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Die Zahl der Bewerber für den Freiwilligen Wehrdienst sinken, aber die Zahl der Soldaten auf Zeit steige, heißt es aus dem BMVg. Foto: Bundeswehr/Sebastian Wilke
Die Verteidigungsministerin will einen neuen Freiwilligendienst auf die Beine stellen. Bei dem bisherigen gehen die Bewerberzahlen seit neun Jahren fast kontinuierlich zurück. Da steckt aber eine Strategie dahinter, sagt das Ministerium.
Berlin. Das Interesse am freiwilligen Wehrdienst bei der Bundeswehr bleibt auf niedrigem Niveau. Im ersten Halbjahr 2020 bewarben sich rund 5200 Männer und Frauen für den 7 bis 23 monatigen Dienst, im gesamten vergangenen Jahr waren es 11 200. Zum Vergleich: In den ersten Jahren nach Aussetzung der Wehrpflicht 2011 lagen die Bewerberzahlen noch über 18 000. Das geht aus einer aktuellen Aufstellung des Verteidigungsministeriums hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.
Den freiwilligen Wehrdienst gibt es bereits seit 1996, er bekam aber erst mit Aussetzung der Wehrpflicht Mitte 2011 eine größere Bedeutung. 2012 bewarben sich 19 300 Männer und Frauen dafür, aber seitdem sank die Zahl fast jedes Jahr. Nur von 2018 auf 2019 gab es eine leichte Steigerung von 10 700 auf 11 200.
Das Verteidigungsministerium führt die sinkenden Zahlen ab 2016 auf einen Strategiewechsel zurück. Damals wurde die seit Ende des Kalten Krieges anhaltende Reduzierung der Truppenstärke gestoppt und wieder auf personellen Zuwachs gesetzt. Deswegen wird laut Ministerium seitdem verstärkt um Zeitsoldaten geworben, die sich in der Regel für mindestens 24 Monate verpflichten. Deren Zahl sei parallel zur Abnahme der Wehrdienstleistenden gestiegen, sagte eine Sprecherin der dpa. Die Gesamtbewerberzahl für Stellen bei der Bundeswehr habe in den vergangenen neun Jahren stabil zwischen 52 000 und 59 000 gelegen.
Ab September sollen Bewerbungen für den neuen «Freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz» möglich sein, für den Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) 1000 junge Männer und Frauen pro Jahr rekrutieren will. Er soll aus einer siebenmonatigen militärischen Ausbildung und Reservisteneinsätzen in den folgenden sechs Jahren bestehen. Die Aufgabe der neuen Freiwilligen: der Heimatschutz, also Krisen- und Katastropheneinsätze wie jetzt bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie.
Damit will Kramp-Karrenbauer eine Lücke bei den Job-Angeboten der Bundeswehr schließen. Für den bisherigen freiwilligen Wehrdienst haben sich seit Juli 2011 insgesamt 146 600 Männer und Frauen beworben, von denen durchschnittlich 56 Prozent eingestellt wurden. In den letzten drei Jahren lag diese Quote allerdings deutlich höher, bei jeweils mehr als zwei Dritteln. Der Frauenanteil unter den Wehrdienstleistenden lag den Angaben zufolge zuletzt bei 18 Prozent und damit sechs Prozentpunkte höher als bei den Zeit- und Berufssoldaten.
Fast jeder vierte Wehrdienstleistende (23 Prozent) hat seinen Dienst bereits in der Probezeit abgebrochen. Fast jeder Zweite (43 Prozent) gab dafür «private Gründe» an, 13 Prozent «alternative Jobangebote». Die Gründe «Überforderung» (3,5 Prozent) und «fehlende Heimatnähe» (2 Prozent) wurden vergleichsweise selten genannt. Etwa vier Prozent der seit 2011 eingestellten freiwillig Wehrdienstleistenden wurde von der Bundeswehr vorzeitig entlassen.
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