Eine alte Kaserne in Leipzig — das ist die Vergangenheit. Mit dem Investitionsprogramm für die Bundeswehr werden in den nächsten Monaten und Jahren zügig neue Unterkunftsgebäude gebaut — das ist die Zukunft. G-Cap Inland sieht Stuben für vier Soldaten mit einer Größe von 34 Quadratmetern vor. Foto: Picture-Alliance/ZB/Volkmar Heinz

Eine alte Kaserne in Leipzig — das ist die Vergangenheit. Mit dem Investitionsprogramm für die Bundeswehr werden in den nächsten Monaten und Jahren zügig neue Unterkunftsgebäude gebaut — das ist die Zukunft. G-Cap Inland sieht Stuben für vier Soldaten mit einer Größe von 34 Quadratmetern vor. Foto: Picture-Alliance/ZB/Volkmar Heinz

21.02.2026
Von Frank Jungbluth

Schneller planen, schneller umsetzen, schneller aufwachsen – so baut die Bundeswehr für die neuen Rekruten

Ministerialrat Daniel Franke und Oberst Dr. Andreas Goldbach sind Projektleiter für das Programm „G-CAP Inland – Stufe 1“. Hinter dem Projektnamen verbirgt sich der milliardenschwere Neubau von Unterkunftsgebäuden für die neuen Rekruten, die mit dem Wehrdienst-Modernisierungsgesetz die Truppe verstärken sollen.

Die Bundeswehr: Das Wehrdienst-Moderni-sierungsgesetz ist seit 1. Januar 2026 in Kraft. Allein in diesem Jahr will die Bundeswehr 20 000 Rekruten einstellen, mindestens 6000 mehr als im Jahr 2025. Diese „neuen“ Soldaten müssen untergebracht werden. Wie kann das gelingen, denn schon 2027 will man 23 000 Rekruten einstellen, die man unterbringen muss?

Daniel Franke: Es ist aktuell geplant, die „neuen“ Soldaten in Bestandsinfrastruktur unterzubringen. Diesbezüglich wurden bereits in 2025 Maßnahmen ergriffen, die Bestandsinfrastrukturkapazitäten so zu verdichten, dass entsprechende Unterbringungsmöglichkeiten freigezogen werden können. Parallel dazu laufen Sanierungsmaßnahmen, deren Beendigung in 2026 weitere Kapazitäten schaffen wird.

Die Bundeswehr: Das Projekt heißt „G-CAP Inland“, wie kann man die Idee und die Herangehensweise an diese neue Art des Baus von Unterkünften in wenigen Sätzen beschreiben?

Daniel Franke: Die kurzfristigen zusätzlichen Bedarfe für die Einführung des „Neuen Wehrdienstes“ lassen sich weder aus dem Bestand noch durch die Schaffung neuer Unterkunftskapazitäten im traditionellen Infrastrukturverfahren oder aus den bereits aufgesetzten oder bisher vorgesehenen Bauprogrammen zeitgerecht decken. Aus diesem Grund wurde im Mai 2025 das Projekt „German Armed Forces – Contractor Augmentation Program“ (kurz G-CAP) Inland – Stufe 1 aufgesetzt. 

Dr. Andreas Goldbach: Dieser Projektansatz ist aus der Einsatzinfrastruktur abgeleitet. Dahinter verbirgt sich ein Verfahren, mit dem schnell, flexibel und durchhaltefähig in mandatierten Auslandseinsätzen oder Missionen der Bundeswehr komplette Infrastrukturen (Planung, Bau, Betrieb, Rückbau) als Full Service für die Truppe bereitgestellt werden. Das bewährte G-CAP-Konzept wird nun auch für den Ausbau der Infrastruktur im Inland weiterentwickelt (G-CAP Inland). Es geht folglich um eine mittels Rahmenvertrag durch einen zivilen Vertragspartner zu errichtende und in Teilen auch betriebene Infrastruktur, die aus standardisierten Modulen besteht, deren Leistungsbeschreibung funktional gefasst ist. Dem Rahmenvertragspartner, oder in diesem Fall den Rahmenvertragspartnern, werden die entsprechenden Planungsleistungen entsprechend vollumfänglich übertragen. Zudem wird auf eine weitgehende detaillierte Vorgabe der Planungsunterlagen durch den Auftraggeber verzichtet. Ziel ist dabei, den Zeitrahmen von Beauftragung bis zur funktionsfähigen Fertigstellung der Infrastruktur so kurz wie möglich zu halten.

