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Erster Kommunikationssatellit der Bundeswehr: 2009 startete der COMSATBw ins All. Foto: dpa/Astrium GmbH
Moderne Konflikte werden schon längst nicht nur am Boden ausgetragen, sondern auch mit Hightech im All. Das Weltraumkommando der Bundeswehr überwacht das All. Dort werden Bedrohungen bewertet und unsere weltraumgestützten Dienste und Fähigkeiten verteidigt.
Kriege und Gefechte im Weltraum – Geschichten, die man sonst nur aus Science-Fiction-Erzählungen wie „Star Wars“ oder „Star Trek“ kennt. Solche Szenarien scheinen Fantasie zu sein, doch: Gefahren, die unsere Sicherheit bedrohen, lauern auch in einer Höhe von mehreren tausend Kilometern. Um dafür gewappnet zu sein, wurde im Sommer 2021 das Weltraumkommando der Bundeswehr, kurz WRKdoBw, von der damaligen Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in Dienst gestellt. Seitdem ist das WRKdoBw das zentrale Führungs- und Koordinierungselement für alle militärischen Aktivitäten in der Dimension Weltraum.
„Unter dem Aspekt Führung aus einer Hand verantworten wir dabei alle mit der Dauereinsatzaufgabe Militärische Weltraumnutzung im Zusammenhang stehenden Aktivitäten: federführend die Erstellung der Lage in der Dimension Weltraum sowie die Planung und Führung von Weltraumoperationen und in einer koordinierenden Rolle die Einsatzunterstützung aus dem Weltraum sowie den Betrieb der Weltraumsysteme der Bundeswehr“, erklärt Oberst i.G. Markus Neitzke, stellvertretender Chef des Stabes. „Für diesen letzten Anteil wird sich unsere Rolle zukünftig ändern, da die kürzlich veröffentlichte Weltraumsicherheitsstrategie den Aufbau eines Satellitenbetriebszentrums der Bundeswehr und die Zuordnung zum WRKdoBw vorgibt.“
Im Einzelfall übernimmt das Weltraumkommando außerdem die Rolle des deutschen „Space Component Command“, das dem jeweils operationsführenden Kommando als zentrale Planungs- und Führungseinrichtung auf taktischer Ebene für den Bereich Weltraum dient. „Damit stellen wir die Integration von Weltraumoperationen in eine militärische Gesamtoperation sicher und koordinieren in diesem Zusammenhang auch die Beteiligung an der dauerhaften multinationalen Weltraumoperation ‚Operation Olympic Defender‘ unter Führung der USA“, sagt Neitzke. Derzeit arbeiten 180 Soldatinnen und Soldaten sowie zivile Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im WRKdoBw. Hinzu kommen rund 30 Angehörige der Raumfahrtagentur des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, die zusammen mit Soldatinnen und Soldaten des Weltraumkommandos das Weltraumlagezentrum ressortgemeinsam betreiben.
Aufklärung in 500 Kilometern Höhe
Aktuell verfügt die Bundeswehr über acht eigene Satelliten zur Satellitenkommunikation und Aufklärung. „Im Bereich der Satellitenkommunikation sind dies die zwei geostationären Kommunikationssatelliten COMSATBw-1 und COMSATBw-2, mit denen stabile Sprach- und Datenverbindungen für die Streitkräfte bereitgestellt werden“, sagt Oberst i.G. Neitzke. „Im Bereich der weltweit abbildenden Aufklärung findet derzeit ein Übergang von der Nutzung der fünf SAR-Lupe-Satelliten zu den drei Satelliten des Nachfolgesystems SARah statt. Diese befinden sich in einer Höhe von rund 500 Kilometern.“ Einer der drei Aufklärungssatelliten wird bereits operationell genutzt. Die zwei weiteren SARah-Satelliten befinden sich noch im Testbetrieb und sollen nach erfolgreichem Abschluss ebenfalls genutzt werden. Neitzke ergänzt: „Sowohl das SAR-Lupe- als auch das SARah-System verfügen über hochauflösende Radarsensoren, wobei mit SARah die Aufklärungsfähigkeiten der Bundeswehr deutlich verbessert werden.“
Diese Zahlen werden sich in den kommenden Jahren allerdings deutlich verändern: „Bis 2030 wird die Bundeswehr insgesamt 35 Milliarden Euro für den Ausbau bestehender und den Aufbau neuer Fähigkeiten erhalten“, so Neitzke. Dazu gehören neben weiteren abbildenden Aufklärungssatelliten unter anderem auch Satelliten zur signalerfassenden Aufklärung, eine Satellitenkonstellation zur Kommunikation, die auf mehreren Umlaufbahnen verteilt ist, Fähigkeiten zur satellitengestützten Frühwarnung und Zielführung als Bestandteile der Wirkkette zur territorialen Flugkörperabwehr. „In Summe ist davon auszugehen, dass die Bundeswehr 2030 ein Vielfaches an Satelliten betreiben wird“, so Neitzke.
Der Weltraum ist global, komplex und dynamisch
Neben den Satelliten der Bundeswehr nutzen die Streitkräfte weitere Systeme: Das bekannteste ist das Navigational Satellite Timing and Ranging – Global Positioning System (GPS) der USA. Es liefert Signale zur Positionsbestimmung, Navigation und Zeitfestlegung, die beispielsweise Grundlage für Präzisions- und Abstandsfähigkeit sind, die mit Waffensystemen der Bundeswehr in den Dimensionen Land, See und Luft erzielt werden.
