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Seit mehr als einer Woche dauern die Gefechte im Südkaukasus an. Ein schnelles Ende ist nicht in Sicht. Welche Rolle soll Russland nun spielen? Armenien hat eine genaue Vorstellung davon.
Baku/Erwin. Nach weiteren schweren Gefechten in der Südkaukasus-Region Berg-Karabach wächst die Sorge vor einer weiteren Eskalation des Konflikts zwischen Armenien und Aserbaidschan. Russland zeigte sich besorgt angesichts steigender Opferzahlen in der Zivilbevölkerung. Es sei eine schnellstmögliche Waffenruhe notwendig, forderte Außenminister Sergej Lawrow. Nach Angaben seines Ministeriums in Moskau telefonierte er am Sonntagabend (4. Oktober) mit seinem armenischen Kollegen Sohrab Mnazakanjan.
Armenien sieht Russland als Schutzmacht, während die Türkei der engste Verbündete der öl- und gasreichen Ex-Sowjetrepublik Aserbaidschan ist. Am Wochenende war Berg-Karabachs Hauptstadt Stepanakert unter schweren Beschuss geraten. Aserbaidschan beklagte wiederum einen Angriff auf seine zweitgrößte Stadt Ganja (Gandscha). Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld an dem Blutvergießen - wie seit Beginn der Kämpfe vor rund einer Woche.
Der armenische Ministerpräsident Nikol Paschinjan hatte am Wochenende eine stärkere Rolle Russlands ins Gespräch gebracht. Über mögliche russische Friedenstruppen sollte in der so bezeichneten Minsker Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) diskutiert werden, schlug er vor. In diesem Format vermitteln Russland, Frankreich und die USA in dem Konflikt.
In der «Bild»-Zeitung verwies der armenische Regierungschef zugleich auf die russische Militärbasis in seinem Land mit einem gemeinsamen Luftabwehrsystem. «Der Vertrag zu diesem System legt sehr deutlich fest, in welchen Fällen diese Streitkräfte auch zur Sicherheit Armeniens eingesetzt werden können», sagte er, ohne Details zu nennen. «Ich bin mir sicher, dass Russland seinen vertraglichen Verpflichtungen nachkommen wird, falls diese Fälle eintreten.»
Armenien und Aserbaidschan kämpfen schon seit Jahrzehnten um die bergige Region, in der rund 145 000 Menschen leben. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Es wird heute von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt. Seit 1994 gilt eine brüchige Waffenruhe. Zuletzt gab es immer mal wieder Gefechte in der Region, allerdings nie so heftig wie seit einer Woche.
Die armenische Seite spricht bisher von mehr als 200 Toten, darunter überwiegend Soldaten. Über Tote und Verletzte in den Reihen der aserbaidschanischen Streitkräfte gab es keine Angaben.
Das Internationale Rote Kreuz in Genf verurteilte am Abend den «wahllosen Beschuss und andere rechtswidrige Angriffe» mit Waffen auf Städte und Siedlungen, bei denen Zivilisten getötet würden und schwere Verletzungen davontrügen. «Es müssen alle möglichen Maßnahmen getroffen werden, um Zivilisten und zivile Infrastrukturen wie Krankenhäuser, Schulen und Märkte zu schützen», forderte Regionaldirektor Martin Schüepp in Genf.
Groß ist die Sorge der internationalen Gemeinschaft nun, dass in Berg-Karabach islamistische Terroristen aus Syrien und Libyen ihr Geld mit Kämpfen verdienen könnten. Paschinjan wirft der Türkei vor, Söldner in den Südkaukasus verlagert zu haben. Auch Russland hatte mitgeteilt, plausible Hinweise darauf zu haben.
«Ich denke, dass dies jetzt in dieser Situation nicht mehr nur ein örtliches Sicherheitsthema ist», sagte Paschinjan der «Bild». «Es ist ein wesentlicher Teil der globalen Agenda.» Die europäischen Länder müssten nun den Angriff auf Berg-Karabach und Armenien durch Terroristen eindeutig verurteilen
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