegierten Hauptfeldwebel Karl-Heinrich Stein. Mit ihm erhielten die Mitglieder in den neuen Bundesländern Sitz und Stimme im Bundesvorstand. Die „Armee der Einheit“ gilt als Erfolgsgeschichte. Der erstmals 1992 verwendete Begriff bildet ebenso wie „Wir sind das Volk“ und „Friedliche Revolution“ einen festen Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses und fand seinen Platz im Selbstverständnis der Bundeswehr. In der Wahrnehmung ehemaliger Berufssoldaten der NVA wurde der mit diesem Begriff verbundene Anspruch allerdings nur im DBwV verwirklicht. 90 Prozent der Berufssoldaten der am 2. Oktober 1990 aufgelösten NVA mussten aus den Streitkräften ausscheiden, durften ihren Dienstgrad a.D. im vereinten Deutschland nicht führen und galten zunächst als „gedient in fremden Streitkräften“. Als einzige Organisation mit gesellschaftlichem Rückhalt setzte sich der DBwV für die rechtliche Gleichstellung und soziale Wertschätzung der ehemaligen Soldaten ein und bot Strukturen für den Zusammenhalt untereinander und mit den Einheiten der Bundeswehr. Durch politischen Druck und die Gewährung von Rechtsbeistand trug er dazu bei, dass sich auch bei den ehemaligen Berufssoldaten der NVA Vertrauen in den Rechtsstaat aufbauen konnte.
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