Ein besonderer Tag für den DBwV: Der stellv. Bundesvorsitzende, Oberstabsgefreiter Marcus Meissner, Hauptmann Maria Holz, stellv. Vorsitzende Luftwaffe, Julia Egleder, Autorin, Stabsfeldwebel Katja Schwark, stellv. Vorsitzende Heer, und Oberstleutnant i.G. Marcel Bohnert bei der Vorstellung des Buches "Kameradschaft und Kampfgeist - Frauen in der Bundeswehr". Foto: DBwV/Yann Bombeke

29.01.2026
Von Frank Jungbluth

„Frauen in der Bundeswehr“ – ein neues Kapitel in der Verbandsgeschichte

Der Deutsche BundeswehrVerband ist seit Jahrzehnten starker Partner der Frauen in den Streitkräften – mit der Vorstellung des neuen Buches „Kameradschaft und Kampfgeist –Frauen in der Bundeswehr“ schlägt der Verband ein neues Kapitel auf: „Wir betrachten hier heute ein Buch, welches Geschichten, Erfahrungen und Leistungen von Frauen in unseren Streitkräften sichtbar macht und von einem tiefgreifenden Wandel innerhalb der Bundeswehr erzählt“, begrüßte der stellv. Bundesvorsitzende Oberstabsgefreiter Marcus Meissner die fast 100 Frauen und Männer, die an diesem besonderen Tag Gäste in der Bundesgeschäftsstelle des DBwV waren.

Meissner machte deutlich: „Das ist ein Buch, welches von Ihnen erzählt. Wenn ich mich hier in diesem Raum umsehe, fällt mir eins auf den ersten Blick auf, das ist eine Versammlung von vielen bedeutsamen Frauen. Jede einzelne von ihnen mit individuellen Erfahrungen und einer eigenen Geschichte. Und trotzdem eint sie eine Sache: Sie alle machen sich stark, das Thema Frauen in den Streitkräften in die Gesellschaft, die Politik und auch die Bundeswehr hineinzutragen. Dieses Buch und der heutige Tag sind ein Puzzlestück davon, aber es ist längst nicht alles. Den DBwV haben Sie in Ihrem Streben an Ihrer Seite.“

17 Portraits von Frauen, die engagiert dienen

Mit dabei: Die Autorin Julia Egleder, die 17 Portraits von Frauen im neuen Buch aufgeschrieben hat. Hauptmann Maria Holz, stellv. Vorsitzende Luftwaffe im DBwV, und Stabsfeldwebel Katja Schwark, stellv. Vorsitzende Heer, haben mit der Übernahme des ebenso neuen Frauen-Coins aus der Hand des stellv. Bundesvorsitzenden Marcus Meissner an diesem Tag auch die Führung des Netzwerkes für Frauen im Verband übernommen.

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD Siemtje Möller, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen Agnieszka Brugger sowie die Bundestagsabgeordnete Diana Herbstreuth (CDU) waren als parlamentarische Vertreterinnen geladen.

Begründet worden ist das neue Netzwerk während der Amtszeit des früheren stellv. Bundesvorsitzenden Oberstleutnant i.G. Marcel Bohnert, der daran erinnerte, dass in diesen Tagen vor 25 Jahren nach der Kreil-Entscheidung des EUGH allen Frauen alle Laufbahnen in der Bundeswehr erstmals in der Geschichte der Streitkräfte offen standen. „Frauen, die in der Bundeswehr dienen, sind allesamt Vorbild“, betonte Bohnert.

Der Verband hat für das Thema „Frauen in der Bundeswehr“ ein Netzwerk geknüpft, das mit der Buchvorstellung installiert worden ist. Alle Inhalte sind ab sofort zu finden unter www.dbwv.de/frauen.

Frauen in der Truppe sind auf einem guten Weg

Eine der Protagonistinnen im Buch ist Oberfeldarzt Tamara Pace-Ross, Tochter eines Pianisten mit Wurzeln in Tschechien und in Norwegen und einer deutschen Zahnarzthelferin. Sie arbeitete als Finanzvorstand eines global tätigen Unternehmens in New York, studierte nebenbei Physik und entschloss sich nach der Geburt ihres Sohnes, die USA zu verlassen, um Medizin in Berlin zu studieren. Sie absolviert im Bundeswehrkrankenhaus ihr praktisches Jahr und verpflichtet sich als Sanitätsoffizierin, geht in den Auslandseinsatz nach Afghanistan und absolviert nach ihrem Dienst als Bataillonskommandeurin gerade den Generalstabslehrgang an der Führungsakademie der Bundeswehr.

„Frauen in der Bundeswehr sind auf einem guten Weg, dafür ist auch das Netzwerk, das wir im DBwV knüpfen, wichtig. Männer unterstützen sich gegenseitig, fördern und befördern sich. Das müssen Frauen verstehen, wenn sie auch so erfolgreiche Netzwerke aufbauen wollen. Es gilt aber, es ist genug Platz für alle da, Frauen wie Männer“, erklärt Pace-Ross das Prinzip auf dem Panel während der Buchpräsentation. 14 Prozent der Soldaten in den Streitkräften sind Frauen.

Dort sitzt auch Hauptmann Maria Holz, Personalrätin im Bezirkspersonalrat Luftwaffe, Mutter, Soldatin und stellv. Vorsitzende Luftwaffe im DBwV. Sie beschreibt, was sie auf ihrem Weg in der Bundeswehr geprägt hat: „Ich habe immer ein positives menschliches Miteinander als Vorgesetzte und Untergebene erlebt. Wichtiger ist für Frauen, dass die Strukturen, die der Arbeitgeber bietet, auch zur Lebenssituation passen müssen.“ Ein Beispiel sei, dass die Betreuungszeit für Kinder kürzer ist als die Arbeitszeit im Dienst. Das passt oft nicht zusammen.

