Digitalisierung bringt nicht nur technische Veränderungen mit sich, sondern beeinflusst auch die Art und Weise wie Arbeit organisiert, bewertet und gesteuert wird. Foto: Pixabay

Digitalisierung bringt nicht nur technische Veränderungen mit sich, sondern beeinflusst auch die Art und Weise wie Arbeit organisiert, bewertet und gesteuert wird. Foto: Pixabay

07.07.2026
Von Bernd Kaufmann

Vertrauen in digitalen Zeiten: Die Sicht des Fachbereichs Zivile Beschäftigte im DBwV

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung grundlegend. Auch in den Dienststellen der Bundeswehr prägen elektronische Personalakten, digitale Kommunikationsplattformen, automatisierte Zeiterfassung und zunehmend softwaregestützte Verwaltungsverfahren den Arbeitsalltag. Für viele zivile Beschäftigte bedeutet dies zunächst schnellere Abläufe, bessere Informationsverfügbarkeit und effizientere Prozesse. Gleichzeitig entstehen jedoch neue Fragen hinsichtlich Arbeitsbedingungen, Datenschutz und Mitbestimmung, denen sich der Fachbereich Zivile Beschäftigte im DBwV intensiv widmet.

Aus Sicht des Fachbereichs Zivile Beschäftigte zeigt sich deutlich, dass Digitalisierung nicht nur technische Veränderungen mit sich bringt, sondern auch die Art und Weise beeinflusst, wie Arbeit organisiert, bewertet und gesteuert wird. Digitale Systeme ermöglichen eine deutlich umfangreichere Datenerfassung über Arbeitsprozesse, Bearbeitungszeiten und organisatorische Abläufe. Was ursprünglich der Effizienzsteigerung dient, kann im Arbeitsalltag auch als zusätzliche Form der Kontrolle wahrgenommen werden. Gerade deshalb gewinnt die Mitbestimmung der Beschäftigtenvertretungen an Bedeutung.

Das Personalvertretungsrecht sieht ausdrücklich vor, dass die Interessensvertretungen der Beschäftigten beteiligt werden müssen, wenn technische Einrichtungen eingeführt werden, die geeignet sind, Verhalten oder Leistung von Beschäftigten zu erfassen. Für die Beamtinnen und Beamten sowie die Tarifbeschäftigten im Geschäftsbereich des BMVg ist diese Beteiligung ein wichtiger Schutzmechanismus. Sie stellt sicher, dass neue Systeme nicht ausschließlich unter organisatorischen oder wirtschaftlichen Gesichtspunkten eingeführt werden, sondern auch die Auswirkungen auf die zivilen Beschäftigten berücksichtigt werden.

Digitale Anwendungen werde bereits  implementiert

In der Praxis erlebt der Fachbereich Zivile Beschäftigte jedoch immer wieder, dass digitale Anwendungen bereits implementiert werden, bevor eine umfassende Beteiligung stattgefunden hat. Systeme werden zentral beschafft und anschließend in den Dienststellen ausgerollt. Erst im laufenden Betrieb wird sichtbar, welche Daten tatsächlich erhoben werden oder welche Veränderungen sich für Arbeitsabläufe ergeben. Für die Beschäftigten entsteht dadurch häufig der Eindruck, dass Digitalisierung über ihre Köpfe hinweg gestaltet wird.

Gerade im Geschäftsbereich des Verteidigungsministeriums spielt Vertrauen eine zentrale Rolle. Die Aufgaben der Bundeswehrverwaltung sind komplex, die IT-Strukturen umfangreich und die verarbeiteten Daten häufig sensibel. Die Beamtinnen und Beamten sowie die Tarifbeschäftigten tragen täglich Verantwortung für administrative, organisatorische und technische Prozesse, die für die Einsatzfähigkeit der Streitkräfte unverzichtbar sind. Digitale Systeme können diese Arbeit unterstützen, sie dürfen jedoch nicht zu intransparenten Entscheidungsstrukturen führen.

