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Die Uniform hängt immer im Badezimmer – „Meine Söhne stellten eines Morgens fest, dass meine Uniform einen neuen ,Punkt‘ hat“, erzählt Hauptmann Yvonne Spauke. „Damit kamen immer mehr Fragen zur Bundeswehr." Foto: Eva Krämer
Wie erklärt man Kindern, was es bedeutet, Soldatin zu sein? Hauptmann Yvonne Spauke ist seit rund 25 Jahren Soldatin. Als ihre Söhne anfangen, immer mehr Fragen zu ihrem Beruf zu stellen, entsteht daraus ein Kinderbuch – eine Bundeswehr-Mama erzählt ihren Kindern von ihrem Alltag.
Was macht man in einer Kaserne?“ oder „Hat die Bundeswehr eigentlich auch Musik?“ – Fragen wie diese hört Hauptmann Yvonne Spauke täglich von ihren Söhnen, die acht und zehn Jahre alt sind. „Vor allem der Jüngere stellt ununterbrochen Fragen, auch zu meiner Arbeit als Soldatin“, erzählt sie. Aus diesen Gesprächen entstand das Kinderbuch „Mama, warum hast du eine Uniform? – Was Kinder über die Bundeswehr wissen wollen“, das Anfang des Jahres erschienen ist.
„Eigentlich hatte der Kleine die Idee zu dem Buch“, sagt Spauke. Mit ihrer Beförderung zum Hauptmann rückte ihre Uniform plötzlich in den Fokus: „Eines Morgens stellten meine Söhne fest, dass sich an meiner Uniform, die immer im Bad hängt, ein neuer ‚Punkt‘ befindet“, erzählt sie. Die Neugier war geweckt – und mit ihr viele weitere Fragen. Kurz darauf setzte sich Spauke mit ihren Söhnen hin und schrieb auf, welche Fragen die beiden hatten. Das Schreiben sei ihr leicht gefallen. „Ich habe fast alles so aufgeschrieben, wie ich auch mit meinen Söhnen darüber gesprochen habe. Mein jüngerer Sohn meinte, dass es bestimmt noch viele andere Kinder gibt, deren Mama Soldatin ist und die auch Fragen haben“, erzählt Spauke.
In ihrem Buch erklärt Hauptmann Spauke auf kindgerechte Weise Inhalte der Bundeswehr und gewährt Einblicke in ihren Alltag als Soldatin und Mutter. Auch Hund Püppy taucht in dem Buch auf. „Das war meinen beiden Jungs besonders wichtig“, sagt sie.
„Hast du schon mal geschossen?“
Auch auf die Frage „Mama, hast du schon mal geschossen?“ hat Spauke eine kindgerechte Antwort parat. „Natürlich wurde ich auch schon gefragt, ob ich schon einmal geschossen habe“, erzählt sie und fährt fort: „Ich habe meinen Söhnen erklärt, dass Soldatinnen und Soldaten mit Waffen zu tun haben, aber ebenso, dass wir erst ganz lange üben, bevor wir richtige Waffen benutzen.“ Bewusst hat sich Spauke dagegen entschieden, ein Bild von Waffen in ihr Buch aufzunehmen. „Ich habe nur ein Bild von einer Schießbahn genommen. Kinder sollten wissen, dass wir bei der Bundeswehr mit Waffen zu tun haben, dass wir sie aber nur selten einsetzen und dafür lange trainieren. Das hat meinen Kindern ein Gefühl von Sicherheit gegeben.“
Für Spauke steht die Perspektive der Mutter im Mittelpunkt. „Bücher, in denen der Papa Soldat ist, gibt es viele. Aber kaum welche, in denen die Mutter die Uniform trägt“, sagt sie. Als alleinerziehende Mutter war es ihr wichtig, zu zeigen: „Ich bin Soldatin und Mama – und damit nicht allein.“
Als alleinerziehende Mutter und Soldatin weiß Spauke, wie herausfordernd der Alltag mit zwei Kindern sein kann: „Früher war ich oft auf Lehrgängen und selten zu Hause. Das ist inzwischen aber deutlich weniger geworden“, erzählt sie und fügt hinzu: „Ich habe das Glück, ein super Dezernat und einen tollen Chef zu haben, der mich unterstützt. So habe ich auch die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, was mir vieles erleichtert.“ Dies sei aber nicht überall so. „Viele Chefs wollen das Wort Homeoffice gar nicht hören“, sagt Spauke. Dort und bei der Kinderbetreuung sieht sie noch Verbesserungsbedarf.