Die Bundeswehr: Die ersten Ausschreibungen sind bereits im Umlauf, wie ist die Lage bei den Rückmeldungen?

Daniel Franke: Bereits am Industrietag im Oktober 2025 nahmen über 100 Vertreter und Vertreterinnen von Unternehmen der Bauwirtschaft und deren entsprechende Verbänden teil. Dies zeigte schon zum damaligen Zeitpunkt ein großes Interesse. Seit dem 11. Dezember 2025 ist nun die Ausschreibung für das nicht offene Vergabeverfahren mit Teilnahmewettbewerb veröffentlicht. Seitdem gingen eine Vielzahl von Bieterfragen im Rahmen des Teilnahmewettbewerbes ein, die in Qualität und Detailtiefe darauf schließen lassen, dass sich die potenziellen Bieter sehr intensiv mit dem Projekt auseinandergesetzt haben. Schlussendlich lässt sich daraus auf ein sehr reges Interesse des Marktes schließen.

Die Bundeswehr: Wie viel Zeit würde man beispielsweise benötigen, um 100 neue Rekruten unterbringen zu können, wie viele Gebäude müssen neu gebaut, wie viele dafür ertüchtigt werden?

Dr. Andreas Goldbach: Für die Unterbringung von 100 Rekruten und Rekrutinnen würde bereits ein Gebäude aus den neuen Verträgen G-CAP Inland – Stufe 1 ausreichen. Für Erstabrufe ist eine längere Planungszeit von 60 Kalendertagen vorgesehen. Bei Folgeabrufen verkürzt sich die Planungszeit auf 30 Kalendertage. Die Ausführungsphase wird mit 210 Kalendertagen kalkuliert. Grundsätzlich ist die Fertigstellung eines Gebäudes für 100 Rekrutinnen und Rekruten ab dem Abruf der Leistung in 270 beziehungsweise 240 Tagen möglich. Parallel dazu laufen bereits die in „der Linie“ angestoßenen Sanierungs- und Errichtungsprozesse weiterer bereits beauftragter Gebäude. „In der Linie“ bedeutet dabei: im normalen Infrastrukturverfahren außerhalb eines speziellen Rahmenvertrages wie G-CAP Inland. Eine genaue Zahl an zu sanierenden Gebäuden kann aktuell nicht beziffert werden.

Die Bundeswehr: Welchen Zeithorizont haben Sie, um beispielsweise die geplanten mehr als 5000 neuen Rekruten allein in diesem Jahr angemessen unterbringen zu können?

Dr. Andreas Goldbach: Da G-CAP Inland – Stufe 1 erst ab Mitte 2027 Unterkunfts- und Büroarbeitsplätze zur Verfügung stellen wird, wurde zur kurzfristigen Deckung von Infrastrukturbedarfen im Zuge der Einführung des „Neuen Wehrdienstes“ ergänzend das Sofortprogramm Infrastrukturbedarf Personalgewinnungsorganisation (kurz SIPGO) in die Wege geleitet. Mit SIPGO soll die temporäre Bereitstellung von Unterkunfts- und Funktionsräumen in containerbasierten Gebäuden mit dem Ziel der Verfügbarkeit für die Ausbildung im 4. Quartal 2026 sichergestellt werden. Bis dahin sind die im Jahr 2026 neu eingestellten Rekrutinnen und Rekruten zunächst in Bestandsinfrastruktur unterzubringen. Dabei richtet sich die Unterbringungsnotwendigkeit nach der Anzahl der tatsächlich einberufenen Rekrutinnen und Rekruten.

