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Resilienz beschreibt die innere Kraft, den Lebensmut auch unter widrigsten Umständen zu bewahren. Foto: pixabay
Pandemie, Krieg, Unsicherheit: Viele spüren, wie belastend Krisen sein können. Doch warum bleiben manche stabil – und was hilft bei Ängsten und Sorgen? Die Forschung zeigt: Resilienz ist keine angeborene Stärke, sondern trainierbar.
Manche Menschen schaffen es, ihren Lebensmut zu bewahren, selbst unter widrigsten Umständen. Diese Eigenschaft wird von Expertinnen und Experten als „Resilienz“ bezeichnet. Gerade jetzt, in einer Phase globaler Krisen und politischer Spannungen, rücken diese Fähigkeiten zunehmend in den Fokus. Die allgemeine Grundstimmung hat sich verändert. Viele Menschen fühlen sich verletzlich oder verunsichert. „In vielen Bevölkerungsstudien sehen wir seit der Corona-Pandemie, dass die Menschen in Deutschland verstärkt beunruhigt sind und das Gefühl haben, stärker belastet zu sein“, sagt Prof. Dr. Klaus Lieb. Er ist wissenschaftlicher Geschäftsführer des Leibniz-Instituts für Resilienzforschung und Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz.
Auch der Ukrainekrieg und die sicherheitspolitische Lage wirken sich belastend aus. „Hinzu kommt die wirtschaftliche Entwicklung“, erklärt Lieb. Dazu gehören beispielsweise steigende Lebensmittel- und Energiepreise.
Menschlicher Faktor entscheidet
Es sei völlig normal, dass Krisen psychische Belastungen auslösen: „Das zeigt sich zum Beispiel durch Schlafstörungen oder kreisende Gedanken“, so Lieb. Anfangs sei das nicht ungewöhnlich und meist unproblematisch. „Entscheidend ist, wie schnell man da wieder herausfindet. Wir sehen, dass etwa 60 bis 80 Prozent der Menschen gut mit Stress und Belastungen umgehen können“, sagt der Experte. „Die meisten Menschen sind in der Lage, stressige Situationen schnell zu bewältigen – etwa zwei Drittel.
Weitere 20 Prozent der Leute schaffen es nach etwas längerer Zeit.“ Halten jedoch Ängste oder depressive Verstimmungen über mehrere Wochen an und beeinträchtigen das tägliche Leben, sollte man sich informieren und Unterstützung suchen. Ein sofortiger Arztbesuch sei nicht in jedem Fall nötig – und auch nicht immer gleich eine Psychotherapie. Was jedoch fast immer hilft: Menschen um sich zu haben.
„Der menschliche Faktor ist entscheidend“, betont Professor Lieb. Soziale Unterstützung und stabile Beziehungen zählen zu den stärksten Schutzfaktoren der psychischen Gesundheit. Studien zeigen: Wer ein gutes Netzwerk hat, kommt mit Krisen deutlich besser zurecht. „Ich kann nur raten, in guten Zeiten vorzusorgen – stabile familiäre Strukturen zu pflegen, Freundschaften zu halten und sich auch außerhalb der Partnerschaft ein verlässliches Umfeld aufzubauen“, so Lieb. „Wichtig ist, auch in Krisenzeiten verlässliche Ansprechpartner zu haben.“
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Medienkonsum. Denn ein Zuviel davon kann die mentale Belastung verstärken. „Einzelschicksale oder dramatische Ereignisse können emotional stark aufwühlen“, sagt Lieb. Er empfiehlt, Nachrichten bewusst und zeitlich begrenzt zu konsumieren – idealerweise einmal täglich statt dauerhaft nebenbei. Dabei helfe es, sich auf seriöse Quellen zu konzentrieren, die ein differenziertes Bild vermitteln.
Resilienz ist dynamisch
Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass die Resilienz grundsätzlich dynamisch ist und sich im Laufe des Lebens verändert und weiterentwickelt: „Es gibt immer wieder Phasen, in denen man weniger gut belastbar ist, zum Beispiel, wenn einfach mehrere Dinge zusammenkommen“, sagt Professor Lieb. Besonders in diesen Zeiten sei es wichtig, gut darauf zu achten, dass die Akkus nicht zu schnell leer gehen.
„Es gibt aber Menschen, die nicht so stabil sind wie andere“, sagt Lieb. „Und sicherlich gibt es auch Leute, die etwas so schnell nicht umhaut. Das heißt aber nicht, dass man die Resilienz nicht grundsätzlich verändern oder erlernen kann.“ Und: Krisen müssen nicht immer was Negatives sein. „Allgemein sind Menschen in der Lage, gut mit belastenden Situationen umzugehen“, erläutert der Experte. Evolutionär seien Menschen schon immer mit Krisen oder Belastungen konfrontiert gewesen – wie beispielsweise Naturkatastrophen oder Hungersnöten.
Menschen mit körperlichen oder psychischen Vorerkrankungen wie Depressionen oder posttraumatischen Belastungsstörungen kann es schwerer fallen, mit belastenden Situationen umzugehen. Gleichzeitig sehen wir oft, dass gerade Personen, die bereits Schwieriges durchlebt und bewältigt haben, den Umgang mit Krisen besser beherrschen.
In der Forschung zeigte sich außerdem, dass auch die finanzielle Situation eine Rolle spielt: Menschen, die wirtschaftlich ohnehin unter Druck stehen, reagieren stärker auf Kriege, Inflation oder politische Unsicherheiten. Höhere Bildung wirkt dabei indirekt: „Gut ausgebildete Menschen sind häufig finanziell besser aufgestellt und wissen eher, wo sie Hilfe finden oder welche Unterstützungsangebote es gibt“, erklärt Lieb.
Kraft aus Optimismus oder Spiritualität
Die gute Nachricht: Die Resilienz, also die Eigenschaft, psychische Belastungen zu meistern, ist trainierbar. Was die Resilienz stärkt, ist ein gesunder Lebensstil: auf den Alkohol- und Nikotinkonsum zu achten, eine ausgewogene und gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung – am besten im Grünen. In belastenden Zeiten können Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenes Training helfen. „Man kann sehr viel für sich selbst tun, um psychisch stabil zu sein“, so Lieb. Ein Patentrezept für Resilienz gibt es allerdings nicht. „Manche Menschen schöpfen Kraft aus Optimismus, andere aus Spiritualität und wieder andere aus regelmäßigen Achtsamkeits- oder Entspannungsübungen“, sagt Lieb. „Nicht jedem hilft das Gleiche.“
Es gibt viele Wege, die helfen können – entscheidend ist, herauszufinden, was einem selbst guttut und für sich selbst zu sorgen. „Neben den allgemeinen Faktoren wie einer gesunden Lebensweise gibt es viele individuelle Dinge, die wie ein Werkzeugkasten funktionieren. Nimmt man all dies zusammen, kann man daraus eine starke Kraft entfalten“, erklärt Lieb. „Herausforderungen haben auch positive Seiten. Sie können dazu beitragen, über sich hinauszuwachsen, sich weiterzuentwickeln und stärker aus einer Krise hervorzugehen.“ Erfahrungen, die wir in belastenden Zeiten machen, können uns für zukünftige Situationen widerstandsfähiger machen.
Training und Tipps zur Stärkung der Resilienz gibt es auf der Online-Plattform „resiLIR“ des Leibnitz-Instituts für Resilienzforschung: www.resilir.eu/basic
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