Frauen in der Bundeswehr haben den DBwV an ihrer Seite

Die Frauenbuch-Vorstellung ist auch ein Tag mit den Geschichten, Erfahrungen und Leistungen von Frauen in unseren Streitkräften: „Das ist heute hier eine Versammlung von vielen bedeutsamen Frauen. Dieses Buch und der heutige Tag sind wichtig dafür haben Sie den DBwV an ihrer Seite“, macht der stellv. Bundesvorsitzende Marcus Meissner deutlich. „Mit unserer Kampagne „Eine von uns“ werden wir das Thema weiter in eine breite Öffentlichkeit bringen.“ Die Kampagne hat jetzt begonnen.

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Diana Herbstreuth war eine der ersten, die 2001 nach dem erfolgreichen Streiten des Deutschen BundeswehrVerbandes für die Kreil-Entscheidung in die Bundeswehr kamen. „Diese Gerichtsentscheidung hat Frauen die Tür in die Bundeswehr geöffnet, ich war eine der ersten, die hindurch durften“, sagt Oberstleutnant Diana Herbstreuth. Sie fing als Unteroffizierin an und ist heute als Parlamentarierin an der Seite der Soldaten.

„Wir sind Frauen in Uniform, Reservistinnen und zivile Beschäftigte. Wir sind vielfältig, engagiert und gestalten Zukunft – für eine Bundeswehr, die Gleichstellung nicht als Zugeständnis, sondern als Stärke begreift. Unser Miteinander steht für Offenheit, Respekt und Zusammenhalt – über Dienstgrad, Funktion und Geschlecht hinweg. Wir verstehen uns als Teil eines großen Ganzen: Wir Frauen sind Bundeswehr“ – das ist ein Teil des Positionspapiers, das auf der Website des DBwV veröffentlicht ist. Noch mehr ist zu lesen unter www.dbwv.de/multimedia/wirfrauen.

Marcus Meissner, der stellv. Bundesvorsitzende, sagt, was das Selbstverständnis, die Kameradschaft von Frauen und Männern in den Streitkräften Dienst ausmachen sollte: „Ich begann meinen Dienst bei der Bundeswehr 2008, für mich war es völlig normal, mit und neben Frauen zu dienen und von ihnen geführt zu werden. Diese Selbstverständlichkeit ist nicht üblich. Sie geben den Zahlen und den Geschichten ein Gesicht, sie erzählen von Erfahrungen und Erfolg, auch von Widerständen und Hindernissen. Soldat zu sein ist keine Frage des Geschlechts, sondern eine Frage der inneren Haltung. Ohne sie alle wären wir heute nicht hier. Dank an alle aktiven Frauen des DBwV.“

Geschichten aus dem Innersten der Truppe

Autorin Julia Egleder beschreibt, warum dieses Buch so wichtig ist: „Der Soldatenberuf war immer eine Männerdomäne. Im Buch sind 17 Soldatinnen portraitiert, die sich geöffnet haben und auch vom Innersten erzählt.“ Sanata Doumbia-Milkereit stammt von der Elfenbeinküste. Sie erzählt im Buch, dass die Bundeswehr ihr zum ersten Mal seit ihrer Ankunft in Deutschland Heimat gegeben hat und auch Freiheit, weil sie in der Truppe den Führerschein machen konnte; und auch Selbstbewusstsein, sie durfte Verantwortung übernehmen, weil ihre Vorgesetzen ihr etwas zugetraut haben.

Für Siemtje Möller, stellv. SPD-Fraktionsvorsitzende, ist klar: „Wenn wir über die Bundeswehr reden, sprechen wir oft von Material, es geht aber mehr um die Menschen, die den Dienst leisten, vor allem auch Frauen. Ich bin seit neun Jahren Verteidigungspolitikerin. Ich bin immer wieder starken, engagierten und leidenschaftlichen Frauen in der Truppe begegnet. Sie sind Vorreiterinnen, die sich in einer nach wie vor männlichen Struktur bewiesen haben. Jede einzelne war irgendwann immer die erste und jede Einzelne ist ein Gewinn für die Bundeswehr.“

Es müsste gelten: Gleiche Rechte, gleiche Pflichten

Und Agnieszka Brugger, Verteidigungspolitikerin und stellv. Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, berichtet von zuhause aus Dortmund, wie selbstverständlich es sein wird, dass Frauen genauso in den Streitkräften dienen wie Männer. „Für meine Tochter sind Frauen in der Bundeswehr Normalität. Die Geschichten in dem Buch sind vielfältig und repräsentativ für die Frauen in der Bundeswehr. Für den Wehrdienst gilt für mich: Gleiche Rechte, gleiche Pflichten.“

Die beste Frage kommt zum Schluss der beiden Diskussionsrunden, die von Katja Gersemann aus der Politik-Abteilung des DBwV moderiert werden: Wie kann die Bundeswehr für Frauen attraktiver werden? Dazu meint Hauptmann Maria Holz: „Die Sichtbarkeit von Frauen als Vorbilder ist wichtig, um die Bundeswehr mit alle ihren Möglichkeiten als Arbeitgeber und Dienstgeber zu zeigen. Es geht auch um passende Kleidungwie  Schutzkleidung für schwangere Frauen – auch das ist die Realität des Dienstes.“

Es ist viel erreicht und vieles zu tun

Insgesamt aber bleibt: Die Bundeswehr hat in den vergangenen Jahren viel für die Vereinbarkeit von Familie und Dienst getan, jetzt muss die Gesellschaft sich auch weiter öffnen, dass dieser Dienst in den Streitkräften zur Verteidigung unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung selbstverständlich wird und vor allem sinnstiftend ist. 

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