Traumberuf Soldatin
Dass Yvonne Spauke Soldatin wird, war für sie schon immer klar: „Mein Papa war Soldat. Als Kind habe ich ihn jeden Tag in Uniform gesehen, war oft in der Kaserne unterwegs und saß in Panzern und anderen Fahrzeugen der Bundeswehr. Das fand ich natürlich total aufregend. Ich habe mein ganzes Leben darauf aufgebaut.“
Doch als sie ihr Abitur machte, waren noch nicht alle Laufbahnen für Frauen offen. „Ich wusste, dass der Sanitäts- und Musikdienst nicht infrage kommt. Ich habe mir in letzter Minute noch eine zivile Ausbildung gesucht und angefangen zu arbeiten“, sagt Spauke. Ihre Kündigung hatte sie immer in der Tasche. „Für den Fall, dass endlich alle Laufbahnen für Frauen geöffnet werden.“
Im Januar 2000 kam es schließlich zum Wendepunkt: Tanja Kreil, die sich 1996 bei der Bundeswehr beworben hatte, klagte, da ihre Bewerbung abgelehnt worden war. Mit Hilfe des DBwV ging der Fall bis vor den Europäischen Gerichtshof. Dieser entschied, dass Frauen nun auch Dienst an der Waffe leisten dürfen. „Einen Tag nach dem Kreil-Urteil habe ich meinem Chef die Kündigung auf den Tisch gelegt“, erzählt Spauke. „Das war der Moment, auf den ich immer gewartet hatte. Die Hoffnung, dass es passiert, hatte ich immer, und als es dann so weit war, war ich mehr als glücklich.“
Fast 25 Jahre im Dienst
Spaukes Plan war es eigentlich, zur Marine zu gehen. „Doch der Karriereberater riet mir davon ab. Ich wäre wahrscheinlich die einzige Frau unter 50 Männern auf einem Schiff gewesen. Da ich das Heer schon durch meinen Vater kannte, entschied ich mich für die Luftwaffe“, sagt Spauke. In ihrer Region war sie eine der ersten Soldatinnen, die in die Bundeswehr eintraten. Heute ist sie am Zentrum für Geoinformationswesen in Euskirchen stationiert und seit fast 25 Jahren im Dienst.
Auch ihre Familie hat schon immer geahnt, dass sie irgendwann zur Bundeswehr gehen würde: „Mein Papa wusste, dass es für mich nichts anderes gibt“, sagt sie. Ihre Mutter sei hingegen etwas ängstlich gewesen. „Durch meinen Vater wusste sie, was dieser Beruf bedeutet, und sie hatte auch Sorge, dass ich in Auslandseinsätze gehen würde.“
Einsätze in Afghanistan und Mali
Mehrmals war Spauke im Ausland stationiert – in Afghanistan und Mali. „Als ich nach Afghanistan ging, hatte ich noch keine Kinder. Zu der Zeit, als ich in Mali war, waren meine Söhne erst eineinhalb und drei Jahre alt“, erzählt sie. Schon damals habe sie ihren Söhnen kindgerecht erklärt, was es bedeutet, als Soldatin in einen Auslandseinsatz zu gehen. „Ich habe ihnen erklärt, dass es in Mali Menschen gibt, die unsere Hilfe brauchen und weshalb die Bundeswehr dort im Einsatz ist. Noch heute erzählen meine Kinder stolz, dass ihre Mama im Ausland gearbeitet hat.“ Ihre Erfahrungen aus ihren Auslandseinsätze hält Spauke in ihrem Buch fest. Und auch, wie schwierig es war, von ihren Kindern getrennt zu sein: „War das schwer, so weit weg zu sein?“, fragte ihr Sohn. Ihre Antwort: „Ja, aber ich wusste, dass ihr zu Hause gut versorgt wart. Dass Papa, Oma, Opa und andere Menschen für euch da waren. Dieses Wissen hat mir geholfen.“
„Ich bin mir sicher, dass es viele Kinder gibt, die die gleichen Fragen haben wie meine Söhne“, sagt Spauke. „Als die ersten Exemplare ankamen, waren meine Söhne total begeistert. Sie haben sich gleich hingesetzt und angefangen zu lesen.“ Das Buch soll Kindern helfen, die Bundeswehr zu verstehen – spannend, kindgerecht und ehrlich.
Die Fragen von Spaukes jüngerem Sohn haben bereits für ein zweites Buch gereicht. „Der hört wirklich nie auf, Fragen zu stellen“, lacht sie. Das neue Buch soll demnächst erscheinen und wird dieses Mal echte Fotos aus Spaukes Zeit im Auslandseinsatz enthalten, die Kindern einen weiteren Einblick in den Alltag einer Soldatin geben werden.
Das Kinderbuch „Mama, warum hast du eine Uniform – Was Kinder über die Bundeswehr wissen wollen“ ist online erhältlich.
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