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Berlin. Seit Wochen hängen die Werbeplakate schon überall im Land, jetzt geht es endlich los: Am Montagnachmittag hat die Bundeswehr die ersten beiden Folgen ihrer neuen Webserie „Mali“ bei Youtube freigeschaltet. Was vor rund einem Jahr als Experiment mit den „Rekruten“ erfolgreich begann, soll den Zuschauer jetzt in den harten Alltag eines Auslandseinsatzes mitnehmen.
Doch die Reise beginnt zunächst in Deutschland, an den Heimatstandorten der Protagonisten. Passend heißen die ersten beiden Folgen denn auch „Die Abreise“ und „Die Ankunft“. Im ersten Teil werden die Kameraden gezeigt, wie sie ihre letzten Vorbereitungen treffen. Während der eine noch schnell seinen Schreibtisch ordnet, fährt ein anderer zum Metzger – Einkauf für das letzte Frühstück auf deutschem Boden. Die Strategien, mit denen die Soldaten der Herausforderung Mali begegnen, sind komplett verschieden, so viel wird schon nach wenigen Minuten deutlich.
Ohnehin kommt der erste Teil trotz des alles beherrschenden Themas „Abschied“ ohne übertriebenen Pathos aus. „Es ist immer scheiße, sich zu verabschieden“, sagt etwa Hauptfeldwebel Peter ganz unverblümt, im Hintergrund seine Familie, „aber es gehört halt dazu, es ist mein Job“. Nützt ja nichts, so könnte man in etwa die Stimmungslage beschreiben.
Die Kamera ist auch beim Einstieg in das Flugzeug der Luftwaffe in Köln dabei. Sinnbildlich für die inzwischen eingetretene Normalität der Auslandseinsätze steht die Anzeige der Ziele in der Abflughalle: 8 Uhr Bamako, 9.10 Uhr Mazar-e-Sharif, 11.50 Uhr Pristina. Auf die Soldaten warten Gepäckaufgabe, Zoll, Sicherheit – wer es noch nicht selbst mitgemacht hat, ist erstaunt. „Wie in jedem zivilen Flughafen auch“, meint Hauptfeldwebel Peter. Nur, dass es für die Kameraden nicht in den Urlaub geht.
Es hat viel Kritik gegeben an der „Mali“-Serie, noch bevor die ersten Minuten überhaupt ausgestrahlt waren. Zu martialisch, zu unkritisch sei der Trailer geraten, ein gefährlicher Auslandseinsatz würde verharmlost und in Rambo-Manier überzeichnet. Natürlich besteht diese Gefahr immer, wenn man sich einem so komplexen Thema auf ungewohnte Art nähert. Und natürlich lässt sich jetzt noch kein abschließendes Urteil fällen. Doch wenn die Macher den Stil der ersten beiden Folgen beibehalten, dürfte die Kritik bald verhallen.
Die Regie setzt den schmalen Grat, auf dem die Soldaten emotional immer wieder wandeln, gut in Szene. Da schlägt die Abenteuerlust binnen Minuten in Nachdenklichkeit um, Szenen der Ausgelassenheit wechseln sich mit Momenten der Einkehr ab. Wer Soldaten erwartet, die laut „Hurra“ schreiend in den Krieg ziehen, hat jedenfalls völlig falsche Erwartungen.
Man darf an der Stelle ja auch nicht ganz vergessen, für wen die Serie gemacht wurde. Sicherlich wird es viele einsatzerfahrene Soldaten geben, die sich nicht mit dem Gezeigten identifizieren können. Sei es, weil viele Szenen Banalitäten bis hin zum Gang auf die Toilette thematisieren; oder eben auch mal gute Laune zeigen, die es trotz aller Strapazen auch im Camp gibt. Wer ein paar Mal im Einsatz war, hat womöglich einen anderen Zugang.
Aber erfahrene Soldaten sind ja auch nicht die Zielgruppe. Vielmehr hat die Bundeswehr mit der neuen Serie junge Menschen ins Visier genommen, die sich zwar für die Bundeswehr interessieren, aber Angst vor den Einsätzen haben. Nicht so sehr, weil sie um ihr Leben fürchten, sondern weil sie schlicht keine Ahnung haben, wie es dort so zugeht. Und für diese Zielgruppe bieten zumindest die ersten beiden Folgen schon einen echten Mehrwert.
24 Stunden später sind die Soldaten am Ziel, wir sind jetzt im zweiten Teil, der „Ankunft“. Die Anspannung ist deutlich gestiegen, es herrschen 42 Grad, der Schweiß fließt in Strömen unter den schusssicheren Westen. „Es ist hier alles nicht so schlimm wie man hört“, ruft den Neuen jemand aus dem Off zu, „es ist schlimmer!“
Aber da müssen die Kameraden jetzt durch. Durch den Sand, der in alle Ecken kriecht („Ich hab jetzt schon die Schnauze voll von der roten Farbe“), das Schlafen unter Moskitonetzen im Zelt und die Enge in den Wohncontainern.
Die wirklichen Gefahren für Leib und Leben spielen in den ersten beiden Episoden naturgemäß noch kaum eine Rolle. Es wird spannend sein zu sehen, wie die Macher am Ende mit den schwierigen Themen Tod und Verwundung umgehen. Als im Sommer ein Tiger verunglückte und zwei deutsche Soldaten bei dem Absturz starben, wollte das Drehteam eigentlich gerade abreisen. Man entschied sich zu bleiben, um auch die schwersten Momente eines Einsatzes einzufangen.
Glaubt man der Bundeswehr, stiegen die Bewerberzahlen nach den „Rekruten“ um 21 Prozent. Ein solcher Erfolg scheint kaum reproduzierbar, zumal nicht mit einem so schwierigen Thema. Doch wenn die Macher auch nur einigermaßen ihr selbstgestecktes Ziel erreichen – nämlich „ein realistisches Bild von den Auslandseinsätzen“ zu zeigen – wäre schon viel gewonnen.
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