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Kein Ende der Gewalt in Sicht – wie geht es weiter in Afghanistan?

In der Provinz Nangarhar steht ein afghanischer Polizist an einem Checkpoint, an dem kurz zuvor eine Autobombe explodiert ist. Die Gewalt in Afghanistan reißt nicht ab. Foto: picture alliance / Xinhua News Agency | Saifurhaman Safi

In der Provinz Nangarhar steht ein afghanischer Polizist an einem Checkpoint, an dem kurz zuvor eine Autobombe explodiert ist. Die Gewalt in Afghanistan reißt nicht ab. Foto: picture alliance / Xinhua News Agency | Saifurhaman Safi

09.02.2021
Yann Bombeke

Kein Ende der Gewalt in Sicht – wie geht es weiter in Afghanistan?

Die Gewalt in Afghanistan nimmt kein Ende – im Gegenteil: in den vergangenen Wochen häufen sich die Meldungen von Anschlägen und Angriffen durch die Taliban. Es stellt sich mehr und mehr die Frage, ob das im vergangenen Jahr in Katar ausgehandelte Friedensabkommen überhaupt umgesetzt werden kann. Ende Januar hat die neue US-Administration angekündigt, das Abkommen überprüfen zu wollen. Die Taliban drohen mit noch mehr Gewalt.

Bis Ende April wollen die US-amerikanischen Truppen Afghanistan nach fast 20 Jahren wieder verlassen – mit ihnen die Verbündeten, auch die Bundeswehr, die schon seit Wochen Material und Großgerät zurück nach Deutschland verlegt. Im Februar vergangenen Jahres hatte US-Administration unter Ex-Präsident Donald Trump in Katar das Abkommen mit Vertretern der Taliban vorgestellt. Das sieht vor, dass die US-Truppen bis Ende April aus Afghanistan abzuziehen. Im Gegenzug sagten die radikal-islamischen Taliban zu, ihre Angriffe gegen die amerikanischen Soldaten einzustellen.

Was sich zunächst nach einer Friedensperspektive nach Jahrzehnten des Kriegs und der Gewalt anhört, hat eine entscheidende Schwachstelle: An den vier Jahre andauernden Verhandlungen war kein Vertreter der afghanischen Regierung beteiligt. So haben die Taliban zwar in den vergangenen Monaten keine Anschläge mehr auf die US-Truppen und ihre Verbündeten verübt, aber keineswegs die Angriffe auf afghanische Sicherheitskräfte und zivile Institutionen des Landes eingestellt. Aktuell vergeht kaum ein Tag, an dem die Medien nicht von den Opfern berichten, die dieser Konflikt fordert.
 
So meldete am 9. Februar die Nachrichtenagentur dpa, dass vier Mitarbeiter des Ministeriums für ländliche Entwicklung erschossen wurden. Zudem starb ein Fahrer des Außenministeriums, als ein am Straßenrand versteckter Sprengsatz explodierte. Diese gezielten Tötungen haben dem jüngsten Quartalsbericht des US-Generalinspekteurs für den Wiederaufbau Afghanistans zufolge „erheblich“ zugenommen. Auch Aktivisten und Journalisten fallen diesen Anschlägen immer wieder zum Opfer.

Einen hohen Blutzoll zahlen nach wie vor auch die afghanischen Sicherheitskräfte. Die „Tagesschau“ berichtete Ende Januar von einem Angriff auf einen Militärstützpunkt im Osten des Landes. Bis zu 15 Soldaten der ANA, der afghanischen Streitkräfte, fielen dem Selbstmordanschlag zum Opfer. Unklar ist, wer für die Attacke verantwortlich ist: In dieser Region ist auch der IS aktiv. Erst vor vier Tagen fielen 16 Kämpfer einer regierungstreuen Miliz in der Nähe von Kundus bei einem weiteren Angriff, meldet die dpa. Doch auch von staatlicher Stelle wird Gewalt verübt: Am 8. Februar meldete die Tagesschau, dass Gewalt und Folter in afghanischen Gefängnissen an der Tagesordnung seien. Etwa ein Drittel der Insassen sei Misshandlungen ausgesetzt, heißt es demnach in einem gemeinsamen Bericht der UN-Mission in Afghanistan UNAMA und des UN-Kommissars für Menschenrechte.

Taliban drohen mit "großem Krieg"

Diese massive Gewalt war es wohl, welche Ende Januar die neue Biden-Administration bewogen hat, das Abkommen von Doha nochmal überprüfen zu wollen. Die Reaktion der Taliban ließ nicht lange auf sich warten: Sie drohen mit einem „großen Krieg“, sollten die USA und ihre Verbündeten nicht wie vereinbart bis Ende April das Land verlassen.

Nun stellt sich auch für die Bundeswehr immer drängender die Frage: Wie geht es weiter in Afghanistan? Klar ist, dass es allein aus Sicherheitsgründen für die Bundeswehr nur heißen kann: gemeinsam rein, gemeinsam raus. Hauptmann Andreas Steinmetz, stellvertretender DBwV-Bundesvorsitzender, verdeutlicht das an zwei Beispielen: „Die Sicherheit der Soldaten ist das A und O, und diese kann nur mit Hilfe der USA gewährleistet werden. Denn wir sind nicht nur im Bereich Schutz durch bewaffnete Drohnen auf unsere Partner angewiesen, sondern zum Beispiel auch bei der Aufrechterhaltung der medizinischen Rettungskette.“

Bis Ende April verbleibt nicht mehr viel Zeit. So richten sich die Blicke auf das kommende Treffen der Nato-Verteidigungsminister. Die Themen der Video-Konferenz am 17. und 18. Februar hat das Bündnis noch nicht kommuniziert, das Thema Afghanistan dürfte aber weit oben auf der Tagesordnung stehen.

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