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Die USA wollen ihre Militärpräsenz in Afghanistan bis Ende November weiter deutlich herunterfahren. Muss die Bundeswehr folgen?
Berlin/Brüssel. Die USA haben Nato-Verbündete über Pläne zum Abzug weiterer Soldaten aus Afghanistan informiert. Ein Vertreter der US-Regierung habe darüber unterrichtet, «dass die USA bis Ende November 2020 eine Truppenreduzierung in Afghanistan auf knapp unter 5000 Soldatinnen und Soldaten durchführen werden», teilten das Verteidigungsministerium und das Auswärtige Amt am Dienstag den zuständigen Obleuten im Bundestag mit. Zuletzt waren noch etwa 8600 US-Soldaten in dem Land.
Der Krieg in Afghanistan ist der längste in der Geschichte der USA. Seit 2001 sind amerikanische Soldaten in dem Land. Nach den Anschlägen vom 11. September waren von den USA angeführte Truppen dort einmarschiert.
Die offizielle Ankündigung steht nach Angaben aus Nato-Kreisen im Zusammenhang mit den jüngsten Fortschritten in dem von Washington initiierten Friedensprozess. In Afghanistan hatte am Sonntag eine große Ratsversammlung der umstrittenen Freilassung inhaftierter Taliban zugestimmt und damit die wichtigste Hürde für den Beginn innerafghanischer Friedensgespräche aus dem Weg geräumt.
Zuvor hatten die USA Ende Februar mit den militant-islamistischen Taliban ein Abkommen unterzeichnet, das einen Abzug der internationalen Truppen vorsieht. Im Gegenzug versicherten die Taliban, ihre Beziehungen zu anderen Terrororganisationen zu beenden.
Auf das Engagement der Bundeswehr im Nato-Ausbildungseinsatz Resolute Support soll die weitere Reduzierung des US-Truppenpräsenz vorerst keine Auswirkungen haben. «Die kritischen Fähigkeiten der USA, sogenannte «Enabler», stehen weiterhin zur Verfügung», heißt es auch in der Unterrichtung, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Aus Sicht der Bundesregierung könne die Bundeswehr damit ihr Engagement im Norden des Landes ohne entscheidende Einschränkungen fortführen. Es bleibe notwendig, alle Schritte zur Zukunft von Resolute Support in einem gemeinsamen Entscheidungsprozess in der Nato zu diskutieren.
Am Nato-Ausbildungseinsatz für die afghanischen Sicherheitskräfte waren zuletzt noch knapp 12 000 Soldaten beteiligt - unter ihnen 5200 aus den USA. Er war nach der Unterzeichnung des Abkommens der USA mit den Taliban im Februar bereits reduziert worden, um guten Willen zu zeigen. Die USA hatten zuletzt zudem noch mehr als 3000 Soldaten außerhalb der Nato-Mission im Einsatz. Sie unterstützen unter anderem direkt den Anti-Terror-Kampf im Land. Vor der Unterzeichnung des Abkommens waren in Afghanistan noch zwischen 12 000 und 13 000 US-Soldaten stationiert.
Die Abzugspläne werden vor allem von US-Präsident Donald Trump vorangetrieben, der bei der am 3. November anstehenden Präsidentschaftswahl wiedergewählt werden will. Er hat seinen Anhängern versprochen, die «endlosen» Kriege Amerikas zu beenden und US-Truppen heimzuholen. In einem Interview mit dem Online-Portal Axios sagte Trump kürzlich, am Tag der US-Wahl werde die Zahl der US-Soldaten in Afghanistan bei zwischen 4000 und 5000 liegen.
Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg rief am Montagabend die Konfliktparteien in Afghanistan auf, die anstehenden Friedensgespräche zu einem Erfolg zu machen. Die Gespräche seien eine historische Gelegenheit, schrieb er am Montag nach Gesprächen mit Präsident Aschraf Ghani und dem Vorsitzenden des Rats für Versöhnung, Abdullah Abdullah.
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