Technische Anwendungen wirken immer auch auf die Arbeitsorganisation. Ein neues Zeiterfassungssystem kann beispielsweise flexible Arbeitsmodelle erleichtern. Gleichzeitig kann es das Gefühl verstärken, dass Arbeitszeiten stärker überwacht werden. Digitale Bewerbungsplattformen können Verfahren beschleunigen, werfen jedoch Fragen nach Transparenz und Nachvollziehbarkeit algorithmischer Entscheidungen auf. Für die zivilen Beschäftigten ist deshalb entscheidend, dass nachvollziehbar bleibt, wie Daten verwendet werden und welche Kriterien Entscheidungen zugrunde liegen.

Für sachgerechte Beteiligung braucht es unter anderem Schulungen

Die Interessensvertretungen nehmen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle ein. Sie prüfen digitale Projekte aus der Perspektive der Beschäftigten. Dabei geht es nicht nur um rechtliche Fragen, sondern auch um praktische Auswirkungen im Arbeitsalltag. Der DBwV setzt sich dafür ein, dass Systeme verständlich gestaltet werden, Datenschutz eingehalten wird und neue Technologien die Arbeit tatsächlich erleichtern.

Damit diese Aufgabe wirksam wahrgenommen werden kann, benötigen die Interessensvertretungen entsprechende Rahmenbedingungen. Digitale Projekte sind technisch komplex und entwickeln sich häufig schnell weiter. Für eine sachgerechte Beteiligung sind daher Schulungen, fachliche Beratung und ausreichende zeitliche Ressourcen erforderlich. Auch der Zugang zu relevanten Informationen über Funktionsweise und Datennutzung neuer Systeme ist entscheidend.

Aus Sicht des Fachbereichs Zivile Beschäftigte besteht zudem ein Bedarf, die Mitbestimmung selbst stärker an die digitale Arbeitswelt anzupassen. Verwaltungsprozesse werden zunehmend digital organisiert, während Beteiligungsverfahren teilweise noch stark von analogen Abläufen geprägt sind. Moderne Kommunikationsmittel, sichere digitale Plattformen und rechtssichere elektronische Beschlussverfahren können dazu beitragen, dass die Interessenvertretungen der Beschäftigten ihre Aufgaben auch unter den Bedingungen einer digitalisierten Verwaltung effektiv wahrnehmen können.

Digitalisierung ist erfolgreich, wenn sie gemeinsam gestaltet wird

Die Erfahrung zeigt, dass Digitalisierung dann besonders erfolgreich ist, wenn sie gemeinsam gestaltet wird. Werden die Beschäftigtenvertretungen frühzeitig eingebunden, können mögliche Probleme bereits in der Planungsphase erkannt und Lösungen gemeinsam entwickelt werden. Dies erhöht nicht nur die Akzeptanz neuer Systeme, sondern verbessert häufig auch deren praktische Nutzbarkeit.

Für die Beamtinnen und Beamten sowie die Tarifbeschäftigten im Geschäftsbereich des Verteidigungsministeriums steht daher nicht die Frage im Mittelpunkt, ob Digitalisierung stattfinden soll, sondern wie sie gestaltet wird. Technische Innovationen können die tägliche Arbeit erleichtern und die Leistungsfähigkeit der Verwaltung stärken. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Transparenz, Beteiligung und Vertrauen gewahrt bleiben.

Die Verwaltung der Zukunft wird stärker digital geprägt sein. Damit diese Entwicklung auch aus Sicht der zivilen Beschäftigten positiv gestaltet werden kann, braucht es eine funktionierende und ernst genommene Mitbestimmung. Der Fachbereich Zivile Beschäftigte im DBwV setzt sich dafür ein, dass Digitalisierung nicht nur effizient, sondern auch fair und nachvollziehbar umgesetzt wird und dass die Interessen der Beamtinnen und Beamten sowie der Tarifbeschäftigten im BMVg dauerhaft berücksichtigt bleiben.

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