Wenn keine Menschen mehr an der Tastatur sitzen, wird es womöglich gefährlich (Foto: Fotolia)

Wenn keine Menschen mehr an der Tastatur sitzen, wird es womöglich gefährlich (Foto: Fotolia)

09.03.2017
cw

Social Bots – eine Gefahr für den Bundestagswahlkampf?

Wie elektronisch generierte Meinungsäußerungen möglicherweise unser politisches Verhalten beeinflussen

Politik lebt vom Meinungsaustausch. Dieser verlagert sich zunehmend in die sozialen Medien. Dabei ist vielen Nutzern sozialer Netzwerke nicht bewusst, dass sie häufig  gar nicht mit echten Menschen kommunizieren. Stattdessen inter­agieren sie mit sogenannten „Social Bots“. Hierbei handelt es sich um programmierte Software-Roboter, die unter dem Deckmantel gefälschter Profile bewusst  Themen in sozialen Medien wie Twitter oder Facebook platzieren und Trends beeinflussen.

Parteien oder einzelne Politiker können das Potenzial dieser Programme gezielt dazu nutzen, um mehr Unterstützer vorzutäuschen als sie tatsächlich haben. Das amerikanische Magazin „The Atlantic“ berichtet, dass bei den US-Wahlen zeitweise über ein Drittel der Twitter-Nachrichten  (sogenannte „Tweets“) zur Unterstützung Donald Trumps von Social Bots abgesetzt wurden. Das gleiche gilt für ein Fünftel der Pro-Hillary-Clinton-Tweets. Insgesamt wären dies über eine Million gefälschte Nachrichten alleine auf Twitter. Mit vergleichsweise wenig Aufwand lässt sich eine enorme Wirkung erzielen. Der Münchner Politikprofessor Simon Hegelich schätzt die Kosten für tausend falsche Twitter-Accounts auf 45 US-Dollar. Die Anbieter werden vorrangig in Russland vermutet. Allerdings sind Urheber von Social Bots äußerst schwer zu identifizieren und lassen sich selten zurückverfolgen.

Rechtlich besteht bislang keine Handhabe gegen diese Form der Täuschung. Allerdings stellt der Betrieb der Software auf den Plattformen der Anbieter sozialer Medien in der Regel einen Verstoß gegen deren Geschäftsbedingungen dar und müsste zu einer Löschung führen. In der Praxis lässt sich jedoch kaum kontrollieren, ob ein Nutzerprofil echt ist oder eine Täuschung darstellt.
Noch steckt die Forschung zu diesem Phänomen in den Anfängen. Über die tatsächlichen Auswirkungen lässt sich nur spekulieren. Eine umfangreiche Analyse erstellt derzeit das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag. Hierzu wurde auch am 26. Januar ein erstes öffentliches Fachgespräch geführt.

Mit Blick auf die Bundestagswahlen befürchten Experten, dass Social Bots Informationen im öffentlichen Diskurs verfälschen können. Über den Umweg der Sozialen Medien können solche „Fake-News“ auch durch traditionelle Medien aufgegriffen werden. Dabei besteht die Gefahr, dass durch die Manipulation und Beeinflussung politischer Debatten das allgemeine Vertrauen in die Demokratie erschüttert wird. Auch extreme Meinungen können durch die Aktivitäten von Social Bots eine unverhältnismäßig große Resonanz erfahren und zu einer Radikalisierung der Debattenkultur im Internet führen. Der Einsatz von Social Bots kann zu einer Beeinflussung des Wahlverhaltens führen und sich damit direkt auf die zukünftige Regierung auswirken.

Auch über die Politik hinaus bergen Social Bots Gefahren. Im Bereich der Wirtschaftskriminalität könnte beispielsweise der Aktienwert einzelner Unternehmen durch gezielte Falschmeldungen zum Steigen oder Sinken gebracht werden. Nicht zuletzt sind Social Bots für die Sozialen Netzwerke selbst eine Bedrohung. Die Betreiber befürchten, dass sich eine wachsende Zahl von Nutzern abmeldet, wenn diese nicht mehr von der Echtheit der Beiträge überzeugt sind. Dies wiederum würde sich negativ auf die Werbeeinnahmen und damit auf die Geschäftsgrundlage von Facebook, Twitter und Co auswirken.

Noch gibt es keinen wirksamen Schutz gegen Social Bots in öffentlichen Netzwerken. Umso wichtiger ist es, dass deren Nutzer über die Risiken wissen und lernen, Beiträge von unbekannten Profilen besser einzuschätzen. Dies kann zu einer Stärkung der gesellschaftlichen Resilienz führen, also der Widerstandsfähigkeit einer Gesellschaft gegen Desinformation und Propaganda, wie sie auch im aktuellen Weißbuch gefordert wird. Lediglich in geschlossenen Netzwerken, die eine gesonderte Anmeldung erfordern, können Nutzer sicher sein, dass sie mit „echten“ Menschen diskutieren, unter Beachtung der Regeln dieser Netzwerke. Ein solches Netzwerk bietet übrigens der Deutsche BundeswehrVerband seinen Mitgliedern in dem neuen Community-Bereich an. Hier können Sie sich ohne Sorge über Politik und Bundeswehr kameradschaftlich und kollegial austauschen. Schauen Sie doch mal rein!