Die Bundeswehr: Sind auch Lösungen vorstellbar, wie man sie früher in Einsatzgebieten hatte, also Container?

Daniel Franke: Als Überbrückungs- oder Interimslösung werden containerbasierte temporäre Bedarfsdeckungsvarianten genutzt wie mit dem in Frage 5 beschriebenen Programm SIPGO. Da für G-CAP Inland – Stufe 1 jedoch eine längerfristige Nutzung von geplanten 25 Jahren vorgesehen ist, wird die modulare oder serielle Bauweise bevorzugt. Diese ermöglicht bei nahezu gleichen Bereitstellungszeiten einen höheren Standard und eine längere Nutzung.

Die Bundeswehr: Wie viele Neubauten sind insgesamt nötig, um den Aufwuchs für den „Neuen Wehrdienst“ – das BMVg plant mit jährlich 40.000 Rekruten bis 2031 – auch unterbringen zu können?

Daniel Franke: Der durch die jeweilige Teilstreitkraft kommunizierte und durch das Bundesministerium der Finanzen anerkannte Bedarf wird mit rund 300 Neubauten aus dem Projekt G-CAP Inland – Stufe 1 umgesetzt werden. Das geschätzte Kostenvolumen beläuft sich auf circa vier Milliarden Euro.

Die Bundeswehr: Welche Spezifika werden Neubauten haben?

Dr. Andreas Goldbach: Die durch das Projekt G-CAP Inland – Stufe 1 bereitzustellende Infrastruktur sieht Gebäudekomplexe bestehend aus Unterbringungseinheiten mit Sammelsanitäranlagen, Funktionsbereiche für das Stammpersonal sowie Lehrsaal und Waffenkammern vor. Die Unterkunftsräume sind mit 34 Quadratmetern für eine Vier-Personen-Belegung ausgelegt, in die das Liegenschaftsmaterial der Bundeswehr hineinpassen muss. Aufgrund der bereits erwähnten funktionalen Leistungsbeschreibung obliegt die vollständige Ausgestaltung der Gebäude den Rahmenvertragspartnern. Hierdurch ist zu erwarten, dass die Gebäude des jeweiligen Rahmenvertragspartners sich von denen anderer Rahmenvertragspartner unterscheiden werden, zum Beispiel in der Fassadengestaltung oder im Innenausbau.

Die Bundeswehr: Kann der Bau der Liegenschaften für die Brigade Litauen, die vor dem Zeitplan fertig werden sollen, Vorbild sein?

Dr. Andreas Goldbach: Inwieweit der Bau der Liegenschaften für die Brigade Litauen als sogenannte Blaupause für die Errichtung ganzer Liegenschaft im Inland für die Bundeswehr dienen kann, ist auf jeden Fall ein lohnenswerter Betrachtungsansatz. Aktuell befinden sich die Bauvorhaben in Litauen noch in der Errichtungsphase. Für das Projekt G-CAP Inland – Stufe 1 ist dieses daher ohne Relevanz.

Daniel Franke: Das im Anschluss vorgesehene Projekt G-CAP Inland – Stufe 2 soll ganze Liegenschaften inklusive optionalem Betrieb sowie Einzelbausteine als Ergänzung zu bestehenden Liegenschaften (Verpflegungseinrichtungen, Sportanlagen, Sanitätseinrichtungen, technische Bereiche usw.) zum Abruf beinhalten. Erste Vorbereitungen hierfür laufen bereits. Insofern lohnt sich eine Auswertung und Betrachtung der Erfahrungen aus Litauen auf jeden Fall für die nächste Stufe.

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