Die Nutzung des Weltraums ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Teamsport. „Kein Weltraumakteur kann die mit der Nutzung einhergehenden Herausforderungen allein bewältigen, denn der Weltraum ist global, komplex und dynamisch“, erklärt Neitzke. „Durch Partnerschaften gewinnen wir beispielsweise Zugang zu Sensorik, Diensten und Expertise. Kurz gesagt: Im Weltraum ist Zusammenarbeit nicht nur eine Option, sondern eine sicherheitspolitische Notwendigkeit. Internationale Zusammenarbeitsbeziehungen haben für uns daher einen hohen Stellenwert.“ Zu den wichtigsten Partnern und Verbündeten gehören neben den USA und Frankreich vor allem die Nationen, die wie Deutschland Mitglied der Initiative „Combined Space Operations“ sind. Dazu gehören Australien, Kanada, Großbritannien, Neuseeland, Italien, Japan und Norwegen. „Im WRKdoBw tauschen wir uns aktuell mit über 30 Ländern aus, mit mehr als der Hälfte davon besteht ein regelmäßiger Kontakt“, sagt Neitzke.
„Lose sight, lose fight“
Ganz im Sinne von „Lose sight, lose fight“ ist ein möglichst präzises Lagebild für die Dimension Weltraum zum Schutz von Satelliten unerlässlich. „Ohne zu wissen, welche Objekte sich im Orbit befinden, wie sie sich bewegen und welches Verhalten auffällig ist, können wir Bedrohungen weder identifizieren noch zuordnen oder gar rechtzeitig darauf reagieren“, sagt Neitzke. Der zweite Baustein ist der direkte Schutz der Systeme. Dazu zählen technische Maßnahmen wie die Härtung von Satelliten gegen Störungen, die Verschlüsselung von Verbindungen und die Gewährleistung der Cybersicherheit für die Bodensegmente, aber auch die Manövrierfähigkeit der Satelliten im Orbit. Der dritte Aspekt ist die Resilienz.
„Wir wissen, dass bereits weit im Vorfeld eines bewaffneten Konflikts versucht werden wird, die militärische Weltraumnutzung einzuschränken. Deshalb führen wir Eventualfallplanungen und Weltraumoperationen für Satellitensysteme durch und geben Handlungsempfehlungen an die Streitkräfte weiter, damit diese bei Einschränkungen der Weltraumnutzung handlungsfähig bleiben“, so Neitzke. Klar sei, so Neitzke weiter, dass es „vollständige Sicherheit im Weltraum nicht gibt, aber wir können dafür sorgen, dass wir Bedrohungen früh erkennen, Angriffe erschweren und unsere Handlungsfähigkeit auch in Krisen oder Kriegen erhalten.“
Bedrohungsspektrum: Angriff auf Satelliten
Spätestens die Cyberattacke auf das KA-SAT-Satellitennetzwerk zu Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine hat gezeigt, dass militärische Konflikte sich zunehmend auch im Weltraum abspielen. Doch nicht nur Cyberangriffe stellen eine reale Bedrohung für Weltraumsysteme dar. „Das Bedrohungsspektrum für Satellitensysteme reicht mittlerweile von bodengestützten Fähigkeiten zur Störung von Satellitensignalen über Annäherungsmanöver von Satelliten mit Ausspäh- und Manipulationsfähigkeiten bis hin zu Antisatellitenwaffen“, erklärt Neitzke. Angriffe auf Satelliten sind jedoch nur ein Teil des Bedrohungsspektrums. Alle Satellitensysteme bestehen in der Regel aus drei Segmenten: dem Raumsegment, also dem Satelliten selbst, dem Bodensegment, von dem aus Satelliten kontrolliert und die dort generierten Daten empfangen und weiterverarbeitet werden, sowie dem Linksegment, das die Boden- und Raumsegmente verbindet und über das die Signale und Daten übermittelt werden.
Damit ergeben sich für potenzielle Gegner multiple Angriffsmöglichkeiten. Im schlimmsten Fall könnte eintreten: „Ein Szenario, in dem die Weltraumnutzung nicht oder nur extrem eingeschränkt möglich ist“, so Neitzke. Dies hätte nicht nur dramatische Auswirkungen auf die Streitkräfte, sondern auch auf das alltägliche Leben. Denn Fernsehen und Internet werden aus dem Weltraum empfangen, ebenso wie Navigationssignale, die für einen funktionierenden Luft- und Seeverkehr essenziell sind. Auch für Rettungsdienste sind diese Signale und die Satellitenkommunikation enorm wichtig. Neitzke sagt: „Solche Szenarien sind zumindest nicht unrealistisch.“
Beitrag zur Kriegstüchtigkeit
Wie die gesamte Bundeswehr steht auch das Weltraumkommando vor der Herausforderung, bis 2029 kriegstüchtig zu werden. „Der konkrete Fähigkeitsauf- und -ausbau für das WRKdoBw betrifft sowohl die Fähigkeiten zur Erstellung der Lage in der Dimension Weltraum als auch zur Planung und Führung von Weltraumoperationen“, erklärt Neitzke.
Themen wie Organisation, Personal und Infrastruktur stellen das WRKdoBw weiterhin vor große Hürden. „Der Betrieb von Weltraumsystemen und die Nutzung der durch sie generierten Daten erfolgen sehr häufig durch hoch qualifiziertes und spezialisiertes Personal“, sagte Neitzke. „Dieses Personal zu gewinnen, auszubilden und zu qualifizieren, ist eine Herkulesaufgabe, die sofort angegangen werden muss, damit die Vielzahl neuer Systeme, die in den nächsten Jahren eingeführt werden, auch eingesetzt werden können.“
Ohne Kriegstüchtigkeit im Weltraum könne die Bundeswehr auch in allen anderen Dimensionen kaum kriegstüchtig werden, da Weltraumsysteme eine wichtige Grundlage für Multi-Domain-Operations sind.
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