Stabsfeldwebel Dirk Meyer-Schumann ist seit 24 Jahren Soldat. Es war sein Traumberuf. Der Beruf, der so ist wie kein anderer, hat dem 44-Jährigen auch den Ernst des Lebens vor Augen geführt. Er leidet seit vielen Jahren an PTBS. Fotos: Daniela Skrzypczak/Demipress

09.01.2022
Frank Jungbluth

Ein Retter, der behüten will und sich dabei immer wieder selbst vergisst

Dirk Meyer-Schumann hat bei seinen Einsätzen in Afghanistan gesehen, was man nie mehr aus seinem Gedächtnis streichen kann. Die Diagnose war nach einziger Zeit schlafloser Nächte und nicht mehr kontrollierbarer Gefühle klar: PTBS. Jetzt hilft ihm ein Hund, stabiler zu leben.

Verteidigen, schützen, dieses Glaubensbekenntnis zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben von Stabsfeldwebel Dirk Meyer-Schumann. Er will ein Helfer sein, ein Retter, einer, bei dem man sich sicher und behütet fühlen kann. Warm und weich. Als sich der 44-Jährige vor 24 Jahren entschlossen hatte, Soldat zu werden, erfüllt er sich einen langgehegten Wunsch. „Auch wenn es vielleicht komisch klingt, ich wollte das schon als Kind immer sein. Soldat zu sein, damit verbinde ich Eigenschaften wie Mut und Tapferkeit. Damit verbinde ich, für andere einzustehen, Helfer und auch Retter in der Not zu sein. Daraus wurde mein Beruf und damit auch der Ernst des Lebens.”

Im Jahr 2000 geht er mit seiner Einheit in das Kriegs- und Krisengebiet im Kosovo. Er sieht, was Hass und Krieg, Vertreibung, Gewalt und Sterben anrichten unter den Menschen. „Das waren verstörende und erschreckende Bilder, die man erst einmal verarbeiten muss.” Die Bilder graben sich tief in die Seele von Dirk Meyer-Schumann ein. 2003 ist er mit seinen Kameraden zum Einsatz in Afghanistan. Der Stabsfeldwebel erlebt Raketenbeschuss, sieht wieder Leiden, Gewalt und Tod. „Dieser Einsatz war anders. Wenn man einen gefallenen Kameraden bei der Überführung zum Flughafen begleitet. Wenn man so etwas wie den Busanschlag vom 7. Juni 2003 erlebt, bei dem vier Kameraden getötet und 29 zum Teil sehr schwer verwundet wurden. Darauf waren wir alle damals nicht vorbereitet. Weder in unseren Köpfen noch mit unserem Material.”

Die Bundeswehr im Einsatz, gepanzerte Fahrzeuge und aufmerksam gespannte Gesichter hinter dem MG oben an der Lafette – das war 2003 noch anders. Nach dem Einsatz holt ihn seine Frau am Flughafen in Köln-Bonn ab. „Sie hat gleich gemerkt, dass etwas nicht stimmt”, sagt Dirk Meyer-Schumann. Der Alkohol sei sein bester Freund gewesen. Die ständigen Alpträume, die unkontrollierbare Wut gegen Menschen, die er eigentlich liebt, die Aggressionen, die plötzlich auftauchen, ohne dass man sie im Ansatz verstehen könnte.

Nach den Einsätzen im Kosovo und in Afghanistan musste der Stabsfeldwebel seinen Dienst immer wieder unterbrechen, aber die Diagnose, die alles erklärt, was die Ereignisse mit dem Soldaten Dirk Meyer-Schumann gemacht haben, wird erst 2009 bei einem Aufenthalt im Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg gestellt. Es folgen mehrere Klinikaufenthalte und Therapien. Dirk Meyer-Schumann lernt dort mit den Flashbacks und den Alpträumen, den plötzlich aufbrodelnden Aggressionen zu leben. So gut oder so schlecht, wie man das eben kann, nach allem, was er erlebt hat.

2014 werden die Beschwerden in Folge der posttraumatischen Belastungsstörung so stark, dass es nicht mehr weitergeht. „Mein mühsam aufgebautes Kartenhaus ist da zusammengefallen.”

Er hat – wenn man das so sagen kann – das Glück, dass ein Begleithund an seiner Seite ist. Lucy, ein australischer Hütehund. Jetzt ist es Lucy, die ihn beschützt. Das sensible Tier spürt, wenn alles zu viel wird für den Stabsfeldwebel Dirk Meyer-Schumann. Es ist ein Licht in seinem Leben.

Zu einem Podcast mit Dirk Meyer-Schumann gelangen Sie hier.

Mit Rat und Hilfe stets an Ihrer Seite!

Nehmen Sie Kontakt zu uns auf.

Alle Ansprechpartner im Überblick