09.10.2015

Der EinsatzVerband: Unauffällig im Hintergrund, aber präsent in Notfällen

Oberfeldarzt Matthias Tisch über seine Einsätze und die Unterstützung des BundeswehrVerbandes. Der war auch im Feldlager immer zur Stelle, wenn er gebraucht wurde.

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Er hat den Wandel der Bundeswehr zur Einsatzarmee hautnah miterlebt: Matthias Tisch kann auf eine reiche Einsatzerfahrung zurückgreifen. Zunächst war er 1999 in Bosnien-Herzegowina für längere Zeit auf dem Balkan im Einsatz. 2005, 2006, 2007 und 2008 sowie 2012 und 2013 war er Angehöriger des ISAF-Kontingents. In den ersten Jahren noch im Camp Warehouse, als die Bundeswehr dort ihr Feldlazarett hatte und 2007, als sie in den Norden gegangen ist. In Masar-e-Sharif hat er dann die Klinik mit aufgebaut – „eine richtige Gründerstimmung herrschte damals“, sagt der Oberfeldarzt.

Zuletzt war er 2012 im November und Dezember wieder in Masar-e-Sharif. Im Januar 2013 ist er schließlich (vorläufig) heimgekehrt. Wie er seine Einsätze bewertet? „Nun, zunächst existieren natürlich die ganz normalen Probleme, die immer mit den Einsätzen verbunden sind. Wir Ärzte kommen aber gut miteinander klar.“ Auch aufgrund der kürzeren Einsatzzeiten entstünden manche Schwierigkeiten erst gar nicht, sagt Tisch. Aber er war auch Vertrauensperson der Offiziere im Einsatz. „Und wenn man mit allen Offizieren des Kontingents zu tun hat, darunter viele, die vier und auch mal fünf Monate im Einsatz sind, rücken ganz andere Problemfelder in den Blickpunkt.“

Hier kam der BundeswehrVerband ins Spiel. „Es war sehr angenehm, mit dem einen oder anderen Telefonanruf Probleme regeln zu können. Wenn Rechtsberatung notwendig war, haben die Ansprechstellen des Verbandes schnell und kompetent Auskunft gegeben.“ Unter seinen Studenten seien ebenfalls viele Verbandsmitglieder, sagt Tisch, der auch eine Professur an der Universität Heidelberg innehat. „Es gehört eben zur rechtsstaatlichen Ordnung hierzulande, dass sich auch Soldaten in einem Berufsverband organisieren und gegebenenfalls ihre Interessen gegenüber dem Dienstherrn durchsetzen können.“

Sehr hilfreich sei es da, dass die Vertreter des Verbandes aus der Institution Bundeswehr selbst kämen, betont Tisch. „Da ist dann sofort ein Grundverständnis für die Probleme da und der Ratsuchende fühlt sich gut aufgehoben, wenn er sich an den Verband wendet.“

Ein großes Ärgernis im Einsatz sind die nach wie vor mangelhaften Kommunikationsmöglichkeiten. „Hier in Deutschland reden wir über Flatrate und LTE-Abdeckung. Und dann kann ich bis heute nicht verstehen, warum es nicht möglich ist, wie in den Feldlagern anderer Nationen einen entsprechenden Hotspot aufzubauen“, kritisiert Tisch. Dann könnten die Soldaten zu Flatrate-Konditionen einfach die Telekommunikation nutzen. „Das ist deswegen ein großes Problem, weil es immer Situationen gibt, in denen die Angehörigen einen erreichen müssen“, sagt Tisch. Er spricht aus eigener Erfahrung: „Heute sind meine Kinder erwachsen. Aber in den ersten Einsätzen waren sie noch klein. Da gab es eine Situation, in der meine Frau mich kurzfristig kontaktieren wollte, aber nicht durchkam. Und das war noch nicht einmal in einer Anschlagsituation. Wenn ein Zwischenfall auftritt, ist es ja noch viel schlimmer. Denn die Angehörigen verstehen nicht, dass in diesem Fall die Kommunikation ohnehin erst einmal abgeschaltet wird. Die denken natürlich sofort, dass da etwas nicht in Ordnung ist.“

In seiner Situation als Arzt und besonders als Facharzt hat Tisch die Sicherheitslage in Masar-e-Sharif nie wirklich als bedrohlich empfunden. Denn er durfte das Lager nicht verlassen. „Das Hauptproblem ist und bleibt die Trennung von zuhause und der Verlust der Privatsphäre“, beschreibt Tisch die Einsatzbelastung. „Natürlich funktioniert es für eine gewisse Zeit, wenn man wie in der Jugendherberge im Doppelcontainer wohnt. Mit steigendem Alter wird das jedoch schwieriger.“

Der BundeswehrVerband war im Einsatzland immer präsent, sagt Tisch. „Als ich Betreuungsoffizier war, hat uns etwa der damalige Bundesvorsitzende Oberst Gertz mit seinem Amtsnachfolger Ulrich Kirsch, zu der Zeit noch sein Stellvertreter, besucht.“ Das sei schon sehr interessant gewesen, weil sich sehr gute Gespräche entwickelt hätten. „Die Soldatinnen und Soldaten haben all die Dinge angesprochen, die sie bewegt haben. Auch der Wehrbeauftragte war dabei.“

Die Anwesenheit der Verbandsvertreter habe nach seinem Eindruck dazu beigetragen, dass der Wehrbeauftragte glaubhaft versprach, diese Probleme offen und ehrlich anzupacken, erinnert sich Tisch. „Neben diesem ganz unmittelbaren Kontakt zum Verband waren auch immer Ansprechpartner des Verbandes im Feldlager. Die haben Aktionen gestartet, um die Kameradschaft zu pflegen und den Verband noch präsenter zu machen. Solche Dinge sind im Einsatz unglaublich wichtig.“

Besonders gern erinnert sich Tisch an den Zusammenhalt in den Einsätzen. „Die Kameradschaft wird großgeschrieben. Ich habe noch nie einen Auslandseinsatz erlebt, nach dem ich gesagt hätte, ich habe mich unwohl gefühlt.“ Er habe sich natürlich gefreut, wieder nach Hause zu kommen, aber da sei immer ein bisschen Trennungsschmerz dabei gewesen – „weil ich nette Leute, nette Kameraden kennengelernt habe und weil die Verbundenheit da um ein Vielfaches größer ist als im Inland“.

Matthias Tisch bekennt sich klar zum BundeswehrVerband: „Ich bin Mitglied beim BundeswehrVerband, weil eine Interessenvertretung innerhalb der Bundeswehr notwendig ist, um gemeinsam Rechte durchsetzen zu können. Ich halte das für ganz wichtig, weil der Druck besonders durch Sparauflagen der Politik sehr groß ist. Der BundeswehrVerband ist eine unverzichtbare Institution, um Soldatenrechte gegenüber der Politik zu vertreten.

Der BundeswehrVerband ist besonders für Einsatzsoldaten wertvoll, weil er ihnen eine Absicherung und eine Möglichkeit der Beratung gibt, wenn ein Problem auftritt. Er ist unauffällig im Hintergrund, aber präsent in Notfällen.“