11.09.2020
dpa

Taliban und Afghanistans Regierung bereit für Friedensverhandlungen

Seit Monaten wird der Beginn innerafghanischer Friedensgespräche erwartet. Der Konflikt ging unterdessen unvermindert weiter. Jetzt steht endlich ein Datum für den Auftakt der Verhandlungen fest.

Kabul/Doha. Die militant-islamistischen Taliban und Afghanistans Regierung wollen die lang geplanten Friedensgespräche beginnen. Am Samstag (12. September) soll der Auftakt der Verhandlungen in der katarischen Hauptstadt Doha beginnen, wie Vertreter beider Konfliktparteien am Donnerstag bestätigten. Verhandlungsdelegationen beider Seiten sind für Gespräche bereit, das Regierungsteam soll am Freitag aus Kabul anreisen. Die Taliban befinden sich bereits in Doha, in einem Hotel am Meer. US-Präsident Donald Trump kündigte derweil einen weiteren Truppenabbau in Afghanistan an.

Die Vorbereitungen für den Start der Friedensgespräche in Doha laufen bereits auf Hochtouren. Auch US-Außenminister Mike Pompeo wird als Gast in Doha erwartet. Pompeo teilte mit, die Gespräche seien «eine historische Chance für Afghanistan, vier Jahrzehnte des Krieges und des Blutvergießens zu beenden». US-Präsident Trump lobte seine Regierung und sagte, dass die Friedensverhandlungen «ein Ergebnis der mutigen diplomatischen Bemühungen meiner Regierung in den letzten Monaten und Jahren» seien. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg schrieb bei Twitter, dass alle Verhandlungsparteien diese historische Chance ergreifen sollten.

Der US-Sondergesandte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, und Diplomaten sind bereits seit einigen Tagen in Katar. Von afghanischer Seite werden zahlreiche hochrangige Gäste erwartet. Der Spitzenpolitiker und Vorsitzender des Hohen Rats für Versöhnung, Abdullah Abdullah, will ebenfalls für den Auftakt anreisen.

Fast zwei Jahrzehnte nach ihrer Vertreibung aus Kabul wollen die Taliban erstmals mit Kabul über Frieden verhandeln. Ein Abkommen zwischen den USA und den Taliban Ende Februar verpflichtete die Islamisten zur Aufnahme der Friedensverhandlungen. Streit über einen Gefangenentausch, der Vertrauen aufbauen sollte, hatte zu erheblichen Verzögerungen geführt.

Den Gefangenenaustausch betrachten inzwischen beide Seiten als abgeschlossen. Insgesamt kamen knapp 5000 Taliban im Tausch gegen 1000 von den Rebellen festgehaltene Gefangene frei. Der Konflikt im Land ging aber unvermindert weiter.

US-Präsident Trump sagte am Donnerstag im Weißen Haus, dass die Zahl der US-Soldaten in Afghanistan «in sehr kurzer Zeit» auf 4000 reduziert werde. Zuletzt waren noch etwa 8600 US-Soldaten dort. Trump sagte, seit Anfang Februar seien keine US-Soldaten in dem Land mehr getötet worden. «In Afghanistan werden große Fortschritte erzielt.»

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