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Die ehemalige Bundeswehr-Liegenschaft in Cuxhaven auf einem Luftbild aus dem Jahr 2005. Am Standort, der als einzige ehemalige Kaserne in Niedersachsen wieder aktiviert werden soll, könnte die Grundausbildung der Marine konzentriert werden. Foto: Wikipedia
Der Sozialdemokrat Uwe Santjer ist seit sieben Jahren Oberbürgermeister des größten deutschen Nordseeheilbades. Cuxhaven hat gelitten und wächst nach schwierigen Jahren wieder. Jetzt könnte die Bundeswehr in die Hinrich-Wilhelm-Kopf-Kaserne zurückkehren. Der Rat der Stadt hat die Truppe schon mit einer Resolution begrüßt.
Oft, wenn der Cuxhavener Oberbürgermeister Uwe Santjer in seinem Heimatort Altenwalde durch die Hauptstraße geht, blickt er auf das Ärztehaus im Ortskern, in dem der „Altenwalder Hof“ vor vielen Jahren der Treffpunkt junger Leute war. Der 60-jährige Sozialdemokrat Uwe Santjer war einer von diesen jungen Leuten, die in den 1980er-Jahren dort „um die Häuser“ zogen. Der „Altenwalder Hof“ war eine Diskothek, er war ein Ort, an dem die Einheimischen im Konkurrenzkampf mit den jungen, smarten, gut trainierten Soldaten waren.
Es ging um die hübschesten Mädchen des 6000 Einwohner großen Cuxhavener Ortsteils und um die coolsten Sprüche und vielleicht auch manchmal darum, wer wie viel Bier verträgt und auf der Tanzfläche zum Sound der 80er mit der Musik von Depeche Mode und Soft Cell den Mädchen am nächsten kam, immer mit schüchternem Abstand und Anstand, versteht sich.
Uwe Santjers Vater war Kutterfischer, der Sohn in der SPD seit er 17 Jahre jung ist. Sozialdemokratisch sozialisiert, strebsam, bodenständig, klare Kante, verbindlich und verlässlich. Nach dem Schulabschluss ließ er sich zum Erzieher ausbilden, Ersatzdienst bei der evangelischen Kirchengemeinde, politisch aktiv für die Heimat, erst Ortsrat Altenwalde, dann Stadtrat und schließlich Kreistag. Seit 2013 war Santjer Abgeordneter im Landtag Niedersachsen, mit dem Herzen aber immer an der Küste. 2019 dann tritt er an und wird in seiner Heimat im ersten Wahlgang zum Oberbürgermeister gewählt.
Die Stadt ist seit vielen Jahre in schwerem Wasser, als Uwe Santjer im Rathaus die Geschäfte übernimmt. Cuxhaven hat jahrelang Einwohner verloren, die Fischerei, früher mit fast 10 000 Arbeitsplätzen eine Macht in der Stadt, die Deutschlands größtes staatlich anerkanntes Nordsee- und Thalasssoheilbad beheimatet, ist auf 1600 Jobs geschwunden, die Bundeswehr aus der Hinrich-Wilhelm-Kopf-Kaserne in Altenwalde abgezogen. Cuxhaven hat mehr als 100 Jahre Tradition als Militärstandort. Die Stadt verlor Einwohner, als Santjer übernahm, war die Zahl der Bürger von etwas mehr als 60 000 im Jahr 1975 auf knapp 48 000 gesunken. Jetzt wächst die Stadt wieder und die Bundeswehr könnte Cuxhaven helfen, zu alter Blüte zu gelangen.
„Vieles ist in den vergangenen Jahren in Bewegung gekommen“, sagt Uwe Santjer. Es gibt gute Beispiele. Santjer schafft gemeinsam mit der Politik den Turnaround. 1200 Cuxhavener Kinder, wie der Oberbürgermeister sagt, hat man in die Heimat zurückgelotst. Der Hafen gewinnt an Bedeutung, insgesamt entstehen 2500 neue Jobs, auch dank der Offshore-Industrie und jetzt ist die Reaktivierung der Hinrich-Wilhelm-Kopf-Kaserne nicht nur im Gespräch, sondern auch greifbar nahe. Bis 2017 war sie eine Unterkunft für Asylbewerber, seitdem sind die Liegenschaften der steifen Brise an der Nordseeküste ausgesetzt.
Bis zum Jahr 2003 war hier unter anderem das Panzerbataillon 74 zu Hause, bis in die 1990er-Jahre auch das Panzergrenadierbataillon 73, Einheiten der Luftwaffe und angeschlossene Truppenteile – 2000 Soldaten dienten hier in den guten Jahren, 2014 wurde die Kaserne aufgegeben. „Die Bundeswehr hat auch das Stadtbild geprägt“, erinnert sich Uwe Santjer. Ehen wurden geschlossen, Familien ließen sich nieder und blieben nach Dienstzeitende, ehemalige Soldaten und ihre Familien leben bis heute in der Region, fünf Kilometer von Altenwalde entfernt, bleibt die Bundeswehr stationiert. In Nordholz, Deutschlands einzigem Marineflugplatz, ist das Marinefliegerkommando mit den beiden unterstellten Geschwadern, dem Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“ und dem Marinefliegergeschwader 5, zuhause.
Der Standort Cuxhaven hat eine lange Geschichte in der deutschen Militärhistorie. Kaiserliche Marinesoldaten haben schon 1892 in der Altenwalder Heide geübt, dann wurde das Gelände Schießplatz für die Marine-Artillerie, das Marine-Arsenal entstand, der Standort wuchs vor dem 1. und auch vor dem 2. Weltkrieg, die sogenannten Vergeltungswaffen des nationalsozialistischen Terrorregimes wurden hier erprobt, dann kamen die westlichen Siegermächte des Krieges in die Cuxhavener Liegenschaften und starteten während der Aktion „Backfire“, bei der die Alliierten deutsche Raketentechnik requirierten, sogar das berüchtigte Aggregat 4, die V2, von hier aus – es war die erste ballistische Rakete der Menschheitsgeschichte. 1955, nach ihrer Gründung, zog die Bundeswehr wieder ein.
So gesehen ist der 24. Februar 2022 auch für Cuxhaven ein Schicksalstag. Die dringend notwendige Rückbesinnung der Streitkräfte auf Landes- und Bündnisverteidigung, der OP-Plan Deutschland, das im Dezember 2025 beschlossene Wehrdienst-Modernisierungsgesetz, der Aufwuchsplan, der bis zum Jahr 2035 bis zu 260 000 aktive Soldaten vorsieht, 200 000 Reservisten sollen bis dahin in der zweiten Reihe stehen, 40 000 Rekruten will man bis zum Jahr 2031 jährlich ausbilden; die meisten für die Reserve, verbunden mit der Hoffnung, dass sich etliche der Neuen für einen längerfristigen Dienst entscheiden. Das alles führt dazu, dass man seit dem Herbst des Jahres 2025 in Cuxhaven wieder hoffen darf, dass die Bundeswehr zurückkehrt.
Altenwalde ist einer von 187 Standorten, die auf einer Liste stehen, weil sie für die künftige Nutzung wieder infrage kommen. Das Bundesverteidigungsministerium hat diese Liste im Oktober 2025 veröffentlicht. Sie ist das Dokument, das beschreibt, wie viel Platz die deutschen Streitkräfte brauchen, um allein in diesem Jahr bis zu 20 000 neue Wehrdienst Leistende unterzubringen, auszubilden und zu trainieren. Die Hinrich-Wilhelm-Kopf-Kaserne ist der einzige Standort in Niedersachsen auf dieser Liste der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Hier will man, soviel ist bekannt, die Grundausbildung der Marine in Zukunft konzentrieren.
Oberbürgermeister Uwe Santjer erkannte schnell, wie auch Mitglieder des Stadtrates, dass in dieser Entwicklung eine weitere Riesenchance für die Küstenstadt liegt. „Wer hier lebt, fügt sich ins soziale Miteinander der Stadt ein, das ist eine Bereicherung“, sagt Santjer. Wer dort dient, kauft auch ein, geht ins Restaurant und wird Freunden von den vielen guten Seiten der Stadt erzählen – bessere Werbung kann Cuxhaven kaum haben. Auch deshalb waren Stadtrat und Oberbürgermeister nach den ersten Gesprächen über den Standort schnell einig, ein klares Signal für die Bundeswehr zu setzen.
„Die aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen in Europa und darüber hinaus unterstreichen die Notwendigkeit einer erhöhten Einsatzbereitschaft und Präsenz der Bundeswehr. Der Standort Altenwalde kann hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten. Seine strategisch günstige Lage sowie seine besondere Eignung für Ausbildung, Logistik und Unterstützungskräfte machen ihn zu einem wichtigen Baustein für die Landes- und Bündnisverteidigung“, heißt es im Text, der von den demokratischen Kräften der Mitte, wie Santjer bekräftigt, am 4. Dezember 2025, einstimmig im Rat verabschiedet worden ist. Man kann auch sagen: Herzlich willkommen, Bundeswehr.
„Wir haben in diesen Zeiten alle eine Verantwortung, auch wir in Cuxhaven, auch ich als Oberbürgermeister“, betont Uwe Santjer. Das heißt auch Verantwortung des Oberbürgermeisters für die Zukunft der Stadt, deren Hafen für die Offshore-Windindustrie aufgerüstet ist. Er will erreichen, dass die Marine auch hier Liegeplätze für Überwasser-Einheiten bekommt – denn die Tatsache, dass die Bundeswehr in Cuxhaven einen großen Standort haben kann, erinnert daran, wie es in Cuxhaven war, als Uwe Santjer als junger Mann im „Altenwalder Hof“ Gast war – eine Stadt voller Energie mit zupackenden Menschen; so wie es in Cuxhaven wieder ist und immer mehr wird.
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